Es ist richtig, dass der Papst die Vergehen pädophiler US-Priester offen anspricht. Doch die Kirche hat nicht nur eine Verantwortung für die Opfer, sondern auch für ihre Priester, denen sie eine Lebensform vorschreibt, die vielfach geprägt ist von Einsamkeit und Außenseitertum.
Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ist ein furchtbares Verbrechen, es mordet die Seele der Opfer, es quält sie ein Leben lang; dass die Täter selber krank sind, macht die Tat nicht weniger schrecklich. Sexueller Missbrauch kann überall vorkommen, wo Kinder in die Hände von Erwachsenen gegeben sind, in der Schule, im Sport, in Jugendverbänden: Erwachsene haben eine Macht, gegen die Kinder sich nicht wehren können.
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Priester der katholischen Kirche haben eine besonders große Macht, weil Eltern und Kinder ihnen vertrauen und weil sie die Autorität der Religion nutzen können, um ihre Taten zu begehen und dann zu vertuschen. Sie können im Namen Gottes Hand an Kinder legen. Sie haben das in den USA, in Europa und überall auf der Welt tausendfach getan; nie wird man wissen, wie viele Kinderseelen sie damit zerstört haben.
Die Vertreter der missbrauchten Kinder und Jugendlichen haben gefordert, dass Papst Benedikt XVI. sich mit den Opfern katholischer Priester trifft - dazu hat der Vatikan sich nicht durchringen können. Aber der Papst hat sich mit klaren Worten für das, was geschehen ist, entschuldigt; es ist gut, dass er es getan hat und wie er es getan hat. Er hat sich tief beschämt gezeigt und von dem "großen Leiden" gesprochen, dass die Kirchenvertreter zu verantworten hätten, er hat keine Verteidigungslinien aufgebaut, wie das mancher Bischof in den USA (und leider auch in Deutschland) getan hat und tut.
Er hat klargemacht, dass Pädophile nicht Priester werden können (und Pädophilie Gott sei Dank von Homosexualität unterschieden). Er bekennt sich zur Schuld und verspricht Sühne.
Das gefällt nicht allen. Vor allem denen nicht, die daran interessiert sind, dass der Papst für eine strahlende Kirche steht, die Stärke zeigt, der die böse Welt mit ihren Vorwürfen und Anschuldigungen nichts anhaben kann. Warum sich noch einmal entschuldigen, wo doch seit 2002, als die Missbrauchsfälle in den Vereinigten Staaten an die Öffentlichkeit kamen und zum Skandal wurden, alles gesagt und vor allem so viel gezahlt wurde? Sollte Benedikt XVI. sich nicht lieber auf die großen weltpolitischen Auftritte konzentrieren, auf die Rede vor den Vereinten Nationen, auf den bewegenden Auftritt am Ground Zero?
Die Antwort lautet: Nein - weil beides zusammengehört. Weil der Papst nicht vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen von Menschenrechten reden kann, wenn den Missbrauchsopfern nicht Gerechtigkeit zuteil wird. Weil der Papst nicht weltweite soziale Gerechtigkeit, den Schutz der Familien, des geborenen und ungeborenen Lebens fordern kann, wenn innerhalb seiner Kirche die Menschenrechte missachtet, die Opfer übersehen, ihre Leidensgeschichten ignoriert werden.
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UN-Tourismusorganisation
Es wäre ehrlicher und menschlicher, wenn der Papst den jahrhundertealten widernatürlichen Zölibat - von Kirchenmänner geschaffen, die selbst nie Enthaltsamkeit übten - abschaffen und den katholischen Priestern eheliche Partnerschaften erlauben würde.
Mit frommen Gebeten und Wünschen wird er der Problematik jedenfalls nicht gerecht.
Viele zwanghafte Verfehlungen, die ganze Familien und Existenzen zerstört haben, wären der Gemeinschaft erspart geblieben und die katholische Kirche würde heute im Kreis der christlichen Kirchen viel zeitgemäßer dastehen. Auch die Ökumene würde in vielen Belangen reibungsloser vonstatten gehen können.
Aber uralte Dogmen sind der römisch-katholischen Kirche offenbar wichtiger als humanes Zusammenleben im Dritten Jahrtausend...
Dieser Kommentar ist voll von Vorurteilen und Mutmaßungen.
Wenn der Autor Recht hätte, würden nicht die allermeißten Fälle von Kindesmißbrauch durch "normale" Familienväter geschehen.
Dieser Autor hätte bestimmt nicht über die ehelosen buddistischen Mönche wie z.B. den Dalei Lama, so etwas geschrieben.
Immerhin wird ja keiner dazu gezwungen, Priester zu werden. Und wenn ich freiwillig einem Verein beitrete, dann muss ich auch seine Regeln aktzeptieren, auch wenn sie mit "gesundem Menschenverstand" nicht das geringste zu tun haben.
"viele Frauen nehmen eine Kirche nicht mehr ernst, in der ihnen ehelose Männer Vorschriften im Ehe- und Sexualleben machen. Auch hier gibt es Schuld, auch hier wäre Sühne vonnöten"
Nun, ach ja, liebe "unterdrückte" und "rundherum benachteiligte" Frauen und lieber Autor dieser Zeilen, ihr seit allesamt unendlich zu bemitleiden!! Ist es nicht so, daß das Priesteramts-Verbot für Frauen eine viel größere Ausgrenzung von Frauen darstellt?
Und wie oft haben wir im Alltagsleben den Fall, daß rundum inkompetente, selbsternannte "Eliten" uns Vorschriften zu unserem Leben machen. Man denke gerade an die Politik, in der zum Teil Politiker Vorschriften für Bereiche machen, die sie nie in ihrem Leben niemals kennengelernt haben? Da machen Juristen, Lehrer und Beamte oder auch nur Ideologen Gesetze für Unternehmer! Oder zur Energieversorgung! Oder zum Verkehr! Oder zu Technologien! Hier ist die Inkomptenz beisielsweise doch weitaus größer als im oben zitierten kirchlichen Fall.
Ein anderes Beispiel: vorgesetzte Berufskarrieristen aus 30jährigen BWL'er oder Juristen, die weder Unternehmen, noch Produkt, noch die Mitarbeiter, noch die Technologie kennen, machen als selbsternannte "jung-dynamische" Führungskräfte den gestandenen, erfahrenen 40 oder 60jährigen Ingenieuren und Know How Trägern Vorschriften! Oder mobben sie gleich ganz aus den Betrieben!
Nein, der Autor dieses Artikles hat hier sehr kurz gegriffen. Die Inkompetenz der nicht-kirchlichen Machthaber in Wirtschaft und Gesellschaft ist weitaus größer als die Inkomptenz von ehelosen Priestern in Lebens- bzw. Familienfragen.