Von Oliver Meiler

Auf amerikanischen Druck geht Pakistan mit mehr militärischer Entschlossenheit gegen die Taliban vor, die den Nordwesten des Landes kontrollieren. Zehntausende Zivilisten sind auf der Flucht.

Im Nordwesten Pakistans sind Zehntausende Zivilisten, mehrheitlich Frauen und Kinder, auf der Flucht vor den immer heftigeren Kämpfen zwischen dem Militär und den Taliban. Die pakistanische Armee, die zuletzt wegen ihrer angeblichen Passivität in die Kritik geraten war, setzte nach eigenen Angaben Kampfjets ein und kündigte an, Bodentruppen an nach Lower Dir zu entsenden, einem Verwaltungsbezirk in der Northwest Frontier Province an der Grenze zu Afghanistan.

Die Taliban breiten sich im Nordwesten Pakistans immer weiter aus. Das Foto vom 24. April zeigt Kämpfer der Taliban mit ihren Waffen auf einem Lastwagen in Buner. (© Foto: Reuters)

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70 Extremisten sollen laut dem Innenministerium am Dienstag bei den Angriffen getötet worden sein. Weiter hieß es, das Militär nehme sich nun alle Verstecke der Taliban an der Bezirksgrenze zum Swat-Tal vor.

Dort, in der früheren Urlaubsregion am Fuß des Himalayas, hatten die Koranschüler vor einigen Wochen de facto die Herrschaft übernommen: Die Regierung in Islamabad hatte nach einer erfolglosen Militärkampagne eingewilligt, die Hauptforderung der radikalen Islamisten nach der Einführung der Scharia, des islamischen Rechts, zu erfüllen.

Im Gegenzug sollten die Taliban die Waffen niederlegen. Doch das taten sie nicht und breiteten sich stattdessen weiter nach Süden aus, in den Bezirk Buner, nur etwa 100 Kilometer entfernt von der pakistanischen Hauptstadt. Diese Expansion löste im Westen große Besorgnis aus. Die USA warnten vor einem Zerfall Pakistans und erinnerten daran, dass das Land Atomwaffen habe.

Milliardenhilfe für die Wirtschaft und das Militär

Mit ihrer Offensive versucht die pakistanische Armee nun den Vorwurf zu kontern, sie sei entweder nicht willens oder nicht fähig, den Taliban die Stirn zu bieten, bei deren Aufbau sie einst geholfen hatte. In der Regel schickt sie für die Bekämpfung der Extremisten das paramilitärische, schlecht entlohnte und mangelhaft ausgerüstete Grenzwachkorps vor.

Den verbündeten Amerikanern aber reicht das nicht mehr aus. Sie wollen sicher sein, dass sich ihr großes finanzielles Engagement in Pakistan bezahlt macht. Im US-Kongress wird derzeit darüber debattiert, welche Bedingungen Washington künftig an seine Milliardenhilfe für die Wirtschaft und das Militär knüpfen soll.

Die pakistanische Regierung beteuert, dass sie den Kampf gegen die Taliban aus eigenem Antrieb intensiviert habe und nicht auf Druck der USA. Ein gegenteiliges Eingeständnis wäre in weiten Teilen der anti-amerikanischen pakistanischen Öffentlichkeit ohnehin höchst unpopulär.

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(SZ vom 29.04.2009/woja)