Schröder will zur Sache Deutsche Bank nichts sagen. "Ich bitte Sie um Verständnis, dass zu Privatangelegenheiten von Bundeskanzler a. D. Gerhard Schröder keine Auskunft gegeben wird", teilt sein stellvertretender Büroleiter Albrecht Funk mit. So bleibt unklar, was mit dem Honorar der Deutschen Bank passierte.
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In der Vergangenheit hat sich Schröder durchaus sensibel für die öffentliche Wirkung von Aufträgen gezeigt. Als er die Rolle eines "Garantors" und eines Friedenstifters zwischen den in die Bredouille geratenen Unternehmen Schaeffler und Conti übernahm, spendete er sein Honorar.
Nach Rechnung des Manager Magazins ergeben seine festen Mandate derzeit ein Jahreseinkommen von rund 650.000 Euro. Hinzu kämen 100.000 Euro Pensionsgelder. Auch als Buchautor (Entscheidungen. Mein Leben in der Politik) hat er gut verdient.
Andere Zeiten
Bei früheren SPD-Größen wäre ein solcher Geldsegen undenkbar gewesen. Klar, auch sie schrieben Bücher. Aber einer wie Willy Brandt kümmerte sich um die Sozialistische Internationale, Hans-Jochen Vogel saß in vielen Kommissionen ("Gegen Vergessen - für Demokratie") und Helmut Schmidt mischte sich als Publizist in der Zeit in Debatten ein.
Als der einstige EU-Kommissar Martin Bangemann (FDP) nach Ende seiner Dienstzeit im Jahr 1999 sofort als Berater des Konzerns Telefonica anfangen wollte, sorgte das noch für einen Skandal. Die EU führte einen Verhaltenskodex ein.
Die Zeiten haben sich geändert. Nun zeigt sich in Deutschland, dass gerade Politiker der rot-grünen Ära (1998 bis 2005) die Fron ihrer Regierungszeit, die mit viel Stress und wenig Gehalt verbunden war, offenbar im Nachhinein kompensieren - und zwar dank jener großen Wirtschaftsbetriebe, die einen besonderen Zugang zur Politik brauchen.
Mit den Gepflogenheiten der Wirtschaft kennt sich Gerhard Schröder aus, seitdem er in der Funktion als niedersächsischer Ministerpräsident im Aufsichtsrat von VW saß und dort gut mit Patron Ferdinand Piëch harmonierte. Nach der Abwahl als Kanzler sagte Schröder seinem Freund Wladimir Putin zu, dem damaligen russischen Präsidenten, den Vorsitz im Aktionärssausschuss von Nord Stream zu übernehmen - schon im Kanzleramt hatte sich der Sozialdemokrat für die Ostseepipeline starkgemacht.
New Labour
In diesem Metier tritt inzwischen auch der einstige Außenminister Joschka Fischer auf: Schröders früherer Vizekanzler, einst ein Star der Grünen, kümmert sich für die Konzerne RWE und OMV um die durch die Türkei geplante Ölpipeline Nabucco. Fischer betreibt zusammen mit einem Partner eine Consulting-Firma.
Der einstige Frankfurter Straßenkämpfer hat sich mit solchen Mandaten nach Ende der Politik-Karriere immerhin viel Zeit gelassen und zunächst an der US-Universität Princeton gelehrt. Der einstige thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) hatte es eiliger und heuerte rasch nach seinem Amtsausstieg bei jenem Autozulieferer Magna an, den er im Übernahmekampf um Opel unterstützt hatte. Otto Schily, einst Innenminister in Schröders Kabinett, half schon während seiner Dienstzeit privat als Anwalt bedürftigen Firmen. Später trat er etwa für die Private-Equity-Gesellschaft KKR (vulgo: "Heuschrecke") auf.
International gilt im Wachstumsfeld des Polit-Consulting Bill Clinton als Großverdiener. Immerhin hat er mit Buchtantiemen und Vortragshonoraren zusammen mit seiner Frau Hillary seit der Zeit im Weißen Haus rund 110 Millionen Dollar erlöst. Und beim einstigen britischen Premier Tony Blair schlagen lukrative Beratungsmandate für die Finanzhäuser J.P.Morgan und Zurich zu Buche.
Einst, im Jahr 1998, war die Politik des Sozialdemokraten Blair Vorbild für den damaligen Neu-Regierungschef Schröder gewesen. Es ging um einen Umbau in eine leistungsstarke soziale Zivilgesellschaft. Diese Politik hatte dafür einen schönen Namen - einer, der auch zu den neuen privaten Geschäftsmodellen einstiger sozialdemokratischer Haudegen passt: New Labour.
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(sueddeutsche.de/plin)
Protest gegen dritte Startbahn
"Ex-Regierungschef Schröder steht für einen neuen Politikertypus, der nach dem öffentlichen Amt großes Geld bei Konzernen macht."
Er steht insbesondere für jenen Typus von Politikern, die noch jedes Land an die Wand gefahren haben.
Er steht für jenen Typus, dem die eigene Partei völlig egal ist, den die Vermögensschäden, die er durch Ignoranz und Rücksichtslosigkeit produzierte, einen Dreck interessieren. Er steht in einer langen Reihe mit den Clements und Eichels, den Scharpings und Schilys, den Westerwelles und wie sie nicht alle heissen, die Politik als Karriere- und Gehaltssprungbretter misbrauchen:
Charakterlose Figuren, die das Land nachweislich massiv beschädigen. Möge noch der Tag kommen, da sie sich zu verantworten haben.
Ob das Einreissen der gesetzliche Dämme gegen Hedgefonds, der Wegfall der Versteuerung von Veräußerungsgewinnen, die endlosen Steuersenkungsorgien usw. usw des Schröder-Regimes irgendetwas mit seinem Selbstbereicherungsdrang zu tun hatten?
für seine jetzigen Tätigkeiten braucht er wenigstens seine mühsam zusammengestrickte Sozialisationsgeschichte (Märchen von den "armen Verhältnissen" Etc.) nicht mehr! Statt "kleinem Mann" ist er nun "Ex-Kanzler", immerhin!
und habe dennoch kein Problem damit, dass er mit Vorträgen Geld verdient. Nicht, weil ich seine Meinung nicht teile, nicht weil er mich überzeugt und schon gar nicht, weil ich ihm dies nicht gönne.
Ginge es nach den Moralaposteln der Süddeutschen, dann müsste er sich aufs Altenteil zurückziehen (bei gekürzten Bezügen) und sich für den Rest seiner Tage von jeglicher wirtschaftlicher Betätigung fernhalten. Ich weiss ja nicht, was da für ein Idealbild von Politiker in den Köpfen schlauer Journalisten rumspukt (die ihr Geld ja auch nur mit ihren Gedanken verdienen), es ist auf alle Fälle soweit von der Realität angesiedelt, dass nur ein Mönchskonvent dessen Anforderungen genügen dürfte.
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