Papst Benedikt XVI. in Deutschland "Hier werden sich die Pilger nicht eingezäunt fühlen"

Am zweiten Tag seines Deutschlandbesuchs reist Benedikt XVI. nach Thüringen. Das dortige Eichsfeld hat sich für den Papstbesuch herausgeputzt. Zwar stören sich einige Bürger an den Sicherheitsvorkehrungen - doch wie in der DDR sollen sich die Menschen aus dem ehemaligen Sperrgebiet an der innerdeutschen Grenze nicht fühlen. Dafür hat ein Event-Manager aus Regensburg gesorgt.

Von Christiane Kohl

"Vier Stunden lang", sagt Peter Kittel, habe er mit dem thüringischen Innenministerium verhandelt. Dann hatte der Regensburger Event-Manager erreicht, was er wollte: "Hier werden sich die Pilger nicht eingezäunt fühlen", sagt Kittel und schaut zufrieden über das weite, von sanften Hügeln und Buschwerk gerahmte Feld, das im Osten von Heiligenstadt liegt.

Vorbereitungen für den Papstbesuch: Handwerker richten das Kreuz auf der Bühne bei der Wallfahrtskapelle Etzelsbach bei Steinbach auf, wo Papst Benedikt XVI. an diesem Freitag eine Messe zelebrieren wird.

(Foto: dpa)

Vorn rechts leuchtet die rote Backsteinfassade der Marien-Kapelle Etzelsbach aus dem Grün der Landschaft, derentwegen der Papst an diesem Freitag den Acker von Etzelsbach besucht, der zur Gemeinde Steinbach im Eichsfeld gehört. Links neben dem Gotteshaus steht die Tribüne für Benedikt XVI. "Schauen Sie, im Rücken der Pilger wird während der Messe ganz langsam die Sonne untergehen", sagt Kittel und dreht sich in Richtung Westen um: "Was für ein ergreifendes, nachhaltiges Szenario."

Mehr Polizisten als beim Besuch Obamas in Buchenwald

In Erfurt sieht es etwas anders aus. Der Domplatz, auf dem Papst Benedikt am Samstagmorgen eine Messe halten wird, ist von oben bis unten verriegelt und verrammelt. Weiße, zwei Meter hohe Zäune versperren allerorten den Blick, die gotischen Bögen des alten Doms sind kaum mehr dahinter zu erkennen. Polizisten in orangefarbenen Verkehrswesten versiegeln gerade noch die letzten Gully-Deckel und kontrollieren Laternen und Stromkästen. Mehr als 8000 Polizisten werden während der Papstvisite in Thüringen im Einsatz sein, das sind dreimal so viele wie während des Besuchs von US-Präsident Barack Obama im einstigen Konzentrationslager Buchenwald im Jahr 2009.

Das hohe Sicherheitsaufgebot und die vielen Zäune hatten anfangs bei manchem Bewohner ungute Erinnerungen geweckt - vor allem im Eichsfeld, wo Orte wie Steinbach zu DDR-Zeiten zum Sperrgebiet an der innerdeutschen Grenze gehörten, für das besondere Sicherheitsbestimmungen galten. Zwar sind die Bewohner des Eichsfelds traditionell sehr katholisch, doch eben aus dieser Tradition heraus pochen sie auch auf ihre Freiheit. "Die Leute dachten, hier würde eine kleine DDR entstehen und das mit den Passierscheinen ginge wieder los", sagt Kittel.

In vielen Versammlungen hat der Regensburger Kittel seit dem Sommer versucht, die Bürger zu beruhigen. In den zur Gemeinde Steinbach gehörenden Dörfern dürfen die Bewohner an diesem Freitag aus Sicherheitsgründen nur mit Sonderausweis hinein- oder herausfahren. "Das musste man den Leuten natürlich erklären", sagt Kittel. Eben deshalb sei er auch strikt gegen die Zäune gewesen.

Sicherheitskonzept so dick wie eine Doktorarbeit

"Die Menschen hier sind so wunderbar", schwärmt der Manager, der irgendwann im Juni mit Sack und Pack in ein Hintergebäude des Klosters in Heiligenstadt gezogen ist, um den Papstbesuch technisch vorzubereiten. "Die darf man einfach nicht enttäuschen." 60 000 Menschen werden an diesem Freitag in Etzelsbach erwartet. Rund um das Pilgerfeld gibt es 2500 Toilettenanlagen, eine eigene Stromversorgung, frisch geteerte Landstraßen, Lichttürme, neue Wasser- und Elektroleitungen sowie ein Sicherheitskonzept, das so dick wie eine Doktorarbeit ist. Die Region bei Steinbach wirkt komplett runderneuert.

Nur im Pfarrhaus mit seinen schwarzen Fachwerkbalken und dem roséfarbenen Rosenbusch neben dem Eingang scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Pfarrer Franz-Xaver Stubenitzky hofft auf eine Belebung des Glaubens durch den Papstbesuch. Denn selbst im Eichsfeld ist die katholische Welt nicht mehr ganz in Ordnung: "Mir machen die jungen Leute Sorgen", klagt er. Zu DDR-Zeiten hatten die Bewohner der katholischen Enklave am nordwestlichen Rand von Thüringen noch tapfer der von den Machthabern verordneten Säkularisierung widerstanden. Damals gingen die Menschen erst recht zur Kommunion, auch wenn die Jugendweihe staatlich verordnet wurde. Mittlerweile aber gebe es so viele Ablenkungen, sagt eine Altenpflegerin, "dass die Jungen sich für den lieben Gott nicht mehr interessieren".

Bierseidel mit Konterfei des Papstes

Nur acht Prozent der Bewohner in Thüringen sind katholisch getauft. Da mag es nicht verwundern, dass viele den Besuch des Papstes eher unter touristischen Aspekten begrüßen. Die Erfurter Tourismus-Zentrale rechnet für die beiden Tage, an denen Papst Benedikt in Erfurt weilt, mit einem zusätzlichen Umsatz von etwa vier Millionen Euro. Die Andenkenhändler am Domplatz bieten alles Mögliche feil, so etwa einen Bierseidel mit dem Konterfei des Papstes. Das Glas ist als "Geschenk für die Ewigkeit" deklariert.