"Eine Welt, ein Traum" - so lautet der Werbespruch für die Olympischen Spiele in Peking. Schön wär's gewesen. Tatsächlich kollidieren nun zwei Welten und zwei Träume.
"Eine Welt, ein Traum" - schön wär' es ja gewesen. Der Werbespruch für die Olympischen Spiele in Peking klingt nur noch wie ein Hohn. Tatsächlich kollidieren nun zwei Welten und zwei Träume, ein chinesischer und ein westlicher. Sie könnten verschiedener nicht sein. Es ist, als existierten zwei parallele Universen. Willkommen zur Schizolympiade.
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Patriotische Chinesen und Chinas Führung haben lange ihren Traum vom Sommer 2008 gepflegt. (© Foto: dpa)
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Patriotische Chinesen und Chinas Führung haben lange ihren Traum vom Sommer 2008 gepflegt. Nun bilden sie sich ein, der Westen gönne ihnen die Olympischen Spiele nicht. Europäer und Amerikaner seien neidisch auf Chinas Aufstieg, glauben sie. Unter dem Dauerfeuer der Propaganda fühlt sich das chinesische Volk vom Westen in seinem Nationalstolz verletzt. Der Täter redet sich ein, das Opfer zu sein.
Trojanisches Pferd
Auch der Westen pflegte seinen Traum: Die Olympischen Spiele könnten ja wie ein Trojanisches Pferd sein, mit dessen Hilfe sich Demokratie nach China tragen lasse. Auch dieser Traum ist nun ausgeträumt. Die Bilder aus Lhasa haben aus China eine Karikatur des Bösen gemacht, die gar nicht mehr zur coolen Boom-Nation passen mag. Ob Visumsvergabe oder Waffenlieferung - jede Entscheidung aus China wird mit hoher Sensibilität aufgenommen, als stünden die olympischen Ideale auf dem Spiel.
In dieser Phase der Empörung leisten sich beide Seiten - der Westen und China - ihre Version von Realitätsverweigerung. Vernunft bleibt in der vorolympischen Erregung auf der Strecke. Stattdessen hat die Stunde der Besserwisser geschlagen.
Viele Chinesen gefallen sich wieder in ihrer historischen Opferrolle, bemühen Opiumkrieg und die Demütigung durch Kolonialtruppen. Dieser nationalistische Reflex ist verständlich, doch er ist untauglich. Koloniales Unrecht in der Vergangenheit kann nicht vor der Kritik schützen, die nun angesichts der Unterdrückung von Minderheiten in der Gegenwart berechtigt ist.
Im Westen ist das Lager geteilt in die Freunde des Dalai Lama und die Freunde Chinas. Die einen wollen Peking nur noch anfeinden. Die anderen hantieren mit dem unerträglichen Klischee, man solle China jetzt nicht kritisieren, weil Chinesen niemals "ihr Gesicht verlieren" dürften. Besonders diese Gruppe hat die Argumente nicht auf ihrer Seite: Niemand wird die Pressefreiheit abschaffen wollen, nur weil sie in China gerade nicht populär ist.
Nach Tagen der Aufwallung wäre es nun angebracht, wenn sich alle Beteiligten in dieser interkontinentalen Seifenoper abregten. Niemand missgönnt den fleißigen Chinesen ihren wirtschaftlichen Erfolg der vergangenen zwei Jahrzehnte. Was im Westen hingegen mit Recht kritisiert wird, sind die systematische Unterdrückung der Religionsfreiheit in Tibet und andere konkrete Missstände. Wer die chinesische Führung dafür kritisiert, ist nicht gegen China. Diese Form der Kritik erlauben sich selbstverständlich auch kluge Chinesen wie das ehemalige ZK-Mitglied Bao Tong. Der erkennt in dem Fiasko in Tibet und den Beschimpfungen des Dalai Lama Auswüchse des "Han-Chauvinismus".
Die Deutschen müssen sich fragen, warum ihr Chinabild so schwankt
Gerade die Europäer und dort besonders die Deutschen müssen sich hingegen selbstkritisch fragen, warum ihr Chinabild ständig zwischen zwei Extremen schwankt. Entweder sie bestaunen einseitig die Dynamik des "neuen China" mit seinen Formel-1-Rennen in Schanghai und den glitzernden Skylines. Oder sie verfallen in eine chinakritische Hysterie, fast schon in eine Angst vor China. Die Wahrheit liegt, wie so oft, in der Mitte.
China, diese sich rasant verändernde Entwicklungsdiktatur, hat tatsächlich zwei Gesichter. Man kann sich mit den Chinesen über ihre wirtschaftlichen Erfolge freuen. Man kann, immer noch, zu den Pekinger Sommerspielen fahren. Gleichzeitig kann und muss man die Verhaftungswelle in Tibet kritisieren und sich für die Freilassung von Dissidenten einsetzen. Weder irrationale Angst vor dem Milliardenvolk noch feiges Kuschen vor seinen Herrschern sind angebracht. Unrecht bleibt Unrecht, egal wie groß oder wirtschaftlich erfolgreich ein Land gerade ist.
Dialog mit dem Dalai Lama ist der einzig vernünftige Weg
Im Moment sitzt Chinas Regierung in einer selbstgestellten Falle. Sie hat den Chinesen einen neuen Nationalismus als Ersatzideologie für den diskreditierten Marxismus verkauft. Und deshalb glaubt sie, keinen Dialog mit dem Dalai Lama oder ihren westlichen Kritikern führen zu können, ohne die Unterstützung beim eigenen Volk zu verlieren. Doch Dialog bleibt der einzige, vernünftige Weg, egal wie schwer er ist. Wer die Wahrheit benennt, der zettelt noch lange keinen Konflikt an. Nur mit Ehrlichkeit lässt sich die Kluft zwischen China und dem Westen langfristig verringern. Diesen Teil seines modernen Staatenlebens muss Peking erst noch lernen.
Es hilft den Tibetern wenig, wenn China isoliert oder dämonisiert wird. Eher hilft mutiges Nachfragen, wie es der japanische Ministerpräsident Yasuo Fukuda unlängst demonstriert hat. China müsse "der Tatsache ins Auge sehen", dass Tibet ein internationales Thema geworden sei, hat der Japaner dem chinesischen Außenminister gesagt. Ein Thema für diese vielbeschworene "eine Welt" also. Ein Thema, bei dem China beweisen kann, ob es dieser Welt gewachsen ist.
(SZ vom 23.04.2008/dmo/odg)
UN-Tourismusorganisation
die Meist--Friedensbewegten sind nicht in der Lage sich wenigstens theoretisch darauf einzulassen, ob es nicht zielführender für Tibet sein könnte , sich auf die Gegebenheiten, die es zu verändern gilt, zunächst einzustellen, sodann kluge und leise Diplomatie betreibend in Konnex mit China zu kommen und - mit eben in Gottes Namen kleinen - Schritten an dem zweifelsohne bestehenden Problem Stein für Stein abtragend, zu arbeiten.
Zugegeben: mühsam, langwierig und nicht mit Erfolgsgarantie versehen: aber ist das was wir derzeit haben, besser? Bringt es die tibetische Sache voran, wenn China eingetrutzt wird?
"WER betreibt Bashing des anderen mittels dreister Lüge und Verdrehungen?"
Mal andersrum gefragt; "Wer will den wem vorschreiben, wenn er zu empfangen hat und wenn nicht?" AKA Kanzlerin empfängt Daila Lama und Chinas Regierung stellt inoffiziell den diplomatischen Kontakt ein und "basht" Merklin über die staatliche Presse...
Welche Sache?
Benennen Sie mal die Sachaussagen des Artikels und Ihrer Beiträge. Nicht alle auf einmal. Eine würde schon reichen.
mit Sicherheit prallen hier zwei Welten und zwei System aufeinander.
Weder Angst noch Anbiederung helfen in der Debatte um Menschenrechte. Sondern China muss auf der internationalen Bühne spüren, dass es Nachteile für Peking hat, wenn es den Konflikt mit seinen Minderheiten nicht friedlich und unter Achtung der Menschenrechte löst.
Nur zur Sache und zum Artikel sagen Sie nichts. Sie bewerten meinen Kommentar - was Ihnen ja unbenommen bleibt. Normal wäre jedoch, wenn Sie auch nur vor die Bewertung wenigstens ein klitzekleines Argument setzen würden, aus dm Sie Ihre bewertungen schöpfen. Man läßt Sie hier gewähren, die Moderation ahndet nur Kraftausdrücke etc. Inhaltsleere verbunden mit Anmache geht hier xfach durch.
Kein Wunder, denn das Wort Chinabashing möchte man geiss nicht gerne hören in einer "wir bleiben dran"-Redaktion.
Übrigens, nur mal so als Hinweis: in dieser Ihrer Anmache doch so ähnlich wirkenden Äußerung von mir hier stecken immerhin noch zwei nachprüfbare Fakten. Aber da Sie sich -anzunehmen - auch mit denen nicht auseinandersetzen, bennene ich Sie Ihnen nicht extra, es wäre sinnlos.
Übrigens ist mein Interesse nicht, auf diesem Niveau weiterzuschreiben. Es ist das Chatniveau, dass manche hier als angebracht erachten.
Paging