Von Stefan Ulrich

Annäherung im Streit um Bischof Williamson: Papst Benedikt XVI. hat die Leugnung des Holocaust scharf verurteilt und erfreut mit seinen Reiseplänen nach Israel jüdische Vertreter.

Benedikt XVI. wird trotz der Spannungen im katholisch-jüdischen Verhältnis in Kürze ins Heilige Land reisen. "Ich bereite mich darauf vor, Israel zu besuchen, ein Land, das für Christen wie Juden heilig ist", sagte der Papst am Donnerstag vor Vertretern der amerikanischen Juden.

Papst Benedikt XVI.; dpa

Papst Benedikt XVI. wendet sich in starken Worten gegen jede Leugnung des Holocaust. (© Foto: dpa)

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In starken Worten wandte er sich gegen jede Leugnung oder Minimierung des Holocaust: "Der Hass und die Menschenverachtung, die in der Shoah deutlich wurden, waren ein Verbrechen gegen Gott und die Menschlichkeit."

Über eine Reise des Papstes nach Israel wird seit längerem spekuliert. Der Krieg im Gaza-Streifen und die antisemitischen Äußerungen des Bischofs Richard Williamson schienen den Besuch aber zu gefährden. Nachdem Benedikt am 24. Januar die Exkommunikation von vier ultrakonservativen Bischöfen, darunter Williamson, aufhob, verkündeten jüdische Organisationen den Abbruch des Dialogs mit der Kirche.

Hinter den Kulissen gingen die Reiseplanungen aber weiter. Nun hat Benedikt die Fahrt offiziell bestätigt. Ein Datum nannte er nicht. In Rom wird damit gerechnet, dass er vom 8. bis 15. Mai Jordanien, Israel und die Palästinensergebiete bereist.

In Jordanien dürfte der Papst zum Moses-Berg Nebo und zum Taufort von Jesus im Jordan pilgern sowie eine Moschee besuchen. Anschließend wird er wohl in Jerusalem die Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem, die Klagemauer und die Grabeskirche aufsuchen. Zudem sind Treffen mit Oberrabbinern, Politikern sowie Fahrten nach Nazareth und Bethlehem geplant.

Jad Vaschem begrüßte in einer Stellungnahme die "unmissverständliche Erklärung" des Papstes. Auch die Präsidenten der wichtigsten jüdischen Verbände der USA zeigten sich bei ihrer Begegnung mit dem Papst im Vatikan zufrieden mit der Ankündigung. "Das Gelobte Land erwartet Ihre Ankunft", sagte der Rabbiner Arthur Schneier.

Alan Solow, ein Vertrauter von US-Präsident Barack Obama, meinte: "Euere Heiligkeit kann mithelfen, die Stimmen von Extremisten zurückzudrängen, die zur Vernichtung Israels aufrufen." Auch in Berlin setzt man auf eine versöhnende Reise des deutschen Pontifex. Aus Regierungskreisen heißt es: "Es liegt im nationalen deutschen Interesse, dass die Reise des Papstes ins Heilige Land ein Erfolg wird."

Zwischen der Bundesregierung und der Kurie hatte es zuvor Streit wegen der Wiedereingliederung des antisemitischen Bischofs Williamson in die Kirchengemeinschaft gegeben. Kanzlerin Angela Merkel forderte den Papst auf, eindeutig gegen eine Leugnung des Holocaust Stellung zu beziehen. Dies wurde im Vatikan als ungerechte Einmischung empfunden, weil sich der Papst insoweit immer wieder klar geäußert habe.

Am Donnerstag erinnerte Benedikt nun an seinen Besuch im früheren Konzentrationslager Auschwitz. "Die ganze menschliche Rasse fühlt tiefe Scham angesichts der wüsten Brutalität, die sich damals an euerem Volk gütlich hielt", sagte der Papst. Er bat um Vergebung für die Leiden, die den Juden in der Geschichte zugefügt wurden.

Benedikt bekannte sich zur positiven Haltung des Zweiten Vatikanischen Konzils gegenüber dem Judentum und sagte: "Die Kirche ist zutiefst und unwiderrufbar darauf verpflichtet, allen Antisemitismus zurückzuweisen und weiter gute, dauerhafte Beziehungen zwischen unseren zwei Gemeinschaften aufzubauen." Die jüdischen Gäste applaudierten dem Papst. Sie betonten aber, wie sehr sie die Äußerungen Williamsons und dessen Wiederaufnahme in die Kirchengemeinschaft verstört hätten.

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(SZ vom 13.02.09/cag)