Panama Papers Rotes Kreuz: "Das gefährdet Menschenleben"

Für Peter Maurer, den Präsidenten des IKRK, ist das ein ernsthaftes Problem, denn seine Organisation wird dadurch - ohne dass sie es will - in die Nähe von globalen Korruptionsfällen und Rechtsstreitigkeiten gerückt. Das Rote Kreuz könnte sogar als Partei in solchen Konflikten erscheinen: "Wenn die Reputation des IKRK leidet, gefährdet das Menschenleben", sagt Maurer. Und die Reputation ist in der Tat gefährdet, wenn der Name des Roten Kreuzes als vermeintlicher Geschäftspartner einer Kanzlei auftaucht, die zum Beispiel auch Briefkastenfirmen für Handlanger des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad oder andere Potentaten aufsetzt.

Wer seine Geldverschiebereien tarnen will, der kann ihnen - nach ähnlichem Modell wie beim Roten Kreuz - auch einen grünen Anstrich geben. Hierfür hielt man bei Mossack Fonseca ebenfalls einen Namen parat: den World Wildlife Fund (WWF), der sich dem Natur- und Umweltschutz verschrieben hat. "Wenn unsere Kunden die Anonymität der Begünstigten einer Stiftung bewahren wollen, dann benennen wir den World Wildlife Fund als Begünstigten", schreibt eine Mitarbeiterin in einer E-Mail vom Frühjahr 2013.

Mit dem WWF als Begünstigten tarnte ein reicher Kunde aus Frankreich fast zehn Jahre lang eine Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln, die ein Bankkonto mit rund drei Millionen Franken bei der HSBC in Genf führte. Für den Franzosen hatte die Wahrung seiner Anonymität offenbar höchste Priorität. Er setzte nicht nur den WWF als Begünstigten seiner Firma ein. Er zeichnete eine E-Mail an die HSBC und an Mossfon auch mit seinem Tarnnamen "L'oiseau", der Vogel.

Doch solch eine Tarnung kann auch zum Problem werden. Als der Franzose seine Firma im Jahr 2013 auflösen wollte, brauchte er dafür eigentlich auch die Unterschrift des Begünstigten: des WWF. Was also tun? Er konnte ja deswegen schlecht beim WWF nachfragen. Kurzerhand unterschrieb er die Formulare selber, "für den und im Namen von World Wildlife Fund". Damit dürfte der vermögende Franzose im Verdacht stehen, sich der Urkundenfälschung strafbar gemacht zu haben.

Auch der WWF hatte von all dem keine Ahnung. "Wir wussten nicht, dass unser Name von Stiftungen in Panama genutzt wird, und gaben auch nie unsere Zustimmung dafür", sagt Maria Boulos, Direktorin bei WWF International. Die Organisation sei entsetzt darüber. "Wir prüfen rechtliche Schritte, um solche betrügerischen Machenschaften künftig zu verhindern."

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