Oberursel Islamisten-Paar hatte Kontakt zu Syrien-Rückkehrern

Terrorverdacht in Oberursel Taschen und Koffer mit sichergestellten Gegenständen tragen Sprengstoffexperten der Polizei am 30.04.2015 in Oberursel (Hessen) aus einem Apartmentkomplex. Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei hatte hier in den frühen Morgenstunden einen Mann und eine Frau festgenommen. Bei der Durchsuchung einer Wohnung in Oberursel wurde in der Nacht eine funktionstüchtige Rohrbombe gefunden. Foto: Boris Roessler/dpa (zu dpa ´Polizei vereitelt Terroranschlag in Hessen - Bombenfund in Wohnung" vom 30.04.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++

(Foto: dpa)
  • Ein Ehepaar aus Obersursel hat vermutlich einen Terroranschlag auf ein Radrennen in Frankfurt geplant.
  • Die beiden hatten offenbar weitreichende Kontakte in die deutsche Islamisten-Szene, auch zu Rückkehrern aus Syrien.
  • Obwohl der Ehemann seit 2009 im Blick der Polizei war, hatte der Bundeverfassungsschutz offenbar keine Informationen über den Mann.

Polizei geht davon aus, dass es Komplizen gibt

Wenige Tage nach dem wohl im letzten Moment vereitelten Terroranschlag in Hessen erhärtet sich der Verdacht eines islamistischen Hintergrunds. Einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) zufolge soll der verdächtige Ehemann, Halil D. Kontakte zu so genannten "Gefährdern" aus der Islamistenszene gehabt haben. Darunter auch Rückkehrer aus dem Bürgerkrieg in Syrien. Daten aus den beschlagnahmten Handys des Paares geben zudem Aufschluss über ein weitreichendes Netz in die deutsche Salafistenszene.

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Wie das Blatt berichtet, gehen die Ermittler nicht davon aus, dass das Paar allein handelte. Es gebe aber noch keine konkreten Erkenntnisse darüber, ob tatsächlich andere Personen von den Plänen Kenntnis hatten oder weitere Anschläge in Deutschland planten.

Bundesverfassungsschutz war Islamisten-Paar unbekannt

Halil D. war den hessischen Sicherheitsbehörden schon seit 2009 bekannt. Der Hartz-IV-Empfänger fiel in der Vergangenheit immer wieder durch Straftaten auf. Er plante wohl ein Chemiestudium, möglicherweise um Kenntnisse im Bau von Bomben zu erwerben. Auch seine Frau Senay D. soll in die Anschlagspläne verwickelt gewesen sein und beispielsweise bei der Beschaffung des sichergestellten Wasserstoffperoxid beteiligt gewesen sein. Mit der Chemikalie kann, wie mit dem ebenfalls in der Wohnung des Paares sichergestellten Aceton, der Sprengstoff TATP hergestellt werden. Dem Bundesverfassungsschutz war das Paar nach Informationen der FAS aber bisher nicht bekannt.

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Gewaltvideos gefunden

Ermittler hatten auf einem Computer des Ehepaars zuvor Gewaltvideos gefunden. Diese seien dem islamistischen Extremismus zuzuordnen, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes in Wiesbaden. Weitere Einzelheiten nannte er nicht. Der Computer sei in der Wohnung der türkischstämmigen Eheleute sichergestellt worden.

Das Paar war in der Nacht zum Donnerstag von einem Spezialeinsatzkommando in Oberursel im Taunus festgenommen worden und sitzt in Untersuchungshaft. In der Wohnung fanden Ermittler eine Rohrbombe, Munition, Teile eines G3-Sturmgewehrs und eine Übungsgranate für eine Panzerfaust. Vermutlich hatten die beiden das für den 1. Mai geplante Radrennen "Rund um den Finanzplatz Frankfurt-Eschborn" im Visier, das dann kurzfristig abgesagt wurde.

Salafistisches Milieu Quelle von Radikalisierung

Nach Angaben der Polizei wird die Auswertung der sichergestellten Papiere und elektronische Datenträger aus der Wohnung noch Tage oder sogar Wochen dauern. Zum Teil müssten Dokumente erst noch übersetzt werden. Die Suche entlang der Rennstrecke ist inzwischen beendet. Dort hatten Beamte den Angaben zufolge nach weiteren Bomben Ausschau gehalten, aber nichts gefunden.

Der 35-jährige Deutschtürke und die 34 Jahre alte Türkin werden der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und der Vorbereitung einer Explosion verdächtigt. Zu möglichen Komplizen des Duos sagte die Leiterin des "Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam" (FFGI), Susanne Schröter: "Jeder kann eine Bombe bauen, aber in der Regel ist es schon so, dass salafistische Täter ein Umfeld haben." In diesem Umfeld würden sie sich radikalisieren und Gedanken austauschen.