Pakistans Justiz-Sonderermittler Zulfikar Staatsanwalt mit mächtigen Feinden

Staatsanwalt Chaudhry Zulfikar (hier ein Archivbild von 2010) war in Pakistan für besonders heikle Justizfälle zuständig

(Foto: REUTERS)

Er war zuständig für Pakistans besonders heikle Fälle: Staatsanwalt Chaudhry Zulfikar ermittelte gegen die Hintermänner der Mumbai-Attentate von 2008 und untersuchte die Verstrickung von Ex-Präsident Musharraf in den Mord an Ex-Regierungschefin Bhutto. Jetzt wurde Zulfikar mit zehn Schüssen niedergestreckt - wohl seiner Arbeit wegen.

Von Tobias Matern

Die meisten Strafverfahren in Pakistan enden im Nichts, oder sie finden kaum ein öffentliches Echo. Für die Fälle, für die Chaudhry Zulfikar zuständig war, galt dies nicht. Der Staatsanwalt vertrat das pakistanische Bundeskriminalamt (FIA), das vom Parlament den Auftrag erhalten hat, den laxen Umgang der Justiz mit heiklen Themen zu beseitigen.

Zulfikar wollte noch in dieser Woche zwei Mal vor Gericht auftreten, in Verhandlungen, die in der muslimischen Nation für großen Wirbel sorgen: den Mord an der ehemaligen, zum Mythos verklärten Premierministerin Benazir Bhutto aus dem Jahr 2007 und die mutmaßliche Beteiligung von sieben pakistanischen Extremisten an den Terroranschlägen von Mumbai.

Zulfikar wird in beiden Angelegenheiten nicht weiter ermitteln können. Am Freitagmorgen - der Jurist war auf dem Weg zum Gericht - wurde er regelrecht hingerichtet. Unbekannte hätten von einem Motorrad aus das Feuer auf sein Auto eröffnet, kurz nachdem er sein Haus in Islamabad verlassen habe, teilte die Polizei mit.

Von zehn Schüssen getroffen

Zulfikars Leibwächter sei verletzt worden und eine Passantin ums Leben gekommen, als der Staatsanwalt die Kontrolle über seinen Wagen verlor und die Frau überfuhr. Zulfikar selbst wurde ins Krankenhaus gebracht, doch jede Hilfe kam zu spät: Er erlag seinen Verletzungen, nach Angaben der Ärzte war sein Körper an mindestens zehn Stellen von Kugeln getroffen worden. Sein Leibwächter befand sich Angaben pakistanischer Medien nicht in Lebensgefahr. Zwei Männer sollen den Wagen des Staatsanwalts attackiert haben. Sie konnten fliehen.

Der Ermordete hatte sich durch seine Arbeit mächtige Feinde gemacht. Er ermittelt in einem zähen Verfahren gegen sieben mutmaßliche Hintermänner der Mumbai-Attentate von 2008. Die Verdächtigen sollen allesamt der extremistischen Organisation Lashkar-e-Taiba angehören. Bei dem Massaker in der indischen Metropole waren 170 Menschen getötet worden.

Ein Verfahren, das Zulfikar am Freitag vorantreiben wollte, befasste sich mit dem ehemaligen Präsidentengeneral Pervez Musharraf und seiner möglichen Verstrickung in den Mord an Ex-Regierungschefin Bhutto. Sie war im vergangenen Wahlkampf unmittelbar nach ihrer Rückkehr aus dem Exil einem Anschlag zum Opfer gefallen.

Vorwürfe gegen Musharraf

Für die Tat, die bis heute nicht abschließend aufgeklärt ist, hatten Behördenvertreter die Taliban verantwortlich gemacht, aber auch gegen Musharraf selbst gibt es in der Sache erhebliche Vorwürfe. Er habe die Politikerin nicht hinreichend schützen lassen und sei somit mitschuldig an ihrem Tod, wirft ihm die Justiz vor. Ali hatte noch Anfang der Woche davon gesprochen, dass es für diese Theorie "stichhaltige Beweise" gebe.

Musharraf hatte sich 1999 unblutig an die Macht geputscht und war 2007 gestürzt worden, nachdem er sich mit dem Obersten Gericht Pakistans angelegt und eine von Anwälten angeführte Wutwelle gegen sich ausgelöst hatte. Nach einigen Jahren im Exil kehrte er jüngst in seine Heimat zurück und wollte an den Parlamentswahlen in der kommenden Woche teilnehmen. Dies wurde ihm jedoch von der Justiz untersagt, ein Gericht in Peschawar verhängt ein lebenslängliches Politikverbot gegen Musharraf.

Es laufen auch noch andere Verfahren gegen den Ex-Militärmachthaber, der in seiner Villa am Rande von Islamabad unter Hausarrest steht. Ein Sprecher Musharrafs verurteilte den Mord an Zulfikar, die Täter müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Auch Bhutto-Witwer Asif Ali Zardari, dessen Amtszeit als Präsident gerade zu Ende gegangen ist, geißelte die Tat.