Papst Benedikt XVI. Bischöfe verteidigen Millionenkosten für Papstbesuch

Mehr als 25 Millionen Euro lässt sich die katholische Kirche den Besuch des Papstes in Deutschland kosten. Die deutsche Bischofskonferenz hält die Kosten für gerechtfertigt - und will für die Hungernden in Ostafrika sammeln.

Wenn Papst Benedikt XVI. in zwei Wochen nach Deutschland kommt, dann soll das ein Auftritt der Superlative werden: Allein der geplante Gottesdienst im Berliner Olympiastadtion soll das Erzbistum 3,5 Millionen Euro kosten - rechnerisch sind das etwa zehn Euro pro Hauptstadt-Katholik. In Thüringen wird es noch teurer - etwa elf Millionen Euro hat das Bistum Erfurt veranschlagt. Insgesamt soll die viertägige Benedikt-Show 25 bis 30 Millionen Euro kosten.

Erzbischof Robert Zollitsch hält diese Ausgaben für gerechtfertigt. Auf einer Pressekonferenz zum anstehenden Benedikt-Besuch sagte der Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz: "Es soll ein Glaubensfest für möglichst viele Gläubige werden, und das kostet Geld". Diese Summe sei auch angesichts der Hungersnot in Ostafrika zu rechtfertigen.

Er kündigte einen "Benedikt-Fonds" an, in den Kollekten und andere Spenden für die Hungernden am Horn von Afrika fließen sollen. Diese Mittel sollen direkt an den Papst für die Hilfe in Ostafrika gehen. Den Notleidenden dort soll der "Benedikt-Ostafrika-Fonds" zugute kommen, ihnen Chancen auf Bildung und Hoffnung auf Arbeit geben.

Die deutschen Bischöfe wünschen sich vom Papstbesuch außerdem wichtigen Impuls für die weitere Annäherung zwischen Katholiken und Protestanten, warnen aber vor Hoffnungen auf baldige Reformen.

Der frühere Kardinal Joseph Ratzinger wolle bei dem geplanten Treffen mit der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland ein "besonderes Zeichen" für die Ökumene setzen, sagte der Erfurter Bischof Joachim Wanke.

Ob der Papst bei seiner ersten Visite nach dem Missbrauchsskandal in zahlreichen katholischen Einrichtungen sich auch mit Opfern sexuellen Missbrauchs treffen wird, ließen die Bischöfe offen. "Der Papst ist sehr bemüht, diese Dinge aufzuarbeiten", sagte Zollitsch. Benedikt wolle verloren gegangenes Vertrauen wieder zurückgewinnen. "Wir durchleben eine schwierige Phase."