Österreich: Wahl des Bundespräsidenten Zweistellig ist unerträglich

Österreichs Wähler haben Bundespräsident Fischer im Amt bestätigt und der rechtsextremen Barbara Rosenkranz den Triumph verweigert. Anlass zur Sorge gibt das Wahlergebnis trotzdem.

Ein Kommentar von M. Frank

Österreichs letzte willige Wähler haben am Sonntag mit imposanter Mehrheit Bundespräsident Heinz Fischer im Amt bestätigt. Sie haben einen kreuzbraven Mann behalten wollen, der die Agenden des Staatsoberhauptes mit größtmöglicher Neutralität und manchmal übertrieben staatstragender Akkuratesse ausübt. Sie wünschen sich an der Spitze der Republik eine Persönlichkeit mit größtmöglicher Distanz zum Alltagstumult.

Der alte und neue österreichische Bundespräsident Heinz Fischer feiert mit seiner Frau Margit den Wahltriumph.

(Foto: Foto: dpa)

Die Wähler haben indirekt auch die Österreichische Volkspartei abgestraft, die nicht den Mut hatte, einen eigenen Kandidaten gegen Fischer ins Rennen zu schicken, und deren Politiker die Bürger tatsächlich dazu aufriefen, gar nicht wählen zu gehen, weiße Zettel abzugeben, Stimmzettel ungültig zu machen.

Das Einzige, was die Politspekulanten von der FPÖ geschafft haben, ist, dass mehr als die Hälfte der Stimmbürger der einzigen Persönlichkeitswahl, die es in der Nachbarrepublik auf Bundesebene gibt, fernblieben. Sieben Prozent der Wähler haben ihre Stimme ungültig gemacht - so hat die ÖVP das höchste Amt im Staate parteipolitisch beschädigt und die Menge der politikverdrossenen Wahlverweigerer vergrößert.

Immerhin: Die Wähler haben der rechtsextremen "Reichsmutter", der FPÖ-Kandidatin Barbara Rosenkranz, den erhofften Triumph verweigert. Froh macht das dennoch nicht. Denn fast 17 Prozent für eine Kandidatin mit einem gestörten Verhältnis zur NS-Vergangenheit ist in einer historisch vorbelasteten Gesellschaft unerträglich. Dem alten und neuen Präsidenten Fischer sollte dies ein Ansporn sein, öfter und deutlicher gegen solche Positionen Stellung zu beziehen.