Zehntausende gehen gegen die Macht der Finanzmärkte auf die Straße, etliche Aktivisten campieren vor Banken in Frankfurt und Hamburg. Sympathien ernten sie dafür aus Opposition und Regierung. Auch Kanzlerin Merkel äußert Verständnis für das Unbehagen der Protestierenden - und zeigt sich offen für Forderungen der Opposition, etwa nach einer Trennung des Investmentbankings vom klassischen Bankgeschäft.
Nach den weltweiten Protesten gegen die Macht der Finanzmärkte und die Auswüchse des Kapitalismus an diesem Wochenende geht die Occupy-Bewegung in die nächste Phase über: Die Aktivisten werden sesshaft und richten Protest-Camps ein. In Frankfurt am Main zelten etwa 150 bis 200 Demonstranten vor dem Gebäude der Europäischen Zentralbank, in Hamburg campieren mehr als ein Dutzend Demonstranten vor der HSH-Nordbank.
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Bei einer Demonstration am Wochenende vor einer Deutsche-Bank-Filiale in Köln steht Angela Merkel genauso wie die Banken im Zentrum der Proteste. Doch die Kanzlerin hat mittlerweile Verständnis für die Occupy-Aktivisten geäußert. (© REUTERS)
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Der Protest zeigt erste Ergebnisse, denn zumindest werden die Aktivsten gehört. Der frühere Linken-Parteichef Oskar Lafontaine sagte der Passauer Neuen Presse: "Ich hoffe, dass die Proteste zunehmen. Es gibt keine wirkliche Rettung, wenn wir nicht radikal umsteuern." Unterstützung kommt aber nicht nur von der Linken. Auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte am Wochenende, er nehme die Demonstrationen "sehr ernst".
Und jetzt kommt sogar von höchster Stelle Zuspruch für die Occupy-Aktivisten: "Die Kanzlerin kann auch persönlich verstehen, dass die Menschen auf die Straße gehen", sagte Merkels Sprecher Steffen Seibert in Berlin. Die Regierung beobachte die Proteste sehr genau: "Darin drückt sich eine tiefe Sorge aus und auch ein berechtigtes Gerechtigkeitsverlangen der Menschen." In der internationalen Finanzwelt herrsche noch keine soziale Marktwirtschaft und soziale Verantwortung. "Es ist noch nicht gelungen, der internationalen Finanzwelt die Regeln zu geben und die Zügel anzulegen, die wir in Deutschland wünschenswert finden", so Seibert.
Allerdings dürfe man die Banken für die Krise auch nicht allein verantwortlich machen. Auch bei den Geldinstituten gebe es Unterschiede und verschiedene Geschäftsmodelle. Staaten hätten zudem jahrzehntelang über ihre Verhältnisse gelebt. Deshalb müsse es eine gemeinsame Stabilitätsanstrengung geben, zu der die Banken ihren Beitrag leisten müssten.
Seibert warnte in diesem Zusammenhang vor überzogenen Erwartungen an den EU-Gipfel am kommenden Wochenende: Dabei werde es bestenfalls kleine Fortschritte bei der Bewältigung der Staatsschuldenkrise in Europa geben. Träume, dass am Montag danach alle Probleme gelöst seien, seien nicht erfüllbar.
Vorschläge für eine Abtrennung des Investment-Geschäfts
Zu den Maßnahmen, über die auf dem Gipfel geredet werden, zähle die Stabilisierung des Bankensektors, eventuell durch eine koordinierte Rekapitalisierung von Instituten. Außerdem solle der Euro-Rettungsschirm EFSF möglichst effektiv eingesetzt werden. Auch eine noch engere Zusammenarbeit der EU-Länder in der Finanz- und Wirtschaftspolitik stehe auf der Tagesordnung. Hinzu kämen nationale Anstrengungen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.
Die Kanzlerin will voraussichtlich am Freitag in einer Regierungserklärung im Bundestag die Grundzüge ihres Kurses vor dem EU-Gipfel erläutern. Ein gesondertes Spitzentreffen Merkels mit der Bankindustrie ist nicht vorgesehen.
Außerdem zeigt sich die Bundesregierung grundsätzlich offen für eine internationale Debatte über eine Abtrennung des Investment-Bankings vom klassischen Bankgeschäft. Zuletzt hatte SPD-Chef Sigmar Gabriel den Vorschlag aufgegriffen. Ein Sprecher des Finanzministeriums verwies nun auf einen Vorschlag aus Großbritannien, der als Vorbild für eine internationale Regelung dienen könne: Eine Kommission, die nach der Finanzkrise von 2008 eingesetzt worden war, hatte im September unter anderem empfohlen, ein sogenanntes Trennbankensystem einzuführen. Allerdings sollen die Änderungen erst 2019 greifen.
In der neu aufgeflammten Debatte geht es darum, wie es gelingen kann, das Filialgeschäft für Privatkunden und das Kreditgeschäft für Firmen besser vor Risiken abzuschirmen und somit negative Auswirkungen für die Realwirtschaft einzudämmen. Zuvor hatte auch die Organisation der Industrieländer OECD eine Zerschlagung von Großbanken gefordert.
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(sueddeutsche.de/olkl/dpa/AFP/dapd/Reuters/woja)
Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev
"Darin drückt sich eine tiefe Sorge aus und auch ein berechtigtes Gerechtigkeitsverlangen der Menschen."
Amen
"Seibert warnte in diesem Zusammenhang vor überzogenen Erwartungen an den EU-Gipfel am kommenden Wochenende."
Ein Hellseher unser Regierungssprecher.
Aber scheinbar ist die Protestbewegung bei den "Marionettentruppen" angekommen, obwohl viele (Gauck) noch über die Daseinsberechtigung des Protests schwurbeln. Nur der übliche Beißreflex der Regierenden blieb aus, dafür von Obama bis Merkel nur verständnisvolles Verständnis, von Reue allerdings keine Spur.
Die sehr gut organisierten und friedlichen OWS-Aktivisten in NY und in vielen Städten der USA machen es vor, wie man mit "high tech" (Reporterteams, Livestreams mit mehreren Kameras, Chatrooms, Interwiews mit Polizisten etc.) Aufmerksamkeit schafft jenseits vom Mainstream der Massenmedien. Die aktuelle Information ist das Plus der Bewegung. Das führt auch dazu, dass die Militanten gut ausgegrenzt werden können. In dieser Form gibt es das in Deutschland noch nicht. Aber vor nichts haben die Politiker mehr Angst, als vor Informationstransfers die sie nicht beeinflussen können. Vielleicht doch spannende Zeiten demnächst?
Noch haben wir ja einen einfühlsamen, weichgespülten Regierungssprecher der "unsere" Sorgen ernst nimmt, danke.
„Merkel versteht die Demonstranten“
Ach ja, das ist Neu.
Dieser Satz ist wie immer nicht auf ihren Mist gewachsen diesen Satz hat sie von Obama abgekupfert.
Das Alternativlos hat sie sich wohl verkniffen.
Wie man wieder sieht handelt Merkel nach dem Wind und Bauchgefühl.
Gewissen??
Die Frau nee Glaub ich nicht.
Die Demonstranten wolle auch erhört werden denn an diese Regierung richtet sich der Zorn.
Der Souverän verlangt eine ausgewogene und sozialgerechte Politik und kein Klüngel mit dem Finanzsystem.
Wenn Mensche auf die Straße gehen gibt es schwerwiegende Gründe sie fordern ihre Rechte ein weil sie endlich aufgewacht sind und sehen, das diese Regierung das Volk nicht mehr vertritt.
Wir sind das Volk!
Wir fordern diese Regierung auf endlich zu Handeln und Schaden vom Volk ab zu wenden.
Jeder Politiker der gegen den Bürger zuwider handelt dem muss die Immunität abgesprochen werden es kann nicht sein das Straftaten von Politikern nicht geahndet werden.
Korruption und Schmiergeldaffären sind mit einem Demokratischenland nicht vereinbar.
ist das nicht wundervoll, freunde? frau merkel brachte uns die elektrische zahnbürste, den airbag, den frieden und die schwerkraft. und als wäre all dies noch nicht genug jetzt auch noch verständnis.
ein tag in der geschichte unseres blühenden landes, der uns jubeln lassen sollte. danke! danke! hallelujah!
Die Opportunistin Merkel: Eine Bewegung formiert sich, die ein gewisses Potential hat. Wähler könnten gegen sie stimmen. Also schnell Verständnis zeigen. - Und wann kommt der Schritt, dank dem sie sich als die "Gründerin" der Bewegung ausgibt? :o)
"Allerdings dürfe man die Banken für die Krise auch nicht allein verantwortlich machen. Auch bei den Geldinstituten gebe es Unterschiede und verschiedene Geschäftsmodelle." - Bitte, was?
Dazu ein sinngemäßes Zitat von Berthold Brecht: "Dilettanten rauben eine Bank aus. Profis gründen eine."
Und eines von Henry Ford: "Wenn die Menschen das Bankensystem begriffen, wir hätten einen aufstand vor morgen früh."
Jede Bank wird von Menschen geleitet, die die fehler des Systems (Schuldgeld, Exponentialsystem Zinseszins, Giralgeld) kennen und also wissen, dass das Geldsystem die Massen ausraubt. Und doch schaffen sie weiter daran und unterstützen also den Raub.
Es mag Unterschiede bei den Banken geben. Doch sehe ich diese eher im Bereich der Art der Tötung: "Beihilfe, Fahrlässige Tötung, Totschlag im Afeckt, Mord" Und das was ich erlebe bei allen Banken, ist mindestens Beihilfe und reicht über alle Nuancen bis hin zur geplanten Tötung, also dem Mord. Nämlich an 40.000.000 Menschen, die jedes Jahr sterben, weil sie für genug Nahrung kein Geld haben.
Im Umkerhschluss sollte es also kein Loblied auf einige "bessere" Banken und Banker geben, sondern ein Ende des fatalen Systems. Genug Ideen für Systeme, die das Leben ermöglichen gibt es bereits. Und zwar teils seit sehr langer Zeit...
Und dann wieder die Verdrehung der Tatsachen! Erst die Bankenpleite hat doch die Staaten in die extremen Schulden getrieben. Und zwar, weil die Banken gerettet wurden!
Glauben wirklich noch so viele Menschen an den Weihnachtsmann?
Herzliche Grüße
Fragen an unseren Leser alki. sind sie sicher das sie sich hier auf der richtigen Seite befinden ? Ihre Themen sind doch sonnst nur Israel und der nahe Osten und natuerlich ihren Lieblingsfeind Nr. 1 die USA. Man lese und staune.
Paging