Palästinenser-Präsident Abbas nennt Holocaust erstmals "schlimmstes Verbrechen der Neuzeit"

Mahmud Abbas, der Präsident der palästinenischen Autonomiebehörde

(Foto: AFP)

Palästinenserführer Mahmud Abbas überrascht am Holocaust-Gedenktag mit einer Erklärung. Er erkennt erstmals öffentlich die Einzigartigkeit des Holocaust und das jüdische Leid an. Israels Regierung reagiert harsch.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat die Judenvernichtung während der NS-Zeit erstmals als das "schlimmste Verbrechen der Neuzeit" bezeichnet. Abbas äußerte sich während eines Treffens mit einem Rabbiner, wie die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete. Die Erklärung kam überraschend, weil arabische Führer sich in der Regel nicht zum Holocaust-Gedenktag in Israel äußern.

Israel begeht den Holocaust-Gedenktag vom Sonntag- bis zum Montagabend. Palästinenserpräsident Abbas drückte in dem Gespräch mit einem Rabbiner sein Mitgefühl mit den Hinterbliebenen der Opfer aus sowie "mit den vielen unschuldigen Menschen, die von den Nazis ermordet wurden". Dies sei eine der hochkarätigsten Erklärungen eines Palästinenserführers zur systematischen Tötung von Juden während der NS-Zeit, kommentierte die palästinensische Nachrichtenagentur Maan.

Abbas sagte nach Angaben von Wafa, der Holocaust sei ein Ausdruck des Rassismus, "den wir ablehnen und bekämpfen". Die Palästinenser, die immer noch in Unterdrückung und ohne Freiheit und Frieden lebten, seien "die ersten, die ein Ende von Ungerechtigkeit und Diskriminierung fordern", ganz gleich, gegen wen sie gerichtet seien.

Netanjahu: Abbas will nur Öffentlichkeit besänftigen

"Anlässlich der schmerzhaften Erinnerung an den Holocaust rufen wir die israelische Regierung dazu auf, diese Gelegenheit zu ergreifen, einen gerechten und umfassenden Frieden auf der Basis einer Zwei-Staaten-Lösung zu erzielen - Palästina und Israel, die Seite an Seite in Sicherheit und Frieden leben", sagte Abbas.

Vor drei Jahrzehnten hatte Abbas in seiner Doktorarbeit den Holocaust relativiert und der zionistischen Bewegung vorgeworfen, sie habe mit dem Hitler-Regime kollaboriert.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kommentierte den ungewöhnlichen Schritt, Abbas wolle nur die Weltöffentlichkeit besänftigen. Der Palästinenser-Präsident habe einen Bund mit der radikalislamischen Hamas geschlossen, die die Judenvernichtung leugne. Das Büro des Premiers erklärte über Twitter, die Hamas strebe einen "zusätzlichen Holocaust" an, indem die Organisation versuche, den Staat Israel zu zerstören. Netanjahu erklärte, Abbas solle "zwischen einem Pakt mit der Hamas und einem echten Frieden mit Israel wählen".

Der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat bezeichnete den Stopp der Friedensgespräche als Fehler Israels. Abbas sei weiterhin zu einem Treffen mit Netanjahu bereit, sagte Erekat der israelischen Nachrichtenseite ynet. "Wenn Netanjahu zusagt, organisiere ich das Treffen", sagte Erekat.

Israel hat die im Juli unter US-Vermittlung wiederaufgenommenen Friedensgespräche mit den Palästinensern wegen der Bemühungen von Abbas' Fatah um Aussöhnung mit ihrer radikalislamischen Rivalin, der Hamas, ausgesetzt. "Während der Verhandlungen hat Israel gefragt, was wir mit dem Gazastreifen tun werden", sagte Erekat dazu. "Und jetzt, wo es eine Einheit gibt, verweigert es den Dialog."

Palästinenser machen Frieden von Siedlungsbau abhängig

Die Hamas hatte 2007 gewaltsam die Kontrolle im Gazastreifen übernommen. Seitdem regiert die Fatah von Abbas nur noch im Westjordanland. Israel hatte deshalb der Palästinenserführung in Ramallah mehrmals vorgeworfen, sie vertrete nicht das ganze palästinensische Volk.

Erekat betonte, eine Friedensregelung sei unmöglich, solange Israel seine Siedlungen in den Palästinensergebieten weiter ausbaue. Er bekräftigte die Forderung, Israel müsse einen Palästinenserstaat in den Grenzen von 1967 mit Ostjerusalem als Hauptstadt anerkennen.

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