Gegen den malaysischen Oppositionsführer Anwar Ibrahim ist Anklage erhoben worden. Der Vorwurf: gleichgeschlechtlicher Sex. Der Vater von sechs Kindern spricht von "Rufmord".
Gegen den malaysischen Oppositionsführer Anwar Ibrahim ist unter dem Verdacht der Homosexualität Anklage erhoben worden. Demnach soll er mit einem 23-jährigen Mitarbeiter seines Büros gleichgeschlechtlichen Sex gehabt haben. Der junge Angestellte soll selbst den 60-jährigen Politiker beschuldigt haben, ihn in einem "luxuriösen Apartment" verführt zu haben, berichtet der amerikanische Nachrichtensender CNN.
Bild vergrößern
Der malaysische Oppositionsführer Anwar Ibrahim vor dem Gerichtsgebäude in Kuala Lumpur. (© Foto: Reuters)
Anzeige
Der frühere Vize-Regierungschef, der von mehreren Rechtsanwälten und Familienmitgliedern begleitet wurde, plädierte auf nicht schuldig. "Das ist Rufmord, eine bösartige Anschuldigung und ich bin nicht schuldig", sagte Anwar vor einem Gericht in der Hauptstadt Kuala Lumpur, nachdem dort die Anklageschrift verlesen worden war. Die Abgabe eines Bluttests für eine DNA-Probe habe Anwar aus Angst vor einer Manipulation bislang verweigert.
Anwar zufolge sind die jüngsten Anschuldigungen politisch motiviert. Der sechsfache Vater weist den Vorwurf als "erfunden" zurück. "Das ist ein Trick, um von der Korruption und dem Missmanagement in der Wirtschaft abzulenken", mutmaßt er über die Hintergründe der Ermittlungen. Damit solle auch sein politisches Comeback verhindert werden.
Anwar wurde bis zur nächsten Anhörung im September gegen eine Kaution von 20.000 Ringgit (rund 4000 Euro) freigelassen. Er war bereits vor zehn Jahren wegen Vorwürfen der Homosexualität und Korruption als stellvertretender Regierungschef entlassen und zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Im Jahr 2004 wurde das Urteil aufgehoben und Anwar kam frei. Menschenrechtsorganisationen hielten die Prozess damals schon für politisch motiviert. Homosexualität ist im muslimischen Malaysia verboten und wird mit bis zu 20 Jahren Haft bestraft.
"Anwar steht nicht über dem Gesetz"
Im März dieses Jahres feierte er eine fulminante Rückkehr auf die politische Bühne Malaysias, als seine Partei bei der Parlamentswahl stärkste Oppositionskraft wurde. Die Opposition hatte bei der Parlamentswahl Anfang März der seit 51 Jahren mit Zwei-Drittel-Mehrheit regierenden Koalitionsregierung eine empfindliche Schlappe zugefügt. Seither haben die innenpolitischen Spannungen zugenommen.
Der malaysische Innenminister Syed Hamid Albar teilte CNN mit, dass die Politik bei der Festnahme keinerlei Rolle spiele. "Anwar steht nicht über dem Gesetz", so Albar. "Wir werden diesen Fall nüchtern als einen kriminellen Akt betrachten, der von der Regierung untersucht werden muss." Die Regierung in Malaysia ist sich der großen Popularität Anwars im Ausland bewusst. "Wir sind bei den Ermittlungen sehr behutsam vorgegangen, weil wir wissen, dass die internationale Gemeinschaft uns in diesem Fall ganz genau beobachtet", so Albar weiter.
Um das Gerichtsgebäude hatten sich trotz einer außerordentlich starken Polizeipräsenz mehrere hundert Anhänger versammelt. Sie jubelten dem Politiker bei seiner Ankunft zu. Das Gericht will am 10. September über den Prozesstermin entscheiden.
- Malaysia Schlüpfrige Machtspiele 01.07.2008
- Malaysia Der Fänger im Netz 10.06.2008
(dpa/afp/ap/pir/odg/woja)
Reiseknigge: Türkei
Wieso? Die Polizei untersteht auch hier der Regierung. Und dann gibt es davon unabhängig die beiden anderen Gewalten: Parlament und Justiz. Das Parlament beschließt die Gesetzte, die Regierung/Verwaltung führt sie aus und die Gerichte überwachen die Gesetzte.
Mal sehen wie lange es noch dauert, bis sich auch in diesen Regionen rumspricht, das Homosexualität weder eine Straftat noch eine Krankheit, sondern etwas normales ist. Hoffentlich dauert das nicht mehr zu lange!
Die Regierung untersucht Straftaten?
Gibt es im Malaysia keine Gewaltenteilung? Vermutlich nur in meiner naiven Vorstellung...
das wir wirklich das Jahr 2008 schreiben.
"Wir werden diesen Fall nüchtern als einen kriminellen Akt betrachten, der von der Regierung untersucht werden muss."