Noch herrscht Unklarheit über den Tod von Terroristenführer Baitullah Mehsud. Trotzdem herrscht bereits ein blutiger Streit um seine Nachfolge.
Es wäre die Wiederauferstehung eines Totgesagten. Am Freitag hatten die pakistanischen Taliban noch gemeldet, ihr Anführer Baitullah Mehsud sei bei einem amerikanischen Drohnenangriff ums Leben gekommen.
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Der pakistanische Taliban Hakimullah Mehsud ist einer der möglichen Nachfolger des - wahrscheinlich - toten Taliban-Chef Baitullah Mehsud. (© Foto: AFP (Archivbild von 2008))
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Am Wochenende rief sein Stellvertreter Hakimullah Mehsud bei pakistanischen Medien an und dementierte die Nachricht. Und ein Sprecher der Extremisten legte nach: Der Agentur AP kündigte er an, in den nächsten Tagen werde ein Beweis dafür vorgelegt, dass Mehsud doch noch lebe.
Die offizielle Version klang hingegen ganz anders. Ein pakistanischer Behördenvertreter sagte der Zeitung Dawn, Mehsud sei "hundertprozentig tot". Die Beerdigung habe bereits stattgefunden, erklärte der Mann, der namentlich nicht genannt werden wollte. Demnach hätten die USA Pakistan Videomaterial von dem Drohnenangriff in Südwasiristan vorgelegt, das den Tod Mehsuds belege. In Washington sagte der Nationale Sicherheitsberater James Jones, alle Anzeichen deuteten auf den Tod Mehsuds hin.
Eindeutige Klarheit, ob Pakistans Staatsfeind Nummer eins tatsächlich nicht mehr am Leben ist, gibt es noch nicht. Allerdings ist unter den Taliban laut Angaben der pakistanischen Regierung bereits ein blutiger Machtkampf um die Führung ausgebrochen.
Bei der Ratsversammlung zur Ernennung eines neuen Kommandeurs seien Schüsse gefallen, berichteten pakistanische Medien. Innenminister Rehman Malik bestätigte die Auseinandersetzung. "Es war ein Kampf zwischen Wali-ur-Rehman und Hakimullah Mehsud", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.
"Wir haben Informationen, dass einer der beiden getötet wurde." Er könne aber noch nicht sagen, wer. Ein Geheimdienstoffizier am Ort des Geschehens in Südwasiristan sagte, nach seinen Informationen sei Hakimullah Mehsud ums Leben gekommen.
Den Schüssen sei eine heftige Auseinandersetzung vorausgegangen. Experten zufolge dreht sich der Streit unter den Islamisten darum, ob die pakistanische Regierung das Hauptziel der Gewalt bleibt oder die Kräfte stärker im benachbarten Afghanistan eingesetzt werden sollen.
Über den Drohnenangriff auf den Talibanführer am Mittwoch wurden indes einige Details bekannt. Pakistans Geheimdienst habe den Amerikanern zentrale Informationen über den Aufenthaltsort Mehsuds geliefert, schrieben örtliche Zeitungen. Schon länger galt die Kooperation als offenes Geheimnis, auch war bekannt, dass die US-gesteuerten Drohnen auf pakistanischem Territorium landen dürfen.
Die pakistanische Regierung hingegen verurteilte die Aktionen bisher scharf. Sie seien ein Angriff auf die Souveränität des Landes und müssten sofort eingestellt werden, hieß es reflexartig. Mit solchen Aussagen wollten die Politiker das Volk besänftigen, das stets überaus aggressiv auf die Drohnenangriffe der verhassten Amerikaner reagierte.
Baitullah Mehsud hatte Pakistan den Krieg erklärt - wegen der Kooperation mit Washington. Im Jahr 2007 ließ die damalige Militärregierung von Pervez Musharraf in Islamabad die Rote Moschee stürmen, in der sich Islamisten verschanzt hielten. Dabei kamen Dutzende Menschen ums Leben.
Anders als die afghanischen Taliban, die vornehmlich den Westen bekämpfen, konzentrierte sich Mehsuds Gruppe auf einen Rachefeldzug gegen den pakistanischen Staat. Der Anschlag auf das Marriott-Hotel im September, bei dem 55 Menschen starben, wird ihm zugerechnet, auch soll er den Mord an der ehemaligen Premierministerin Benazir Bhutto befohlen haben.
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(SZ vom 10.8.2009/bavo)
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