Tibet-Aktivisten haben an zwei 40 Meter hohen Strommasten vor dem Pekinger Olympiastadion Protestplakate angebracht. Ihr Schicksal ist ungewiss.

Genau solche Aktionen hatte der chinesische Sicherheitsapparat verhindern wollen. Doch vier ausländische Tibet-Aktivisten sind nun durch das engmaschige Sicherheitsnetz geschlüpft.

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Mitglieder der New Yorker Inititative "Studenten für ein freies Tibet" haben es trotz der strengen Sicherheitsvorkehrungen geschafft: In einer waghalsigen Kletteraktion haben sie an zwei 40 Meter hohen Lichtmasten vor dem Olympiastadion in Peking Protestplakate angebracht. (© Foto: AFP)

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Mit ihrem waghalsigen Protest am Olympiapark in Peking unweit des Nationalstadions wollten sie verhindern, dass das Schicksal der Tibeter in Vergessenheit gerät. "One World, One Dream, Free Tibet" ("Eine Welt, ein Traum, befreit Tibet") stand in Abwandlung des Mottos der Spiele auf einem langen weißen Banner geschrieben, das die Kletterer an einem gut 40 Meter hohen Lichtmasten anbringen konnten.

Ein anderes verkündete: "Tibet wird frei sein." Es dürfte nicht die letzte Aktion gewesen sein, mit der ausländische Gruppen die Spiele als Plattform nutzen, um Druck auf Olympia-Gastgeber China auszuüben.

Nach einer Stunde wurden die Demonstranten friedlich von der Polizei abgeführt, wie die Gruppe Free Tibet mitteilte. Zunächst hieß es, die Tibet-Aktivisten seien von der Pekinger Polizei verhaftet worden.

Das Organisationskomitee BOCOG hingegen betonte, die vier seien nicht festgenommen worden. "Wir haben sie überredet, den Platz zu verlassen", sagte Sprecher Sun Weide.

Ausländer sollen sich an chinesisches Recht halten

Sie seien nicht zur Polizei gebracht worden. Über ihren Verbleib sei er nicht informiert. "Ich kenne die Einzelheiten nicht." Die Organisatoren seien "entschieden gegen jeden Versuch, die Spiele zu politisieren".

BOCOG verurteilte den Protest aufs Schärfste. Die vier Ausländer hätten sich "illegal versammelt", kritisierte Weide. Er forderte Ausländer in Peking auf, sich an chinesisches Recht und Gesetz zu halten.

Das Schicksal der Aktivisten ist ungewiss. Die chinesischen Behörden haben über den Verbleib der Aktivisten bislang keine Angaben gemacht. Die New Yorker Initiative "Studenten für ein freies Tibet", die die Protestaktion organisiert hatte, kündigte unterdessen an, Tibet-Aktivisten würden "friedliche, einfache und würdevolle Proteste" in Peking abhalten.

Politiker nehmen IOC in die Pflicht

Unterdesen hat der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke das IOC aufgefordert, für Sportler und Journalisten in Peking das Recht auf freie Meinungsäußerung zu garantieren. "Wer sich als Sportler über die Verhältnisse im Land des Wettkampfs äußern will, der muss geschützt werden", sagte der CDU-Politiker der in Dresden erscheinenden Sächsischen Zeitung.

"Wenn das IOC schlecht verhandelt hat, dann muss es eben noch mal zu der kommunistischen Führung gehen und sagen, das kann nicht sein, dass der Zugang zu Internetseiten gesperrt oder die Auslieferung von internationalen Zeitungen verhindert wird", sagte Nooke. Es gehe um die Einhaltung elementarer, international vereinbarter und akzeptierter Standards.

Der menschenrechtspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, warf dem IOC vor, sich die chinesische Propaganda zu eigen zu machen. So übernehme es in einer "internen Argumentationshilfe" die Argumente der Kommunistischen Partei zu den Unruhen in Tibet, sagte Beck dem Mannheimer Morgen.

Beck forderte die Sportler auf, ihr "demokratisches Bewusstsein" zu beweisen. "Wer Gold holt, sollte seinen Ruhm zum Einsatz für die Menschenrechte nutzen", sagte Beck. "Jeder kann bei der Pressekonferenz ein T-Shirt mit der Aufschrift 'Menschenrechte' auf Chinesisch anziehen", sagte er.

Keine Fortschritte bei Dialog mit Dalai Lama

Die Lage im streng abgeschotteten Tibet, wo chinesische Sicherheitskräfte jedes Aufbegehren im Keim ersticken, war seit Wochen immer mehr in den Hintergrund gerückt. Der mit großen Hoffnungen begleitete Dialog der Unterhändler des Dalai Lama mit Vertretern der chinesischen Führung macht keine Fortschritte. Die Exiltibeter stellen den Sinn schon grundsätzlich in Frage.

Eine Fortsetzung des Dialogs im Herbst macht Peking davon abhängig, ob es Störungen der Spiele - solche wie an diesem Mittwoch - geben sollte. Obwohl die "Studenten für ein freies Tibet" dahintersteckten, wird das religiöse Oberhaupt der Tibeter persönlich verantwortlich gemacht.

Zwar genießen der Dalai Lama und das tibetische Volk im Ausland große Sympathien, doch lassen immer mehr Politiker erkennen, dass sie es sich wegen Tibet keineswegs mit Pekings Führern verscherzen wollen.

Die tibetischen Unterhändler beklagen, dass ihr seit 2002 erfolglos laufender Dialog mit der chinesischen Regierung nur dazu dient, westliche Kritik abzuwehren. Wie jüngst aus der chinesischen Regierung verlautete, werde sie mit dem Dalai Lama "niemals über die Zukunft Tibets verhandeln", höchstens über seine eigene Zukunft.

Der Dalai Lama konterte aus dem indischen Dharamsala, es gehe nicht um seine Person, sondern "um das Wohlergehen von sechs Millionen Tibetern". Er persönlich wolle überhaupt nichts von Chinas Regierung.

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(dpa/AFP/AP/hai/buma)