Österreichs Rechtsaußen Haider Populist mit Ambitionen

Er gilt als Enfant terrible der österreichischen Politik. Nun will es Jörg Haider an die Spitze des Landes schaffen.

Von Cathrin Kahlweit

Gut möglich, dass er in jüngster Zeit häufiger nach Italien geschaut und sich mit Premier Silvio Berlusconi verglichen hat. Auch der hat schließlich als Enfant terrible der europäischen Politik nach seinem tiefen Fall den Wiederaufstieg an die Macht geschafft. Derzeit arbeitet der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider heftig an seiner zweiten, vielleicht auch dritten Karriere als Bundespolitiker und spielt öffentlich mit dem Gedanken, für seine kleine Partei, das BZÖ (Bündnis Zukunft Österreich), mitsamt der Spitzenkandidatur bei den vorgezogenen Parlamentswahlen Ende September auch das Kanzleramt anzustreben.

Der Kärtner Landeshauptmann Jörg Haider will es mit seiner populistischen Ader ins Kanzleramt schaffen.

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Einen Parlamentssitz, der mit Kärrnerarbeit in der Opposition verbunden wäre, wolle er auf keinen Fall, ließ er vorab schon mal wissen. So hat es Jörg Haider, Sohn eines Schuhmachers und einer Lehrerin, Erbe eines Millionenvermögens vom Onkel, immer gehalten: Was er wollte, wollte er ganz oder gar nicht.

Vier Prozent der Wählerstimmen

Die Rückkehr auf die bundespolitische Bühne wird Haider durch eine Verurteilung des derzeitigen BZÖ-Chefs Peter Westenthaler wegen Falschaussage ermöglicht; man habe sich am Wochenende auf einen Stabwechsel geeinigt, heißt es. Haider übernähme damit jene Kleinstpartei, die derzeit laut Umfragen bei etwa vier Prozent der Stimmen dümpelt und die er vor drei Jahren gegründet hatte, um seiner Entmachtung bei der FPÖ, den Freiheitlichen, zuvorzukommen. Beide Parteien fischen in Österreich am rechten Rand, machen mit Ausländerfeindlichkeit und Euro-Skeptizismus Politik; gleichwohl hat die FPÖ, deren Führungsspitze aus Haider-Renegaten besteht, bei den Wahlen weitaus bessere Chancen.

Der mittlerweile 58-Jährige Haider profitiert noch immer von seinem Bubencharme und seinem Hang zum Populismus, der ihn in Österreich einst groß gemacht hatte. Vor 22 Jahren übernahm der Jurist die von Altnazis gegründete FPÖ und wurde 1989 erstmals in Kärnten Landeshauptmann. Zehn Jahre später machte er die Partei bundesweit zur zweitstärksten Kraft. Weil Haider die Politik Hitlers schon mal in Teilen als anständig und Polen als arbeitsfaul, Ausländer als unerwünscht und Juden als dreckig bezeichnete, hatte er persönlich keine Chance auf eine Regierungsbeteiligung, wiewohl er gern Sozialminister geworden wäre.

Vermeintliches Image als Saubermann

Statt seiner schickte er eine willfährige Kollegin, die FPÖ-Politikerin Susanne Riess-Passer, in die Koalition mit der ÖVP. Gleichwohl verlor die FPÖ bei der nächsten Wahl einen Großteil der Stimmen. Haider zog sich aus der Parteiführung zurück; er konzentrierte sich auf seine Position als Landeshauptmann von Kärnten, die er seit 1999 wieder innehatte, und arbeitete an seinem Image als Saubermann.

Das klappte nur begrenzt: Eine Zeitlang beschäftigte er die Boulevardzeitungen mit Besuchen in Männerbars, aber auch durch seine Spritztouren im schwarzen Porsche oder im eigenen Hubschrauber. Seine populistische Ader bewies er erst kürzlich wieder, als er vermeintlich straffällig gewordene Asylbewerber kurzerhand in ein Abschiebelager nach Niederösterreich bringen ließ. Auch in Sachen Asylpolitik will Jörg Haider dem Italiener Berlusconi offenbar in nichts nachstehen.