Papst Franziskus in der Türkei Brücken bauen in Ankara

Seit Freitag ist Papst Franziskus zu Gast in der Türkei. Er nannte das Land eine "Brücke zwischen den Kontinenten".

(Foto: Alessandro Di Meo/dpa)

Papst Franziskus schmeichelt beim Staatsbesuch seinen türkischen Gastgebern und versucht eine Wiederannäherung der katholischen Kirche und der orthodoxen Christen. Präsident Erdoğan lobt seinen Besucher - aber attackiert den Westen.

Von Christiane Schlötzer, Istanbul

Der erste Willkommensgruß für den Gast aus Rom fiel frostig aus. Ausgerechnet am ersten Tag des Papstbesuchs in der Türkei, der auch dem interreligiösen Dialog dienen soll, beherrschte Präsident Recep Tayyip Erdoğan die Schlagzeilen mit einer Attacke auf den Westen.

"Sie lieben die Muslime nicht", sondern nur "Öl, Gold, Diamanten", zitierte Hürriyet am Freitag Erdoğans Worte bei einer Konferenz islamischer Staaten. "Sie scheinen vordergründig unsere Freunde zu sein, aber freuen sich über unseren Tod und den Tod unserer Kinder", hatte Erdoğan bei dem Treffen am Vortag in Istanbul gesagt und der muslimischen Welt geraten, die Probleme im Nahen Osten allein zu lösen.

Schnellkurs in Kirchengeschichte

Die Maschine der Alitalia mit dem katholischen Kirchenoberhaupt landete pünktlich um 13 Uhr Ortszeit auf dem Flughafen Esenboğa von Ankara, wo Franziskus vom türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu, dem Gouverneur und dem Bürgermeister der Stadt begrüßt wurde.

Das Staatsfernsehen TRT übertrug stundenlang live und gab seinen Zuschauern auch eine Art Schnellkurs in Kirchengeschichte. Die Moderatoren verwiesen zudem immer wieder auf die außerordentlich hohen Sicherheitsmaßnahmen für den dreitägigen Besuch. Auf einem Dach des Flughafengebäudes war ein Scharfschütze zu sehen.

Erste Station des Papstes war das Mausoleum für den 1938 verstorbenen Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk auf einem Hügel über Ankara. Die Visite ist für Staatsgäste Pflicht. Atatürk war kein Freund der Religionen, er schaffte das Kalifat ab und drängte die islamischen Orden in den Untergrund. Er sorgte dafür, dass die 1923 gegründete Türkei eine säkulare Republik wurde.

Franziskus sucht die Nähe zum Islam

Papst Franziskus will bei seinem Türkei-Besuch nicht in einem Fünf-Sterne-Hotel schlafen. Am liebsten wäre er auch an die syrische Grenze gefahren. Da haben die Sicherheitsleute ihr Veto eingelegt. Der Zeitpunkt seiner Reise könnte heikler nicht sein. Von Christiane Schlötzer mehr ...

Von einer vollständigen Trennung von Staat und Religion kann aber keine Rede sein. Das sunnitisch geprägte staatliche Religionsamt Diyanet kontrolliert auch den Spielraum der Muslime.

Flankiert von Soldaten, legte der Papst vor Atatürks Sarg ein rot-weißes Blumengebinde nieder und verharrte eine Weile in stillem Gebet. Er ließ sich auch das Museum mit persönlichen Gegenständen Atatürks zeigen. Ins Gästebuch trug er nach Angaben des türkischen Nachrichtensenders NTV ein, die Türkei sei eine "natürliche Brücke zwischen den Kontinenten".