OECD-Studie Bis zu eine Million Asylanträge 2015

3000 Flüchtlinge leben unter unwürdigen Bedingungen in einer Zeltstadt nahe der nordfranzösischen Stadt Calais - in der Hoffnung, durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen.

(Foto: AFP)
  • Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung geht davon aus, dass dieses Jahr bis zu eine Million Asylanträge in ihren Mitgliedstaaten gestellt werden.
  • So geben in Nigeria 44 Prozent der über 15-Jährigen an, dauerhaft auswandern zu wollen.
  • In vielen Fällen hätten die Länder von Migration jedoch auf lange Sicht wirtschaftlich profitiert.

Hoher Auswanderungsdrang

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwartet für das laufende Jahr einen Rekordwert an Asylanträgen in ihren 34 Mitgliedstaaten. Mit bis zu einer Million Anträgen könnte 2015 der höchste gemessene Wert seit Ende des Zweiten Weltkriegs erreicht werden, heißt es im am Dienstag in Berlin vorgestellten Migrationsausblick 2015 der OECD. "Der Druck ist in einer Reihe von Herkunftsländern hoch", schreiben die Autoren der Studie.

Wegen der anhaltenden Gewalt in Syrien, des weitgehenden Zusammenbruchs staatlicher Institutionen in Libyen sowie der sich verschlechternden Sicherheitslage in Irak, Afghanistan, Libanon und der Türkei erwartet die Organisation auch für die kommenden Jahre weiter sehr hohe Flüchtlingszahlen im OECD-Raum. In der Türkei warten dazu etwa 300 000 Menschen aus Afghanistan, Irak und Pakistan auf einen Weg in die EU. Mehr als 1,1 Millionen Syrer seien im zunehmend unsicheren Libanon.

In Ländern wie Nigeria geben 44 Prozent der über 15-Jährigen an, dauerhaft auswandern zu wollen. In Albanien sind es 39, im Senegal 37 und in Syrien 31 Prozent. Bei fast allen dieser Länder wird mindestens ein EU-Land unter den ersten drei bevorzugten Zielen genannt.

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Zuwachs an Asylanträgen auf Deutschland zurückzuführen

Während OECD-Staaten wie Australien oder Großbritannien in den vergangenen Jahren den Zugang für Flüchtlinge erschwert hätten, sei der Zuwachs an Asylanträgen insbesondere auf die hohen Zahlen in Deutschland zurückzuführen, schreiben die Autoren des Migrationsausblicks. Gemessen an den Asylanträgen pro Einwohnern bleibe allerdings Schweden mit 7,8 Asylanträgen pro tausend Einwohnern das von der Flüchtlingskrise meist betroffene Land, gefolgt von Österreich und der Schweiz.

Sorge bereitet der OECD insbesondere die hohe Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge. Obwohl viele Minderjährige überhaupt keinen Asylantrag stellten, seien 2014 unter den Asylantragstellern 24 000 unbegleitete Minderjährige gewesen, schreibt die OECD.

Länder haben von Migration auch wirtschaftlich profitiert

Die OECD zeigt sich jedoch optimistisch, was die Folgen der Einwanderung betrifft: Europa habe seit Ende des Zweiten Weltkriegs umfassende und kurzfristige Migrationsbewegungen "erfolgreich bewältigt". In vielen Fällen hätten die Länder von Migration mindestens auf lange Sicht wirtschaftlich profitiert.

Die Autoren fordern die OECD-Mitgliedstaaten auf, frühzeitig in die Neuankömmlinge zu investieren und sie insbesondere über Sprachförderung schnellstmöglich an den Arbeitsmarkt heranzuführen, um die Menschen erfolgreich zu integrieren. Anders als bei früheren Migrationsschüben müssten sich die Länder auf sehr unterschiedliche Neuankömmlinge vorbereiten. Die OECD empfiehlt deshalb ihren Mitgliedstaaten auf die Herkunftsländer maßgeschneiderte Integrationsmaßnahmen zu entwickeln.

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