Die Kraft des Sports kann viel Gutes bewirken, aber unter falscher Regie erwächst aus ihr auch eine Gefahr. Der Streit um die Olympia-Hoheit zwischen Markt und Moral vor tibetischer Kulisse zeugt von diesem Risiko und weist über Pekings Spiele hinaus.
Die Boykott-Diskussion dieser Tage wird am Ende das Wertvollste sein, was vom großen Sporttheater Olympia übrigbleibt. Erstens rückt nun die repressive Politik des Gastgebers China in den geschärften Blick der Weltöffentlichkeit.
Bild vergrößern
Auch vor der chinesischen Botschaft in Berlin protestieren Demonstranten gegen die harsche Reaktion Chinas auf die Unruhen in Tibet. (© Foto: AP)
Anzeige
Und zweitens wirft die Debatte um Boykott oder nicht Boykott nach dem brutalen Vorgehen des chinesischen Militärs in Tibet ein Licht darauf, wie der Sport sich selbst sieht in den Konflikten der Gegenwart: als eigene Welt nämlich, die unberührt bleiben will von den Einflüssen da draußen, sofern sie kein Geld bringen.
Eine Institution wie das Internationale Olympische Komitee (IOC) sieht sich als Veranstalter einer globalen Party, die im Zeichen hoher Moral gefeiert wird, letztlich aber vor allem Interessen von Sponsoren und Sportindustrie bedient. Es geht dabei weniger um Botschaften als vielmehr um Märkte und um das sogenannte Produkt Sport, das gerade dadurch attraktiv wird, dass es harmonisch daherkommt - eine ideale Mischung aus Werten und Massenunterhaltung.
Die Freiheit, dieses Produkt gewinnbringend zu entwickeln, ist dabei ein gewünschtes Gut. Politische Freiheit stört dagegen im Zweifel. In ihrem Zweckdenken sind sich der Sport und China ziemlich ähnlich.
Ist ein Boykott der Show sinnvoll?
So erklärt es sich auch, dass das IOC die Spiele vor sieben Jahren an eine Nation vergab, die zwar für einen enormen, explosiv wachsenden Markt stand, aber nicht für Menschenrechte und saubere Umwelt. An dieser Entscheidung ist jetzt nichts mehr zu ändern. Die Sportlobby hat Medienwelt und Athleten in die Situation gebracht, Teil einer chinesischen Inszenierung zu sein, die alle Abgründe der Parteidiktatur mit herrlichen Bildern und Bauten überblendet.
Ein Boykott der Show? Diese Alternative gibt es im Grunde gar nicht. Ein Boykott würde die Fronten zwischen China und der demokratischen Welt nur verhärten und Symptome eines neuen Kalten Krieges befördern. Die Boykotte der Spiele 1980 in Moskau durch Teile des Westens und der Spiele 1984 von Los Angeles durch Teile des Ostens haben nicht mehr gebracht als einen Eintrag in der Chronik des Ost-West-Konflikts und Sportlerfrust; abgesehen davon, dass schon damals keine einheitliche Boykottlinie herzustellen war.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Video China setzt Tibetern Ultimatum 15.03.2008
- Internetzensur in China Die große Mauer 17.03.2008
- Gewalt in Tibet Russland unterstützt chinesisches Vorgehen 17.03.2008
- Gewalt in Tibet China will keine Zeugen mehr in Tibet 17.03.2008
Bundespräsident Gauck
genau so ist es richtig und zwar jeder freiwillig, niemand darf jemand anderen zwingen zu boykottieren, da dies die menschenrechte des betroffenen verletzen würde.
Diese Form des protestes wäre dann nicht nur hilfreich - nein sie wäre eines wirklich - demokratisch .
und wir sind och alle demokraten :-) schließen wir uns als einfach freiwillig zusammen und boykottieren den olympiarummel, das find ich toll
"rückt nun die repressive Politik des Gastgebers China in den geschärften Blick der Weltöffentlichkeit."
wow - da kann man nur hoffen dass auch die Türkei oder spanien oder Frankreich mal die olympischen spiele ausrichten oder einer dier vielen anderen staaten die eine repressive Politik gegenüber anderen innewohnenden völkern, minderheiten oder urbevölkerungen ausüben. Wird wirklich zeit dafür mal so richtig den Blick zu schärfen.
Nicht falsch verstehen ich bin für die einhaltung der menschenrechte für alle, für tibeter und auch für die die gerade die gewalt der tibeter über sich ergehen lassen mussten.
warum sind wir eigentlich für das schicksal all der anderen unterdrückten zig millionen menschen auf dieser welt so blind, weil sie von kulturvölkern unterdrückt werden vielleicht?
Stellt euch vor es sind Olympische Spiele und keiner geht hin...
Genau dieser Boykott aller Zuschauer, Zuseher, Leser und Macher ist der richtige Weg. Dem "Brot und Spiele Theater" muss ein Ende haben.
Sie schreiben:
Ein Boykott der Show? Diese Alternative gibt es im Grunde gar nicht. Ein Boykott würde die Fronten zwischen China und der demokratischen Welt nur verhärten und Symptome eines neuen Kalten Krieges befördern.
Da kann man ja nur lachen!
Wo sind denn da verhärtete Fronten zwischen China und der ach so demokratischen Welt?
Und durch verhärtete Fronten lassen sich doch keine guten Geschäfte mehr machen und die braucht China doch noch mehr als wir, da die Massen dort schon seit geraumer Zeit mit Luxusgütern aus dem Westen verführt und damit ruhig und geduldig gehalten werden.
Und etwa kalten Krieg? Das ware ja noch viel schlimmer!
Dann würde der aufgeblasene pseudo-kommun-kapital-istische MoloChina ja noch viel schneller auseinander fallen, als er das in den nächsten Jahrzehnten sowieso tun wird.
Wenn die kapitalistische Welt wirklich demokratisch ware, dann würde sie doch nicht nur Kosovo und East Timor Eigenständigkeit zugestanden haben, sondern auch Tibet und Taiwan.
Aber mit den Beanspruchern von Kosovo und East Timor sind halt nicht solch gute Geschäfte zu machen, wie mit dem neureichen, ach so freundlich immer-lächelnden China.
Das ists doch, oder täusche ich mich?
Kann ja sein, denn ich lebe nun schon 20 Jahre dort und bin der demokratischen Welt vielleicht schon ein bisschen entfremdet
Wenn dieser zweite Beitrag auch wieder nicht durch die süddeutsche Zensur kommt, werde ich meine email Adresse ins Forum geben (falls Sie das nicht auch unterbinden), sodass interessierte Forumsteilnehmer meinen Beitrag dann privat bei mir abrufen können. Ich habe nämlich keine Angst vor denen, die Sie mit ihrer Netiquette beschützen wollen.
Paging