Ausgerechnet am Tag des Gipfeltreffens von Barack Obama mit seinen Amtskollegen aus Afghanistan und Pakistan sind die Nachrichten besonders blutig geworden.
Donnernd schallt der Schlachtenlärm vom Hindukusch herüber, und das Getöse ist so laut, dass es alles zu übertönen droht, was drei Präsidenten in Washington zu besprechen haben. Ausgerechnet am Tag des Gipfeltreffens von Barack Obama mit seinen Amtskollegen aus Afghanistan und Pakistan sind die Nachrichten besonders blutig geworden. Gefechte im pakistanischen Swat-Tal, Kämpfe in der afghanischen Provinz Farah, viele Tote auf allen Seiten, darunter auch Dutzende Zivilisten: Die Dringlichkeit des Treffens ist damit furchtbar pünktlich bewiesen worden, der Nutzen allerdings steht sehr in Frage.
Bild vergrößern
Tausende Menschen sind auf der Flucht. (© Foto: AP)
Anzeige
Klar ist, dass alle drei einen gemeinsamen Feind haben - die Taliban. Sie sind überall in der Offensive und bedrohen mittlerweile nicht nur die Stabilität des armen Afghanistan, sondern auch der Atommacht Pakistan. Obama hat sehr konkrete Vorstellungen, wie er den Vormarsch der Korankrieger stoppen will: mehr Militär plus mehr Wiederaufbau plus mehr Diplomatie.
Er hat damit den richtigen Weg eingeschlagen. Doch er sollte sich allen Beteuerungen zum Trotz keinesfalls darauf verlassen, dass die Präsidenten Hamid Karsai aus Kabul und Asif Ali Zardari aus Islamabad auf diesem Weg immer an seiner Seite sind.
Denn an der Seite Obamas stehen zwei schwache Präsidenten, die alles andere als an einem Strang ziehen. Pakistaner und Afghanen trennt traditionell und aktuell ein tiefes Misstrauen. Unter innenpolitischem Druck positionieren sich die Präsidenten nicht nur immer wieder gegeneinander, sondern wenden sich auch gegen den militärischen Kurs Washingtons. Das soll dem eigenen Überleben dienen. Profitieren tun davon aber vor allem die Taliban.
(SZ vom 7.5.2009/vw)
Die Ärzte in München