"Outlook 2010" Geldsegen für Ex-Politiker

Schröder will zur Sache Deutsche Bank nichts sagen. "Ich bitte Sie um Verständnis, dass zu Privatangelegenheiten von Bundeskanzler a. D. Gerhard Schröder keine Auskunft gegeben wird", teilt sein stellvertretender Büroleiter Albrecht Funk mit. So bleibt unklar, was mit dem Honorar der Deutschen Bank passierte.

In der Vergangenheit hat sich Schröder durchaus sensibel für die öffentliche Wirkung von Aufträgen gezeigt. Als er die Rolle eines "Garantors" und eines Friedenstifters zwischen den in die Bredouille geratenen Unternehmen Schaeffler und Conti übernahm, spendete er sein Honorar.

Nach Rechnung des Manager Magazins ergeben seine festen Mandate derzeit ein Jahreseinkommen von rund 650.000 Euro. Hinzu kämen 100.000 Euro Pensionsgelder. Auch als Buchautor (Entscheidungen. Mein Leben in der Politik) hat er gut verdient.

Andere Zeiten

Bei früheren SPD-Größen wäre ein solcher Geldsegen undenkbar gewesen. Klar, auch sie schrieben Bücher. Aber einer wie Willy Brandt kümmerte sich um die Sozialistische Internationale, Hans-Jochen Vogel saß in vielen Kommissionen ("Gegen Vergessen - für Demokratie") und Helmut Schmidt mischte sich als Publizist in der Zeit in Debatten ein.

Als der einstige EU-Kommissar Martin Bangemann (FDP) nach Ende seiner Dienstzeit im Jahr 1999 sofort als Berater des Konzerns Telefonica anfangen wollte, sorgte das noch für einen Skandal. Die EU führte einen Verhaltenskodex ein.

Die Zeiten haben sich geändert. Nun zeigt sich in Deutschland, dass gerade Politiker der rot-grünen Ära (1998 bis 2005) die Fron ihrer Regierungszeit, die mit viel Stress und wenig Gehalt verbunden war, offenbar im Nachhinein kompensieren - und zwar dank jener großen Wirtschaftsbetriebe, die einen besonderen Zugang zur Politik brauchen.

Mit den Gepflogenheiten der Wirtschaft kennt sich Gerhard Schröder aus, seitdem er in der Funktion als niedersächsischer Ministerpräsident im Aufsichtsrat von VW saß und dort gut mit Patron Ferdinand Piëch harmonierte. Nach der Abwahl als Kanzler sagte Schröder seinem Freund Wladimir Putin zu, dem damaligen russischen Präsidenten, den Vorsitz im Aktionärssausschuss von Nord Stream zu übernehmen - schon im Kanzleramt hatte sich der Sozialdemokrat für die Ostseepipeline starkgemacht.

New Labour

In diesem Metier tritt inzwischen auch der einstige Außenminister Joschka Fischer auf: Schröders früherer Vizekanzler, einst ein Star der Grünen, kümmert sich für die Konzerne RWE und OMV um die durch die Türkei geplante Ölpipeline Nabucco. Fischer betreibt zusammen mit einem Partner eine Consulting-Firma.

Der einstige Frankfurter Straßenkämpfer hat sich mit solchen Mandaten nach Ende der Politik-Karriere immerhin viel Zeit gelassen und zunächst an der US-Universität Princeton gelehrt. Der einstige thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) hatte es eiliger und heuerte rasch nach seinem Amtsausstieg bei jenem Autozulieferer Magna an, den er im Übernahmekampf um Opel unterstützt hatte. Otto Schily, einst Innenminister in Schröders Kabinett, half schon während seiner Dienstzeit privat als Anwalt bedürftigen Firmen. Später trat er etwa für die Private-Equity-Gesellschaft KKR (vulgo: "Heuschrecke") auf.

International gilt im Wachstumsfeld des Polit-Consulting Bill Clinton als Großverdiener. Immerhin hat er mit Buchtantiemen und Vortragshonoraren zusammen mit seiner Frau Hillary seit der Zeit im Weißen Haus rund 110 Millionen Dollar erlöst. Und beim einstigen britischen Premier Tony Blair schlagen lukrative Beratungsmandate für die Finanzhäuser J.P.Morgan und Zurich zu Buche.

Einst, im Jahr 1998, war die Politik des Sozialdemokraten Blair Vorbild für den damaligen Neu-Regierungschef Schröder gewesen. Es ging um einen Umbau in eine leistungsstarke soziale Zivilgesellschaft. Diese Politik hatte dafür einen schönen Namen - einer, der auch zu den neuen privaten Geschäftsmodellen einstiger sozialdemokratischer Haudegen passt: New Labour.