Pakistan Scotland Yard: Bhutto starb durch Bombe

Ermittlungen von Scotland Yard zufolge ist die pakistanische Oppositionsführerin Bhutto nicht durch Schüsse getötet worden, wie ihre Anhänger vermuten. Derweil wurden zwei weitere Männer festgenommen.

Nun bestätigen auch die britischen Ermittler: Die pakistanische Oppositionsführerin Benazir Bhutto ist einem Untersuchungsbericht von Scotland Yard zufolge durch die Wucht der Bomben-Explosion getötet worden. Kurz zuvor abgefeuerte Schüsse seien nicht wie ursprünglich angenommen die Todesursache gewesen, meldet die New York Times heute unter Berufung auf den Bericht britischer Ermittler. Der Bericht solle am heutigen Freitag offiziell vorgestellt werden.

Dem Blatt zufolge soll es sich um einen Einzeltäter gehandelt haben und nicht wie ursprünglich angenommen um zwei Attentäter. Die Ergebnisse stützen die Darstellung der pakistanischen Regierung. Diese gab zunächst an, dass die ehemalige Ministerpräsidentin an einer Kopfwunde gestorben sei, als sie von der Wucht der Explosion gegen ihr Fahrzeug geschleudert worden war.

Anhänger und Familienangehörige Bhuttos hatten diese Version des Ablaufs bezweifelt und der Regierung von Präsident Pervez Musharraf mangelnde Sicherheitsvorkehrungen vorgeworfen. Sie gingen davon aus, dass der Attentäter so nahe an die Politikerin herankam, dass er vor dem Anschlag noch tödliche Schüsse auf sie abfeuern konnte.

Wie die Ermittler von Scotland Yard zu ihrem Untersuchungsergebnis kamen, war zunächst unklar. Eine Autopsie Bhuttos hatte auf Wunsch ihrer Familie nicht stattgefunden. Andere mögliche Spuren und Beweise waren unmittelbar nach dem Anschlag durch Reinigungskräfte vernichtet worden.

Eine Sprecherin von Bhuttos Pakistanischer Volkspartei (PPP) kritisierte, dass die Ermittler von Scotland Yard keine unabhängige Untersuchung durchgeführt hätten. Sie habe den vollständigen Bericht noch nicht gelesen, aber die Ermittler seien von der pakistanischen Polizei abhängig gewesen, sagte Sherry Rehman. Deswegen bleibe die PPP dabei, dass Bhutto einer Schussverletzung erlegen sei.

Am Donnerstag wurden unterdessen zwei weitere mutmaßliche Beteiligte an der Ermordung von Oppositionsführerin Benazir Bhutto festgenommen. "Derzeit kann ich nur sagen, dass beide Verdächtigen im Rahmen dieser Ermittlungen verhaftet wurden", sagte Innenminister Hamid Nawaz. Im Januar hatte die Polizei wegen der Tat bereits einen 15-jährigen Jungen und dessen Ausbilder festgenommen. Der Jugendliche gestand, als Ersatzmann für das Selbstmordattentat auf die Politikerin ausgebildet worden zu sein.

Die jüngsten Festnahmen fielen mit dem letzten Tag der 40-tägigen Trauerperiode für Bhutto zusammen. Rund 20.000 Menschen versammelten sich anlässlich des Datums vor dem Mausoleum der Politikerin in deren Herkunftsdorf Garhi Khuda Baksh.

Die pakistanische Regierung und US-Geheimdienste sehen den der al-Qaida nahestehenden Taliban-Kriegsherren Baitullah Mehsud als Drahtzieher des Attentats auf Bhutto.

Musharraf hatte die Ermittler von Scotland Yard nach dem Attentat vom 27. Dezember in Rawalpindi eingeladen, nachdem Verschwörungstheorien auch die Regierung belastet hatten und das Vertrauen in eine unabhängige Untersuchung fehlte.

Die Parlamentswahlen wurden nach dem Attentat verschoben und nun auf den 18. Februar festgesetzt. Die religiös vorgeschriebene 40-tägige Trauerperiode nach Bhuttos Tod lief am Donnerstag aus, rund 10.000 Menschen versammelten sich daher an ihrem Grab.

Die PPP, die inzwischen von Bhuttos Ehemann Asif Ali Zardari geleitet wird, kündigte an, den Wahlkampf nun wiederaufzunehmen. Für Samstag war erstmals wieder eine große Wahlkampfveranstaltung geplant.

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