Landesparteivorsitzende plädieren für den Zug in die Opposition, ein stellvertretender ÖVP-Vorsitzender aus der Steiermark hat sein Amt hingeschmissen.

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In der Partei ringen jene, die sich nach Jahrzehnten der lukrativen Machtteilhabe nicht von den Trögen des Staatsapparates trennen mögen, mit jenen, die Erneuerung nur in der Opposition für möglich halten. Moderne, einigermaßen liberale Geister wie etwa der einstige EU-Kommissar Franz Fischler plädieren für die Opposition.

Der Ruf, noch immer neoliberale Politik nach dem Muster des einstigen Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel im Sinn zu haben, hängt der ÖVP angesichts der drohenden Wirtschaftskrise bleischwer an den Gliedern. Durch die Schüssel-Zeit ist auch der Ausweg verbaut, sich wieder mit der FPÖ zu verbünden, zumal man sich so den Parasiten selbst in den Pelz setzen würde.

Ziel große Koalition

Die Sozialdemokraten und deren Parteichef Faymann setzen ganz auf die große Koalition. Sie glauben, den Verdruss der Wähler weniger fürchten zu müssen. SPÖ und FPÖ ringen jeweils um die Stimmen der Benachteiligten in der Gesellschaft.

Die Forderungen im sozialen Bereich unterscheiden sich kaum, nur die ideologische Unterfütterung, was vielen Wählern egal ist. Faymann sucht zwar den aufrechten Demokraten zu geben, und hat deshalb von vornherein jede Koalition mit FPÖ oder BZÖ ausgeschlossen - nicht aber die Zusammenarbeit.

Auch kritische Kommentatoren meinen, es sei Zeit für eine Minderheitsregierung: also für ein reines SPÖ-Kabinett, das sich von Fall zu Fall Unterstützung bei allen anderen Parteien holt. Genau das ist ja bereits bei einer spektakulären Nationalratssitzung direkt vor der Wahl geschehen.

Und in der Europafrage liegt die SPÖ längst auf dem populistischen FPÖ-Kurs, neue EU-Verträge einer Volksabstimmung zu unterziehen. Das war ein Grund, warum die alte Koalition geplatzt ist. Hier kann die ÖVP um ihrer Identität willen nicht mit.

Straches FPÖ würde bei einer Minderheitsregierung mitspielen, um sich sozial zu profilieren. Die Grünen, die die Armutsbekämpfung als letztes glaubwürdiges soziales Anliegen betreiben, wären ebenso dazu bereit, trotz der Aussicht, von Fall zu Fall mit den Rechtsradikalen im selben parlamentarischen Boot zu sitzen.

Natürlich könnte eine solche "Koalition" nicht allzu lange durchhalten. Wiederum wären vorgezogen Neuwahlen die Folge. Doch hofft die SPÖ darauf, dass die Wähler noch immer den "Verweigerer" abstrafen, also die ÖVP, selbst wenn er eine ungeliebte Regierungskonstellation verhindert hat.

Ein Präzedenzfall ist gut in Erinnerung: 1970 bildete Bruno Kreisky eine Minderheitsregierung unter Duldung der FPÖ und gewann 1971 die absolute Mehrheit, nach Jahrzehnten der ÖVP-Dominanz.

Nur hatte Kreisky ein anderes Format, als die heute in Österreich agierenden Politiker. Zweifelhaft ist zudem, ob sich Bundespräsident Heinz Fischer auf so ein Experiment einließe.

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(SZ vom 18.11.2008/jkr)