Palästinenser in Syrien Abbas' hilfloses Angebot

Palästinenser aus dem Flüchtlingslager Jarmuk: Nur wenige schaffen es bis an die libanesische Grenze.

(Foto: AFP)

Zehntausende Palästinenser sind in Syrien auf der Flucht. Denn die propalästinensische Fassade des Assad-Regimes bröckelt immer mehr. Präsident Abbas bietet seinen Landsleuten an, ins Westjordanland zurückzukehren. Doch die Grenzübergänge kontrolliert Israel.

Von Tomas Avenarius, Kairo

Es ist ein hilfloser Aufruf in verzweifelter Lage: "Mahmud Abbas, Präsident des Staates Palästina, hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und die Weltgemeinschaft aufgefordert, dafür Sorge zu tragen, dass unsere Schwestern und Brüder in Syrien in palästinensisches Gebiet kommen können."

Mit seinem Angebot, sich vor dem Bürgerkrieg ins Westjordanland zu retten, bittet Abbas um etwas, was ihm so kaum erfüllt werden wird. Allein aus dem umkämpften Lager Jarmuk in Damaskus scheinen sich Zehntausende Flüchtlinge auf der Flucht zu befinden, erst einige wenige Tausend von ihnen sind in Libanon eingetroffen, die meisten der Vertriebenen sollen elend in Damaskus auf der Straße und in Parks zu überleben versuchen.

Aber selbst wenn ein Teil es bis an die Grenzen des Westjordanlandes schaffen sollte: Israel kontrolliert alle Zugänge zum größeren der beiden palästinensischen Gebiete und hat sich immer gegen die Rückkehr der in den Nahostkriegen aus ihrer Heimat Vertriebenen gewehrt.

"Selbst wenn wir die Grenzen öffnen, würde doch keiner kommen"

Dass UN-Generalsekretär Ban Abbas mit seinem Appell an alle Nachbarländer Syriens "einschließlich Israels" unterstützt, wird den palästinensischen Flüchtlingen nichts nützen: "Ich weiß nicht, welche Bedeutung der Aufruf von Ban Ki Moon für uns haben sollte", sagte ein israelischer Sprecher: "Selbst wenn wir die Grenzen öffneten, würde doch keiner zu uns kommen."

So rückt mit dem Kampf um Damaskus das Schicksal der gut 490.000 Palästinenser ins Zentrum des syrischen Bürgerkriegs. Bisher hatten sich die in zwölf verschiedenen Lagern lebenden Palästinenser - es sind die Flüchtlinge der israelisch-arabischen Kriege seit 1948 oder deren Nachkommen - weitgehend neutral verhalten und Machthaber Baschar al-Assad nicht gereizt.

Syrien bezeichnet sich seit Jahrzehnten als Frontstaat im Konflikt mit Israel, hat sich selbst zum Schutzherrn palästinensischer Interessen erklärt. Der Aufstand gegen das Assad-Regime hat dieses Bündnis zum Einsturz gebracht. Die palästinensische Hamas, die den Gazastreifen regiert, ihr Politbüro in Damaskus hatte und sich der Unterstützung Assads mit Geld und Waffen sicher sein konnte, hat sich aus Syrien längst zurückgezogen.

Die sunnitische Islamistengruppe konnte den Spagat nicht länger ertragen, auf der Seite eines schiitischen Regimes gegen die aufständischen Sunniten in Syrien zu stehen, und hat ihre Büros deshalb nach Ägypten und Katar verlegt.