Abdul Qadeer Khan gilt als Nationalheld und trägt den Beinamen "Vater der islamischen Bombe". Jetzt hat der Atomforscher offenbar zugegeben, Nordkorea, Iran und Libyen mit Know-How für einen nuklearen Sprengsatz versorgt zu haben.

Nach Informationen aus Kreisen der pakistanischen Regierung hat Khan gestanden, geheime Informationen Gruppen zur Verfügung gestellt zu haben, die mit diesen Länder zusammenarbeiteten.

Qadeer Khan

Qadeer Khan (© Foto: AP)

Anzeige

Neben Khan sollen vier weitere Verantwortliche eingeräumt haben, dass sie ihr Wissen weitergereicht haben. Die Informationen seien zwischen 1986 und 1993 weitergegeben worden. Gleichzeitig wurden sechs pakistanische Atomwissenschaftler festgenommen. Dies bestätigte Militärsprecher General Shuakat Sultan am Sonntag.

Die Geständnisse seien in einem elfseitigen Bericht zusammengefasst, der nun an Präsident Pervez Musharraf weitergeleitet werde, sagte der Beamte weiter. Es ist das erste Mal seit Beginn der Ermittlungen, dass Nordkorea als Empfänger von Atom-Know-how aus Pakistan genannt wurde.

Islamisten rufen zu Protesten auf

Sultan sagte, die Untersuchungen über die Weitergabe von Atomtechnologie seien fast abgeschlossen. Musharraf werde sich dazu nach dem am Montag beginnenden dreitägigen muslimischen Opferfest in einer Ansprache an die Nation äußern. Sultan betonte, Khan sei nicht festgenommen worden, man habe allerdings die "persönliche Sicherheit" des Wissenschaftlers verstärkt.

Die Internationale Atomenergieagentur (IAEO) hatte Pakistan im November über Informationen aus Teheran in Kenntnis gesetzt, wonach pakistanische Spitzenbeamte aus illegalen Nukleargeschäften persönlichen Profit gezogen haben sollen. Während der bereits zwei Monate dauernden Ermittlungen war Khan regelmäßig verhört worden. Anders als rund ein Dutzend weitere Verdächtige befand er sich jedoch die ganze Zeit über auf freiem Fuß.

Am Samstag war Khan dann als Regierungsberater im Ministerrang entlassen worden, um "unabhängige und objektive" Ermittlungen zu ermöglichen. Angesichts des Heldenstatus des Wissenschaftlers dürfte die Bevölkerung von dem Geständnis Khans schockiert sein, zumal Khan möglicherweise ein Prozess wegen der Preisgabe von Atomgeheimnissen droht.

Nach der Entlassung rief das mächtige islamistische Parteienbündnis MMA für Freitag zu einem landesweiten Generalstreik auf. Sie werfen Staatspräsident Pervez Musharraf vor, mit der Einleitung von Ermittlungen westlichem Druck nachgegeben zu haben.

Wissen aus Deutschland

Iran wird vor allem von den USA beschuldigt, ein geheimes Atomwaffenprogramm zu betreiben. Libyen hat die Aufgabe seines Programms bereits bekannt gegeben. Pakistan ist dem Atomwaffensperrvertrag ebenso wie Indien nicht beigetreten.

Pakistan hatte sein Atomprogramm als Reaktion auf die Entwicklung im verfeindeten Nachbarland Indien entwickelt und soll mindestens über 30 Sprengsätze verfügen. Khan war 25 Jahre lang Direktor der größten Urananreicherungsanlage Pakistans, der Khan Research Laboratories, gewesen.

Das für den Bau von Gasultrazentrifugen nötige Wissen hatte Khan sich in den 70er-Jahren bei einem deutschen Unternehmen und einer von diesem betriebenen Urananreicherungsanlage in den Niederlanden angeeignet.

Er soll auch Baupläne für Zentrifugen illegal kopiert haben. Die Maschinen gelten als größtes technisches Hindernis auf dem Weg zur Bombe, für die hoch angereichertes Uran vonnöten ist. Es lässt sich mit Hilfe der Zentrifugen aus dem relativ leicht erhältlichen Natururan herstellen.

Auf die Spur Khans waren die Ermittler gekommen, weil die in Iran gefundenen Anlagen im Design fast exakt dem von deutschen Wissenschaftlern entwickelten entsprachen.

Leser empfehlen 

(sueddeutsche.de/AFP/dpa/AP)