Pakistanischer Geheimbericht über Bin Laden Staatsversagen als Chance

Osama bin Laden: Der Terrorchef konnte jahrelang unentdeckt in Pakistan leben.

(Foto: dpa)

Lange lebte Osama bin Laden unbehelligt in Pakistan - eine Steilvorlage für alle Skeptiker der Islamischen Republik. Doch auch für Regierungschef Sharif kommt der Geheimbericht über den Ex-al-Qaida-Chef sehr gelegen.

Ein Kommentar von Tobias Matern

Versagen auf allen Ebenen: Deutlicher könnten es auch die Amerikaner nicht formulieren, wenn sie offen über die Rolle des pakistanischen Militärs und der Regierung bei der Jagd auf Osama bin Laden sprechen würden. Der Terrorchef konnte jahrelang unbehelligt in Pakistan leben - für die vielen Pakistan-Skeptiker in Washington war das schon immer ein Beleg dafür, dass das Misstrauen gegen den zwielichtigen Verbündeten Islamabad berechtigt ist.

Nun kommt auch eine einheimische Untersuchungskommission nach akribischer Zeugenbefragung zu einem wenig schmeichelhaften Ergebnis für Pakistans Establishment. Vom Wegschauen ist die Rede, von Inkompetenz, von einem ausgehöhlten Staatswesen. Der Bericht enthält zwar einige anschauliche Details über das Leben bin Ladens in Pakistan, auch ist die beißende Kritik an den Mächtigen des Landes mutig. Aber etwas anderes ist besonders interessant an diesem Papier: der Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Der neuen Regierung von Premier Sharif kommen diese 336 Seiten gelegen. Schließlich desavouiert der Report die Vorgänger und lenkt kurz von den gigantischen Problemen ab, die der Regierungschef lösen muss. Der Bericht gibt Sharif auch die Gelegenheit, sich vom mächtigen Militär zu emanzipieren, den Generälen einen Teil der Hoheit über Außen- und Sicherheitspolitik wieder zu entziehen. Das ist längst überfällig.