Nach dem Königsmord wird unter Österreichs Sozialdemokraten gegrinst, gegrüßt und gekuschelt. Der Kabarettist Alfred Dorfer über die neue Koalition in Wien und Österreichs Kanzler Faymann.
Nun ist die neue Regierung in Österreich ein paar Tage alt - wieder eine sogenannte große Koalition. Das Adjektiv ist etwas irreführend bei einer Mehrheit knapp jenseits der Hälfte. Immerhin war der bisherige Kanzler Gusenbauer, der seinen Mangel an Charisma durch einsame und glücklose Entscheidungen auszugleichen versuchte, für einen Rekord gut - der kürzest dienende Kanzler der 2. Republik.
Österreichs neuer Kanzler Werner Faymann (© Foto: Reuters)
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Er wollte schon in der Sandkiste Kanzler werden und sonst nichts, zuletzt war er das auch: nämlich Kanzler und sonst gar nichts. Gerührt erinnert man sich an sein Treffen mit dem Dalai Lama, wo wohl schnell ein gemeinsames Thema gefunden wurde: das Gefühl, im eigenen Land nichts zu reden zu haben.
Die neuen Gesichter verdienen ihren Namen, denn sie sind auch heimischen Polit-Insidern zum Teil nicht allzu geläufig. Neo-Kanzler ist Werner Faymann, ein - sagen wir einmal - Sozialdemokrat. En passant wurde sein Vorgänger Gusenbauer parteiintern abgeschossen in einer Art und Weise, die Shakespeares Königsdramen wie Kaffeekränzchen aussehen ließ.
Faymanns ununterbrochenes öffentliches Grinsen in diesem Zusammenhang erinnerte an den Spitznamen des Krokodils bei manchen Aborigines, "Der mit einem Lächeln tötet". Nach dem Königsmord wurde weiter gegrinst und gegrüßt. Zyniker behaupten ja, dass sein verbindliches "Sgott" die eigentliche Stärke des neuen Regierungschefs darstellt. Das "Sgott" eines Sozialdemokraten ist natürlich integrativ, in seiner Verkürzung aber entschärft und auch für linksliberale Geister akzeptabel.
So grüßte er sich bis ins Kanzleramt, und seine treuesten Fans hoffen vermutlich, dass eben dieses "Sgott" vielleicht auch gleich die Rezession wegzugrüßen imstande ist.
Interessant erscheint im Zusammenhang mit der Genesis von Faymanns Machtergreifung sein postulierter "neuer" Stil - die neue Regierung hat sich einen Kuschelkurs verordnet. Brutalität in der Politik ist zwar kein absolutes Novum, dennoch wurde von Faymann die Stilfrage immer wieder betont. Das oberflächliche Kuscheln mit dem Partner hat zwar wenig Stil, aber vielleicht fragt er sich auch bloß, was Stil genau ist. Er hat jedenfalls als einzigen Grund für den Zusammenbruch der letzten Regierung den öffentlichen Streit festgemacht. Als habe die Auseinandersetzung über den EU-Kurs, in der Faymann selbst eine zentrale Rolle spielte, nichts damit zu tun.
Mut, allein unterwegs
Faymanns Pendant bei der ÖVP heißt Josef Pröll, und manchen wird dieser Name vielleicht bekannt vorkommen. Er ist nun Vizekanzler und Finanzminister - ein Jobwechsel, denn bisher war er hauptberuflich Neffe. Sein Onkel, der niederösterreichische Landeshauptmann, ist in seinem Bundesland mit einer Mehrheit ausgestattet, die beinahe feudale Machtverhältnisse schafft.
Der Landesfürst Erwin war ein ständiger Förderer des jetzigen Parteichefs Josef, und man praktizierte somit eine sehr wörtliche Auslegung des Nepotismus-Begriffs. Josef Pröll galt sehr lange als die Zukunftshoffnung der Volkspartei, doch wurde diese Zukunft niemals Gegenwart und die Hoffnung in seine Person ist Vergangenheit.
Seine Rhetorik weckt kaum Gefühle des Formulierungsneids und die Zusammenstellung seines Teams ist mutlos, visionslos und teilweise ohne die nötige Kompetenz. Zu seiner Verteidigung muss man erwähnen, dass Letzteres bei österreichischen Ministern selten zur Job Description gehört. Beide Parteien entsenden in den Finanzbereich keine ausgewiesenen Experten, was in Zeiten von Börsen- und Wirtschaftskrise im Optimalfall mutig ist. Der Mut kommt aber, wie wir wissen, häufig ohne Intelligenzbegleitung aus und man fürchtet, dass er auch in diesem Fall allein unterwegs ist.
Auf Seite 2: Wie die große Koalition Jörg Haiders Karriere befördert hat.
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Bundespräsident Gauck
Natürlich sollte er nicht völlig charakterlos dabei sein.
Aber ich rechne Faymann hoch an, dass er damals, als der Coulthard bei der Eröffnung eines neuen Autobahnstücks eine Rennfahrt dort veranstalten wollte, NEIN sagte, das wär ein schlechtes Beispiel!
Und beim Gusenbauer, der so gebildet sein soll, mehrere Sprachen spricht, fand ich es nicht so gut, dass er bei einer seiner ersten Auslandsreisen , nach Deutschland, groß posaunte, in Österreich würden demnächst alle Erbschaftssteuern abgeschafft und die Deutschen sollten doch noch mehr Geld nach Österreich bringen!
Wobei eh schon Porsche, Piech, Flick, Horten- Milliarden usw. zum Teil dort verwaltet werden.
Auch Gusenbauers Lobrede auf den sehr skandalös abgegangenen Herrn Haider war zwar sehr populär bei Haiders Anhängern, aber wenig beitragend zur historischen Wahrheit.
Dass Faymann von Anfang an eine Koalition mit FPÖ-BZÖ abgelehnt hat, im Gegensatz zur Pröll ÖVP, erschwerte seine Verhandlungsposition sehr.
Aber es war auch ein Signal , das zeigte, dass er nicht zu allem bereit ist, um Kanzler zu werden.
Auch wars, so schlimm die Wirkung für die ehemaligen "Groß"-parteien war, gut, das diese, immer noch unter der Fernwirkung der schwarzen Eminenz Schüssel stehenden Regierung , beendet wurde.
Unvorstellbar, die hätten unter Gusenbauer so weitergemacht und nach weiteren 2 Jahren hätte Strache weiter zugelegt.
Aber jetzt sollten ROT/SCWARZ tatsächlich kräftige Signale geben.
Die Aufhebung von Kindergartengebühren in OÖ, durch den dortigen ÖVP Landeshauptmann,
die Steuerfreiheit für Spenden, nicht unbegrenzt und für alles, dieser Vorschlag Prölls, sind toll!
Die Jungwähler, die am meisten Fremdenhass zeigen, müssen gewonnen werden.
Aufklärung, Bildung, zielführende Hilfen für die unteren Schichten, Geld bei den Reichsten dafür holen, ja warum nicht über großzügigste Spenden, das wär gut.
Der Diebstahl von Friedrich Flicks Sarg sollt in diesem Zusammenhang als eine Mahnung gesehen werden!
Ihr Superreiche, was nützen euch die vielen Milliarden, wenn euch das Volk nicht liebt, euch möglichst schützt vor solchen Verbrechen?
Gute Ausrüstung, personell und materiell, für Polizei, Maßnahmen gegen weiteres Vordringen von kriminellen Elementen, der Mafia, aus dem Ausland, das ist ja wohl zu machen. Reichste , spendet!
Das macht euch beliebt und spart Steuern, aber ihr zahlt eh keine, oder wie ist das?
Na, dann eben ohne Steuern zu sparen!
Sammelt euch Schätze im H
eine ganz ausgezeichnete analyse; NUR: alfred gusenbauer ist über sich selbst gestolpert und keinem königsmord zum opfer gefallen! das ist legendenbildung
brigitta heindl, eine "gelernte" und "verzweifelte" wienerin
als Ereignis der Prophezeiung.......schrieb Watzlawick..d.h. den Strache als BK zu sehen??....da bin ich mir nicht so sicher madam xenia...weil die österreichische Politik wird vom Lobbyismus in Wien und Niederösterreich bestimmt....Strache hat den Wiener Bürgermeisterstuhl vor Augen, aber wie oft sind vorhergesehene Prophezeiungen schon eingetreten ??und zu alledem gibt es noch die Kronen Zeitung als 3.Koalitionär...