Österreich Wahlkampf mit Haiders Vermächtnis

Vor der Landtagswahl in Kärnten will die FPÖ das geistige Erbe des Rechtspolitikers Haider retten - mit dessen Witwe als Kandidatin.

Von Michael Frank, Wien

In Kärnten ist niemandes Hinterlassenschaft mehr sicher. Den Leichnam des Milliardärs Flick hat man gestohlen, und um das geistige Erbe des toten früheren Landeshauptmannes und Rechtspopulisten Jörg Haider ist ein schriller Streit entstanden.

Soll auf Wunsch der FPÖ aus dem Schatten ihres verstorbenen Ehemannes treten: Haider-Witwe Claudia.

(Foto: Foto: AFP)

Die Freiheitliche Partei (FPÖ), die Haider einst zum Erfolg geführt hatte, beansprucht, allein dessen Erbe bewahren zu können. Das Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ), das Haider später von der FPÖ abgespalten und zuletzt zu einem respektablen Wahlergebnis geführt hatte, ist nach FPÖ-Ansicht außer Stande, Haiders ideeller Hinterlassenschaft gerecht zu werden.

Der FPÖ-Vorsitzende Heinz-Christian Strache sieht sich und seine Partei berufen, Haiders Witwe Claudia zur großen Politikerin zu machen und damit in Kärten zu beginnen. "Ich werde Claudia Haider als Landtagspräsidentin vorschlagen und ich bin enttäuscht, dass das BZÖ bis dato in diesem Bereich untätig geblieben ist", sagte Strache. In der "ganzen schmutzigen Berichterstattung um das Ableben Haiders" habe das BZÖ "Claudia nicht in Schutz genommen".

Im Frühjahr steht in Kärnten die reguläre Landtagswahl an. Unter Haider hat das BZÖ dort zuletzt über vierzig Prozent errungen, während es im Rest Österreichs eine unbedeutende Rolle spielt. Die FPÖ, die früher unter Haider stärkste Partei in Kärnten war, will die Urheberschaft an Haiders politischem und ideellem Gedankengut erheben, um so die eigene schlechte Positionen der letzten Wahl in Kärnten wettzumachen. Das BZÖ könne sich "auflösen", schlug der FPÖ-Chef seinen rechtsradikalen Konkurrenten vor.

"Peinlich und pietätlos" nannte BZÖ-Generalsekretär Martin Strutz Straches Ankündigungen. "Wir verwehren uns im Namen der Familie Haider gegen die Vereinnahmung durch die FPÖ", sagte er. Claudia Haider habe klargemacht, das sie sich nicht politisch betätigen werde.

Die Witwe des Rechtspopulisten hat zu der neuen Affäre jeden Kommentar verweigert, also auch nicht die Ansprüche des BZÖ bestätigt, die Kärntner Landtagswahl zu einer posthumen Abstimmung über das Erbe ihres Mannes zu machen. Lachender Dritter könnten die Sozialdemokraten sein, die vor Haider lange die Führung in Kärnten hatten.