Joseph Ratzinger hat in seiner ersten Predigt als Papst einige Grundlinien seines Pontifikats vorgezeichnet. Auszüge aus der Predigt:

"Meine Seele wird in diesen Stunden von zwei gegensätzlichen Gefühlen beherrscht. Auf der einen Seite, ein Gefühl der Unzulänglichkeit und der menschlichen Aufgewühltheit angesichts der Verantwortung, die mir gestern anvertraut worden ist (...).

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Auf der anderen Seite fühle ich in mir eine tiefe Dankbarkeit gegenüber Gott (...).

Diese innere Dankbarkeit für ein Geschenk der Göttlichen Barmherzigkeit überwiegt aber in meinem Herzen. Und ich sehe dies als eine spezielle Gnade, die mir von meinem verehrten Vorgänger Johannes Paul II. gegeben wurde.

Es ist, als ob ich seine starke Hand fühle, die meine festhält; und als ob ich seine lächelnden Augen sehe und seine Worte höre, die er in diesem Moment direkt an mich richtet: "Fürchte Dich nicht!". (...)

Gegen alle meine Erwartungen hat die Göttliche Vorsehung mich durch die Wahl der verehrten Brüder Kardinäle dazu gerufen, diesem großen Papst nachzufolgen. (...)

Auch wenn das Gewicht der Verantwortung, die auf meine armen Schultern gelegt worden ist, enorm ist, ist die göttliche Kraft, auf die ich zählen kann, doch sicher noch größer: "Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen." (...)

Ich habe besonders das Zeugnis von Papst Johannes Paul II. vor Augen. Er hinterlässt eine mutigere, freiere und jüngere Kirche. Eine Kirche, die nach seiner Lehre und seinem Vorbild, mit Heiterkeit auf die Vergangenheit blickt und keine Angst vor der Zukunft hat. (...)

Ich will mit aller Kraft meinen entschiedenen Willen bekräftigen, die Aufgabe der Umsetzung des II. Vatikanischen Konzils fortzusetzen, auf dem Kurs meiner Vorgänger und in treuer Kontinuität mit der 2000 Jahre alten Tradition der Kirche. (...)

Der neue Nachfolger (von Petrus) übernimmt als erste Verpflichtung diejenige, mit aller Kraft an der Wiederherstellung der vollen und sichtbaren Einheit all derer zu arbeiten, die Christus folgen. (...)

Er ist sich bewusst, dass dafür guter Wille allein nicht reicht. Konkrete Taten sind notwendig (...).

Der theologische Dialog ist notwendig, unverzichtbar ist auch die Vertiefung der historischen Beweggründe für die Entscheidungen der Vergangenheit." (...)

Der neue Nachfolger von Petrus (...) ist entschlossen, alles in seiner Macht stehende zu tun, um die fundamentale Sache der Ökumene zu fördern. Auf dem Weg seiner Vorgänger ist er entschlossen, jede Initiative zu pflegen, die hilfreich erscheint, um die Kontakte und die Übereinstimmung mit den Vertretern der verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften zu fördern. (...)

Ich wende mich an alle, auch an diejenigen, die anderen Religionen folgen oder einfach eine Antwort auf grundlegende Fragen der Existenz suchen und sie noch nicht gefunden haben.

Ich wende mich mit Einfachheit und Zuneigung an alle, um zu versichern, dass die Kirche mit ihnen einen offenen und ehrlichen Dialog fortsetzen will, auf der Suche nach dem wahren Guten des Menschen und der Gesellschaft. (...)

Ich erbitte von Gott Einheit und Frieden für die Menschheitsfamilie und erkläre die Bereitschaft aller Katholiken zur Zusammenarbeit für eine authentische soziale Entwicklung, die die Würde jedes menschlichen Wesens respektiert. (...)

Ich denke vor allem an die Jugendlichen. Ihnen (...) gilt meine herzliche Umarmung in der Erwartung sie - so Gott will - in Köln beim nächsten Weltjugendtag zu treffen. Mit Euch, liebe Jugendliche, Zukunft und Hoffnung der Kirche und der Menschheit, werde ich den Dialog fortsetzen und Euren Wünschen zuhören (...)."

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(dpa)