Offener Appell Auschwitz-Überlebende drängen EU-Chefs zu Flüchtlingshilfe

  • Überlebende des Vernichtungslagers Auschwitz fordern von den EU-Regierungen, human mit Flüchtlingen umzugehen.
  • In dem Appell verweisen sie auf Parallelen auf ihre eigene Verzweiflung, als sie vor den Nazis auf der Flucht waren und im KZ auf Europas Hilfe hofften.

"Verzerrte Gesichter, brennende Häuser und blanker Egoismus"

In einem offenen Appell an die europäischen Staats- und Regierungschefs haben Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz zu einem verantwortlichen Umgang mit der Flüchtlingskrise gemahnt. "Es ist keine Zeit mehr für nationale Egoismen und wahltaktische Rücksichten", heißt es.

"Hierzu ist die Situation der betroffenen Menschen, aber auch die Herausforderung an Europas Glaubwürdigkeit zu ernst", hieß es in der am Dienstag im polnischen Oświęcim veröffentlichten Mitteilung des Internationalen Auschwitz-Komitees von Ex-Häftlingen aus Polen, Ungarn, Deutschland, Tschechien und Frankreich.

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Die Autoren des Appells zur Flüchtlingskrise nehmen mehrmals Bezug auf ihre Verfolgung und Leidenszeit vor mehr als 70 Jahren. In Auschwitz hätten sie "in tiefster Verzweiflung und immer am Rande des Todes - auf Europa gewartet und auf Europa gehofft."

Die Bilder von Flüchtlingen an den Grenzen Europas erinnerten an die eigene Lage, schrieben die Überlebenden des größten der deutschen Vernichtungslager im Zweiten Weltkrieg. Es gebe große Hilfsbereitschaft, aber auch "an die Grenzen gerammte Zäune, verzerrte Gesichter, brennende Häuser und blanken Egoismus".

Erinnerung an "unsere damalige Verzweiflung"

"Wir bitten Sie, den Ängsten Ihrer Bürger ruhig, mit Aufklärung zu begegnen. Sie müssen jetzt Europas Erinnerungsvermögen und Europas Würde durch Ihre gemeinsamen Beschlüsse deutlich werden lassen", heißt es in dem Appell vor dem EU-Flüchtlingsgipfel. Zugleich sollten die europäischen Staats- und Regierungschefs populistische und rechtsextreme Kräfte in Europa in die Schranken weisen.

Mit Blick auf die Flüchtlinge schreiben die Autoren: "Menschen suchen bei uns Schutz, Hilfe und Zukunft für sich und ihre Familien. Sie nehmen Gefahren auf sich, um nach Europa zu gelangen. Dies alles erinnert uns an unsere damalige Verzweiflung.

Allein im Konzentrationslager Auschwitz hat das NS-Regime während des Zweiten Weltkriegs viele Hunderttausende ermordet, die meisten Opfer waren Juden. Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee die überlebenden Häftlinge. Dieses Datum gilt als Holocaust-Gedenktag, an dem jedes Jahr der ermordeten und verfolgten Juden gedacht wird.

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