Fehlende Kontrolle des Regierungschefs, mangelnde Kooperation innerhalb und zwischen Ministerien, eine Verwaltung, die Unterlagen nicht aufbewahrt - nach einem Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung braucht man sich nicht zu wundern, wieso Reformen in Griechenland bislang so gut wie unmöglich waren. Nun sind massive Maßnahmen gefordert, sagen die Experten.
Strenger Sparkurs und massive Reformen in Griechenland: Wie soll das funktionieren, wenn schon innerhalb der Regierung in Athen die Zusammenarbeit an allen Ecken und Enden nicht klappt? Wenn in allen Ministerien mit Tunnelblick gearbeitet wird, und innerhalb der Behörden kaum jemand miteinander spricht?
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Immer wieder ist es in Griechenland zu Protesten gegen die Sparmaßnahmen der Regierung gekommen. (© dpa)
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Diese Fragen drängen sich auf, wenn man das Fazit einer Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) liest. "Der Regierung mangelt es an praktischen Werkzeugen, an der Kultur und der Fähigkeit, schlüssige politische Maßnahmen zu initiieren, zu überwachen und umzusetzen", schreiben die OECD-Experten um die Britin Caroline Varley in ihrem Bericht.
Mit anderen Worten: Der Regierungschef hat zu wenig Kontrolle über die Ministerien. Mit gravierenden Folgen: Die Regierung ist nur "eingeschränkt in der Lage", strategische Richtungen vorzugeben und Prioritäten zu setzen, die Entwicklungen in den Ministerien zu bestimmen, zu koordinieren und sicherzustellen, dass die Maßnahmen auch effektiv umgesetzt werden.
Das gilt den Fachleuten zufolge auch für Reformen, die das Wirtschaftswachstum unterstützen sollen. Sie sehen darin "eine grundsätzliche Hürde, über die bereits viele Reformen gestolpert sind".
Einige der Beobachtungen, von denen die Experten berichten, sind schier unglaublich. So verteilt sich die Arbeit innerhalb der Ministerien im Durchschnitt auf 439 interne Strukturen. Die meisten Abteilungen sind ineffizient organisiert: Die Zahl der Vorgesetzten ist groß, die ihrer jeweiligen Mitarbeiter klein. "Eine von fünf Abteilungen hat lediglich einen Chef, aber keine Angestellten, und weniger als eine von zehn hat mehr als 20 Mitarbeiter", stellen die OECD-Beobachter fest.
Eine so fragmentierte Verwaltung verhindere eine zielgerichtete kompetente Arbeit. Und der allgegenwärtige Mangel an Zusammenarbeit innerhalb der Ministerien und zwischen den Abteilungen würde lediglich dort überwunden, wo einzelne Mitarbeiter ihr Wissen auf persönliche Initiative hin austauschten.
Noch überraschender ist wohl die Erkenntnis, dass "die Verwaltung nicht die Gewohnheit hat, Unterlagen aufzubewahren und nicht in der Lage ist, Informationen aus Daten - so vorhanden - zu gewinnen". Damit würden wichtige Grundlagen für politische Entscheidungen fehlen. Die Mängel bekamen die Experten selbst bei der Arbeit an ihrem Bericht zu spüren, wie sie berichten. So habe man "in einigen Fällen beachtliche Schwierigkeiten gehabt, Informationen zu sammeln".
Gesetze werden deshalb auch nicht in erster Linie auf der Grundlage von relevanten Informationen entworfen, da "die öffentliche Verwaltung abgeschnitten ist von Wirtschaft und Gesellschaft". Sie beruhten vielmehr "weitgehend auf Gesprächen innerhalb der Regierung" und würden somit "ohne jede starke Wahrnehmung der Folgen ausgeführt, die sie auf die reale Welt haben".
Wie die Regierung in Athen es doch noch schaffen könnte, die notwendigen Reformen vorzunehmen, sagen die OECD-Experten ebenfalls. Da die problematischen Strukturen sich über Jahrzehnte entwickelt und ausgebreitet haben, und wenig finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, sei "ein Big-Bang-Ansatz wahrscheinlich die einzige Option".
Dieser Urknall, dieser totale Neuanfang in Form einer generellen Umstrukturierung der Verwaltung sei möglichst bald notwendig. Er lasse sich aber nur verwirklichen, wenn eine Lenkungsgruppe eingesetzt werde, die von allen Beteiligten unterstützt würde, stellen die Fachleute fest. Dazu gehören alle Parteien innerhalb und außerhalb der Regierung, die Gewerkschaften und andere Interessenvertreter sowie die europäischen Partner Griechenlands und die Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF).
Dass alle Parteien mit ins Boot kommen werden, ist allerdings fraglich. Zwar hat das griechische Parlament für 2012 einen Sparhaushalt gebilligt. Und im vergangenen Jahr hatte Athen bereits Löhne und Renten gekürzt und die Steuern erhöht hat, nachdem EU und Internationaler Währungsfond ein Rettungspaket für Griechenland geschnürt hatten. Doch die Maßnahmen von Regierungschef Lucas Papademos stoßen zum Beispiel bei den Konservativen auf wenig Begeisterung. Und auch die Signale der Gewerkschaften geben keinen Grund zum Optimismus.
Immerhin: Erste Erfahrungen, wie man auf Verwaltungsebene besser kooperieren könnte, hat man in Griechenland nun gemacht. Athen könnte sich ein Beispiel nehmen an der Zusammenarbeit des Ministeriums für Verwaltungsreform mit den OECD-Fachleuten, empfehlen diese.
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(suedeutsche.de/aho/str)
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Das Fazit in Bezug auf die Reformfähigkeit ist viel deutlicher, als es die SZ aus üblicher politischer Rücksichtnahme gefiltert echot. Im Bericht heißt es: „Griechenlands zentraler Regierungsapparat hat bisher weder die Kapazität noch die Fähigkeit zu großen Reformen“.
Das heißt im Prinzip, daß alle Versprechungen und Beteuerungen von der Wende zum Besseren, die über die Agenturen laufen reiner gefälliger Agitprop sind. GR wird auf lange Frist gar nicht in der Lage sein, Reformprojekt und Versprechungen zu erfüllen. Einzig mögliche Strategie: Auf Zeit spielen und andere Länder in Geiselhaftung nehmen. Der OECD Bericht ist ein Indiz für die weiter betrieben ideologische Durchseuchung der EURO Krise, die eine Meisterschaft im Vernebeln mit Propagandageplärre geworden ist.
@country_air
Bei den Genannten setzt erst die Nachdenklichkeit ein, wenn es an die eigenen Versorgungsbezüge geht, ansonsten jongliert man akrobatisch in der eigenen ideologischen Befindlichkeit. Falls dies alles absehbar im wirtschaftlichen Chaos versinkt, wäre es ein Unding, würde man die kommenden Umbruchverhältnisse nicht dazu zu nutzen, sie auch ökonomisch für den dilettantischen Unsinn mit Vorsatz persönlich verantwortlich zu machen.
Passend dazu sollte jeder auch den FAZ-Artikel zu der "Bogenberger Erklärung" lesen. Insofern macht die Argumentation von Richard Sulík, slowakischer Ökonom, Unternehmer und Politiker, Vorsitzender der liberalen Partei Sloboda a Solidarita (Freiheit und Solidarität) einen Sinn, wenn er sagt, genauso gut könnte man die Rettungsgelder für GR und Co. in einen Gulli schütten. Die Rot-Grün hat die Mastricht-Kriterien von 3% aufgeweicht, Griechenland in die Eurozone geholt und nun wollen die beiden Linksparteien (Rot-Grün) auch noch die verfassungswidrigen Eurobonds, mit denen Deutschland zusätzlich jährlich 47 Mrd. Zinsen bezahlen soll. Der OECD-Bericht und die "Bogenberger Erklärung" sollten all den Merkels, Schäubles, Gabriels, Junkers, Özdemirs, Steinbrücks, Barrosos "eingehämmert" werden.
Damit ist bewiesen, dass die große Mehrheit der Foristen hier bessere Experten sind, als diese viel zu hoch bezahlten (-zensiert-) der OECD!
Deren "Experten" haben jetzt erst gemerkt, was 90% der Foristen hier schon seit Jahren schreiben!
Wie wäre es, wenn wir diese offensichtlich blinden und unfähigen "Experten" der OECD durch einige der Foristen hier ersetzen? Dann würde die OECD endlich wieder über etwas gesunden Menschenverstand verfügen!
so wie die deutsche auch. Sie vertritt wie jede Regierung nur Sonderinteressen derjenigen Gruppen, aus welchen heraus sie gebildet wird oder wer sie am kräftigsten schmiert.
In Griechenland scheinen es einfach "die Reichen" zu sein, bei denen man nicht in der Lage ist, auch nur ein kleines bischen an Steuern einzutreiben und die Banken, welche offen betrügen (z.B. die Poros-Bank, welche erwiesenermaßen 700 Mio europäische Subventionen ergaunert hat und - natürlich - nichts zurückzahlen muss sondern weiterhin gestützt wird).
In Deutschland scheinen es auch die Reichen zu sein (keine Vermögenssteuer mehr seit 20 Jahren, unendliche Steuerbefreiungsmöglichkeiten bei hohem Einkommen, freie Steuerflucht), die Pharmaindustrie (phantastische Gewinne seit Ewigkeiten), die Auto- und Mineralölindustrie, das Speditionswesen, die Bauindustrie (Stuttgart 21, Bahnstrecke München - Nürnberg, fast: Transrapid, 2.Stammstrecke für Münchner U-Bahn usw.), das Hotelwesen, die Banken selbstverständlich usw.
Nicht bedient werden dagegen die Mehrheiten: die Verbraucher, die Steuerzahler, die Kinder, die Arbeiter, die Angestellten, die Arbeitslosen, die Lehrer, die Teilzeitbeschäftigten, die "Nicht-mal-Mindestlöhner", die sozial Schwachen, die HartzVI-Empfänger, die Alleinerziehenden, die Rentner usw.
An all dem wird der Gipfel nicht das Geringste ändern. Er wird wahrscheinlich nur das kriminell hohe Einkommen der Banker weiter schützen und stabilisieren.
So kurz nachdem EU weitere ca. 10 Milliarden überwiesen hat kommen wieder neue Erkenntnisse - ich dachte "Griechenland macht Fortschritte und hat Reformen angestoßen". Das haben doch uns unsere geliebten, wahrhaften und glaubhaften Politiker kürzlich erzählt ... samt dem Märchen von "Es wird alles gut"
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