In Deutschland fehlt es an Spenderorganen. Wenn es nach den Gesundheitsministern der Länder geht, soll deshalb in Zukunft jeder persönlich gefragt werden, ob er nach dem Tod seine Organe zur Verfügung stellen will. Ein Vorstoß, der zu weit geht - niemand sollte gezwungen werden, sich für oder gegen eine Organspende zu entscheiden.
Der Mangel an Organen ist unbestritten. Ungefähr 12.000 Menschen stehen in Deutschland auf der Warteliste für ein neues Körperteil, 5000 wurden im Jahr 2010 verpflanzt. Allein 8000 Kranke hoffen auf eine neue Niere - im vergangenen Jahr wurde aber nur 3000 Patienten eine neue Niere eingesetzt, und so dauert es im Mittel fast sechs Jahre, bis eine solche Transplantation zustande kommt.
Bild vergrößern
Die Einstellung der Deutschen zur Organspende ist irrational: Nur etwa 17 Prozent der Erwachsenen besitzen einen Organspendeausweis, in Umfragen geben 90 Prozent an, bei Bedarf selbst auf ein Spenderorgan zurückgreifen zu wollen. (© dapd)
Anzeige
Die anderen Patienten müssen weiterhin mehrmals wöchentlich zur Blutwäsche. Das ist nicht nur lästig und anstrengend, jedes Jahr an der Dialyse verkürzt die Lebenserwartung auch um ein Vielfaches. Viele Menschen werden daher mit der Zeit wieder von der Warteliste gestrichen. Insgesamt sind sogar 50.000 Nierenkranke auf regelmäßige Blutwäsche angewiesen; der Großteil von ihnen wird gar nicht mehr für eine Organverpflanzung in Betracht gezogen.
Doch trotz des großen Bedarfs und des Leids der Kranken sollte man die Menschen nicht dazu zwingen, sich zur Organspende erklären zu müssen. Eine Spende erfolgt freiwillig, die grundsätzliche Bereitschaft, seine Organe nach dem Tod zur Verfügung zu stellen, auch. Wer sich als junger Erwachsener - zum Beispiel bei Ausgabe des Führerscheins, des Personalausweises oder anderer wichtiger Dokumente - dazu äußern soll, ist wohl oft davon überfordert, sich Gedanken über die Integrität seines Körpers nach dem Tod zu machen.
Die fraktionsübergreifende Initiative und der Beschluss der Gesundheitsminister der Länder für eine solche "Entscheidungslösung" gehen daher zu weit. Zudem lässt der Vorschlag außer acht, dass auch andere Körperspenden lebensrettend sein können und immer wieder großer Mangel an Blutspenden und Knochenmarkspenden besteht.
Es ist mitunter schwierig, die eigene Unsicherheit oder weltanschauliche und religiöse Zweifel gegen die womöglich lebensrettende Hilfe abzuwägen, die man anderen mit einer Organspende gewährt.
Viele Menschen sind auch einfach zu bequem dazu, sich diese Gedanken zu machen. Diese Gedankenlosigkeit ist tödlich für manche Patienten, die auf ein neues Organ angewiesen sind. Dennoch sollte niemand dazu gedrängt werden, sein womöglich irrationales Unbehagen rechtfertigen oder in eine Entscheidung münden lassen zu müssen.
Und irrational ist die Einstellung der Deutschen zur Organspende allemal: Nur etwa 17 Prozent der Erwachsenen besitzen einen Organspendeausweis, in Umfragen geben hingegen regelmäßig 90 Prozent an, bei Bedarf selbst auf ein Spenderorgan zurückgreifen zu wollen.
Diese Haltung zur Organspende ist inkonsequent, aber dennoch zu schützen. Wer etwas nicht will, der will eben nicht, auch wenn er im Notfall von der Hilfe profitieren möchte, die er selbst zu geben ablehnt. Die Freiheit, in der Frage der Organspende unentschlossen oder inkonsequent zu sein, lässt sich nicht gegen einen konstruierten oder tatsächlichen medizinischen Mangel aufrechnen.
- Thema
- Organspende RSS
(SZ vom 01.07.2011/feko)
Reiseknigge: Türkei
Selbst bei Hirntoten gibt es Reaktionen im Gehirn - verursacht durch sogenannte Anastomosen in den Randregionen des Gehirns Davon einmal ab, kommen Adrenalinausstöße bei Entnahmepatienten tatsächlich gelegentlich vor. Adrenalin wird ua ausgestoßen, wenn Gefahr droht. Weiterhin wurden mehrfach Reaktionen beobachtet, die eben typische Schmerzreaktionen sind.
Die Frage danach, als "wie stark" Schmerzen tatsächlich ins Bewusstsein treten, stellt sich bei Hirntoten nicht. Die Frage aber "OB" Schmerzen auftreten können, stellt sich eher nicht mehr.
aber Sie können die Umwelt mit Ihren das Gemeinwohl schädigenden Ansichten verschonen.
Zur Schmerzempfindung: Das Schmerzempfinden findet in einer Hirnregion statt und ist lokalisiert. Bei Hirntoten ist dieses Zentrum tot und das auch während der Entnahme von Organen.
Der Entnahmekörper ist also in der tiefsten aller Bewusstlosigkeiten.
Aber wie gesagt - Egoisten brauchen nicht zu spenden. Sollten aber andere nicht davon abhalten. Das ist aggressiver Egoismus, also böse.
Keine Ahnung, wofür Sie mir danken, aber NickNoris hat mit seinem Kommentar so unrecht auch wieder nicht - insbesondere hat NichNoris dann recht, wenn tatsächlich ein oder mehrere gute Belege dafür existierten, daß Entnahmepatienten keine Schmerzen mehr empfinden können..
Ich bin nicht Ihnen persönlich beigesprungen.
über meinen Köper selbst zu entscheiden, über den Tod hinaus. Nein, ich bin nicht bereit meinen Körper ausrupfen zu lassen, auch wenn das manche als Egoismus sehen; und nein, ich möchte kein Spenderorgan, falls mal meine Schrumpfniere aufgeben sollte. Ich finde die Vorstellung ein Organ von einem fremden Menschen in meinem Körper abstoßend. Ja und ich bin der Meinung, daß der Staat die Unversehrtheit eines Körpers, auch eines toten, zu garantieren hat ohne daß ich mich vorher erklären muß, daß ich von diesem Recht gebrauch mache. Dieses Recht ist in einem Rechtsstaat zu gewährleisten!
@ nicknorris: Menschen, die anderer Meinung als Sie sind, als "Ichlinge" zu bezeichnen, ehrt Sie nicht. Von jedem zu erwarten und zu verlangen, daß er seine Organe etc. "spendet", und jeden, der es nicht tut mit Worten wie "Ichling" anzugreifen und zu diskreditieren, ist eine massive Verletzung der persönlichen Integrität und Würde dieser Menschen. Gleichzeitig verurteilen Sie alle Philosophien, die die "Organspende" anders sehen, als Sie.
Auf der einen Seite reklamieren Sie für sich den höchsten moralisch-ethischen Anspruch, auf der anderen Seite werden Sie gerade diesem Anspruch in keinster Weise gerecht, wie Worte wie "Ichling" beweisen.
Schämen Sie sich.
Paging