Pakistan Mehrere Tote bei US-Drohnenangriff

Erstmals seit der Bekanntgabe strengerer Richtlinien hat das US-Militär wieder einen Drohnenangriff in Pakistan ausgeführt. Dabei seien mindestens sechs mutmaßliche Aufständische und ein ranghoher Talibanführer getötet worden.

Das US-Militär hat in Pakistan erstmals seit der Bekanntgabe strengerer Richtlinien zum Drohnenkrieg wieder einen Angriff mit einem unbemannten Flugzeug ausgeführt. Dabei seien mindestens sechs mutmaßliche Aufständische getötet worden, zwei weitere seien bei dem Angriff auf das Dorf Chashma in der Unruheregion Nord-Waziristan verletzt worden, teilten pakistanische Beamte mit.

Bei dem Angriff ist nach Angaben aus Geheimdienstkreisen auch der Vizechef der pakistanischen Taliban getötet worden. Wali ur Rehman sei unter den Getöteten, sagte ein pakistanischer Geheimdienstmitarbeiter, der anonym bleiben wollte.

Rehman war der Stellvertreter von Hakimullah Mehsud, der die Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) kommandiert, und führte die TTP-Operationen in der Extremistenhochburg Süd-Waziristan. Auf Rehman ist von den USA ein Kopfgeld von fünf Millionen US-Dollar ausgesetzt. Angaben über getötete Taliban- oder Al-Kaida-Anführer haben sich jedoch in der Vergangenheit mehrfach als falsch herausgestellt. Die TTP äußerte sich zunächst nicht.

Heftiger Widerstand gegen US-Drohnenangriffe

In Pakistan gibt es heftigen Widerstand gegen die US-Drohnenangriffe. Die pakistanische Regierung hält die Angriffe für illegal, kontraproduktiv und für eine Verletzung der pakistanischen Souveränität. Die USA sind dagegen überzeugt, dass die Angriffe sich bei der Bekämpfung der Taliban und des Terrornetzwerks Al-Kaida bereits als erfolgreich erwiesen haben.

Die unter Federführung des US-Geheimdienstes CIA ausgeführten Drohnenangriffe laufen seit 2004, wurden aber unter Obamas Regierung intensiviert. Obama bezeichnete die Angriffe in der vergangenen Woche als legal, erließ aber zugleich strengere Richtlinien für den Einsatz der Drohnen. Dazu zählt, dass die Angriffe nur dann erfolgen dürfen, wenn damit ein unmittelbar bevorstehender Anschlag verhindert werden kann, die Festnahme eines Verdächtigen nicht möglich ist und mit hoher Gewissheit keine Zivilisten durch den Einsatz der Drohnen getötet werden.

Der Angriff vom Mittwoch war der erste seit der Parlamentswahl in Pakistan am 11. Mai, aus der die Pakistanische Muslim-Liga von Nawaz Sharif als Sieger hervorgegangen war. Sharif, der das Amt des Premierministers offiziell am 5. Juni antritt, nannte die Drohnenangriffe eine "Herausforderung" für die Souveränität seines Landes. Zugleich forderte er Washington auf, die pakistanischen Belange ernstzunehmen.

Etwa 3600 Tote durch Drohnenangriffe

Nach Berechnungen des Britischen Büros für Investigativen Journalismus wurden bei den gegen die Taliban und Al-Kaida gerichteten Drohneneinsätzen in Pakistan seit 2004 knapp 3600 Menschen getötet. Unter den Toten sind demnach auch bis zu 884 Zivilisten.

Die Häufigkeit der Einsätze hat in den vergangenen Monaten etwas abgenommen, der letzte Angriff ereignete sich am 17. April. US-Außenminister John Kerry begründete dies am Sonntag damit, dass die Taktik, "Al-Kaida in Pakistan auszurotten so erfolgreich gewesen" sei. Die Einsätze erfolgten nur, nachdem die Ziele "auf höchster Ebene" bestätigt seien.