Olympia-Attentat von 1972 Terroristen hatten offenbar Hilfe von Neonazis

Die palästinensischen Attentäter, die das Attentat bei den Olympischen Spielen 1972 in München verübten, hatten offenbar Hilfe von deutschen Neonazis. Einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" zufolge geht das aus Akten der deutschen Sicherheitsbehörden hervor. Bisher wurden die Unterstützer im linksextremen Lager vermutet.

Offenbar haben die palästinensischen Terroristen, die 1972 während der Olympischen Spiele in München ein Massaker verübten, mit deutschen Neonazis kooperiert. Das ergibt sich aus alten Akten der Sicherheitsbehörden, aus denen der Spiegel zitiert. Demnach wurden damals bei den Neonazis Wolfgang Abramowski und Willi Pohl Waffen des gleiches Typs wie bei den Palästinensern gefunden. Bisher hatten viele Experten eher eine Verbindung der Palästinenser zu deutschen Linksextremisten vermutet. Dazu finden sich jedoch in den alten Akten keine Hinweise. Dagegen soll der Neonazi Pohl, der sich später von Terrorismus und Gewalt lossagte, Kontakt zu Abu Daud gehabt haben, dem palästinensischen Drahtzieher des Anschlags.

Pohl sei sich heute nahezu sicher, dass er seinerzeit unwissend in die Vorbereitungen des Olympia-Attentats eingebunden gewesen sei, schreibt der Spiegel und zitiert Pohl so: "Ich habe Abu Daud quer durch die Bundesrepublik chauffiert, wo er sich in verschiedenen Städten mit Palästinensern getroffen hat." Später seien Pohl und Abramowski, der ein professioneller Passfälscher gewesen sei, in den Libanon gereist. Abramowski soll deutschen Staatsschützern erzählt haben, er sei damals fast jeden Abend von einem PLO-Funktionär abgeholt und zu einer Druckerei in Beirut gebracht worden. Dort habe er kuwaitische und libanesische Pässe gefälscht. Ungeklärt sei bis heute, schreibt das Magazin, ob auch die Münchner Attentäter von Abramowski gefälschte Pässe verwendeten, um in die Bundesrepublik einzureisen.

Pohl habe gesagt, vor dem Attentat während der Olympischen Spiele hätten die Palästinenser von einem "spektakulären Terroranschlag" gesprochen. Das Wort "München" sei aber nach seiner Erinnerung nicht gefallen. Später wurden die Neonazis offenbar verraten und festgenommen und 1974 lediglich wegen unerlaubten Waffenbesitzes verurteilt. Beim Olympia-Attentat 1972 hatten die palästinensischen Terroristen israelische Sportler als Geiseln genommen, um Palästinenser aus Gefängnissen freizupressen. Eine Befreiungsaktion der Polizei misslang. Elf Sportler und ein Polizist wurden getötet.