US-Vizepräsidentschaftskandidatin Palin hat erstmals ausländischen Staatsmännern die Hände geschüttelt. Und sich offenbar nett unterhalten.

Sarah Palin stand ein schwerer Gang bevor - kreuz und quer fuhr sie durch Manhattan, von Termin zu Termin mit Staatsmännern aus aller Welt. Die weilen derzeit zur Vollversammlung der Vereinten Nationen am East River. Doch dort ließ sich Sarah Palin nicht sehen. Sie eilte von Hotelzimmer zu offizieller Residenz. Und traf zunächst den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai und dann dessen kolumbianischen Kollegen. Separat zu einem je etwa halbstündigen Gespräch.

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Henry Kissinger schien angetan von der jungen Gouverneurin aus Alaska. (© Foto: Reuters)

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Entgegen der Konventionen im Medienland Amerika allerdings sollten auf Geheiß der McCain-Kampagne keine Reporter zugelassen werden - nur ein paar Minuten sollte nur ein Kamerateam dabei sein dürfen. Offenbar wollte das Wahlkampfteam eventuelle Nachfragen an die außenpolitisch unerfahrene 44-jährige Gouverneurin von Alaska vermeiden. Dieses Vorgehen stieß nicht auf Gegenliebe unter den Reportern: Einige Sender und Journalisten drohten gar mit einem Boykott der Berichterstattung.

Das allerdings wäre äußerst kontraproduktiv gewesen zu dem Anliegen des Wahlkampfteams: denn McCain und seine Berater wollen das Image der Vize-Kandidatin als nördliches Landei loswerden, das zwar Russland von Alaska aus sehen kann, aber noch nicht dort war. Oder die Hand eines ausländischen Staatschefs geschüttelt hatte. Oder 43 Jahre ihres Lebens nicht im Besitz eines Reisepasses war.

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Diese Mankos hat sie inzwischen behoben. Und brav in die Kameras gelächelt, die schließlich doch zugelassen wurden. Wenn auch nur für ein paar Minuten zu Beginn jeder Sitzung. Die komplette Aussperrung sei ein Missverständnis gewesen, erklärte Kampagnensprecherin Tracey Schmitt später.

Mit Hamid Karsai hat die Gouverneurin offenbar schnell einen guten Draht gehabt: "Sie hat die richtigen Fragen zu Afghanistan gestellt", sagte der afghanische Präsident bei einer Veranstaltung bei der Asiengesellschaft in New York. Er habe Palin als eine ziemlich fähige Frau wahrgenommen. "Sie sind wahrscheinlich die einzige Person im Raum, die Gouverneurin Palin einmal getroffen hat", sagte ein Teilnehmer der Abendveranstaltung unter Gelächter und Beifall des Publikums zu Karsai.

Die Themenfindung jedenfalls war für beide nicht allzu schwierig: Palin und Karsai haben Kinder im selben Alter. Der Präsident erzählte der Gouverneurin von der Geburt seines Sohnes. "Wie heißt er denn", fragte die fünffache Mutter, die bald Oma wird. "Mirwais", antwortete Karsai und erklärte: "Das heißt "Licht des Hauses." "Oh, wie nett", flötete Palin und griff sich - in typisch amerikanischem Gestus, kurz ans Herz.

Sarah Palin beschloss den Tag mit dem Altmeister der US-Außenpolitik, dem früheren Nationalen Sicherheitsberater, US-Außenminister und Friedensnobelpreisträger, Henry Kissinger. Mit ihm sprach sie über die angespannte Lage im südlichen Kaukasus, Russland, Iran und China.

Zuhören und Lächeln

Nach Angaben des Wahlkampfteams des Kandidaten John McCain ging es bei den Treffen Palins in erster Linie ums Zuhören und darum, ein gutes Verhältnis zu den Staatsmännern aufzubauen. Das tat sie offenbar - einem Reporter bedeutete sie nach den Treffen, alles sei bestens gelaufen.

Aber noch sind die Treffen nicht vorbei: An Tag zwei der Vollversammlung will sich die 44-Jährige gemeinsam mit McCain mit den georgischen und den ukrainischen Präsidenten, Michail Saakaschwili und Viktor Juschtschenko, treffen. Anschließend trifft sie den irakischen Präsidenten Dschalal Talabani, dessen pakistanischen Kollegen Asif Ali Zardari sowie den indischen Ministerpräsidenten Manmohan Singh.

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(sueddeutsche.de/AP/vw/odg)