Österreich Van der Bellens Fehler

Ein Satz des Bundespräsidenten über Islam und Kopftuch bringt ihm Ärger ein.

Von Cathrin Kahlweit, Wien

Der Satz sei "ein Fehler gewesen, wenn man so will" - mit dieser Einlassung versuchte der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen einer Aussage die Wucht zu nehmen, die ihm nach hundert Tagen im Amt viele negative Schlagzeilen eingebracht hatte. Der ehemalige Grünen-Sprecher, der Anfang Januar als Staatschef vereidigt worden war, hatte mit einer Bemerkung über das Tragen von Kopftüchern für Aufsehen gesorgt. Van der Bellen hatte sich bei einer Podiumsdiskussion vor Schülern kritisch über die Angst vor dem Islam geäußert und für Meinungs- sowie Bekleidungsfreiheit plädiert. "Bei dieser tatsächlich um sich greifenden Islamophobie wird noch der Tag kommen, wo wir alle Frauen bitten müssen, ein Kopftuch zu tragen, alle, aus Solidarität gegenüber jenen, die es aus religiösen Gründen tun", sagte er.

Die Präsidialkanzlei ließ dazu auf ihrer Facebookseite wissen, dass Van der Bellen damit der Stigmatisierung von Kopftuch-tragenden Frauen entgegenwirken wollte; seine Verteidiger sprachen davon, dass der Satz ironisch gemeint gewesen sei. Van der Bellen hofft nun, dass "auf Dauer vielleicht doch verstanden wird", was er eigentlich sagen wollte. Der gebürtige Wiener hatte im Dezember 2016 nach dem längsten Wahlkampf der österreichischen Geschichte gegen Norbert Hofer von der rechtspopulistischen FPÖ gewonnen.