Ein Kommentar von Reymer Klüver

Barack Obama ist erkennbar bemüht, die Fehler seiner Vorgänger nicht zu wiederholen. Einen hat er schon vermieden: Er wählt sein Kabinett mit Bedacht und bindet einstige Gegner ein.

Gerade einmal zweieinhalb Wochen ist es her, dass Barack Obama gewählt worden ist. Noch zwei Monate dauert es, bis der 44. Präsident der Vereinigten Staaten am 20. Januar seinen Amtseid ablegen wird. Doch schon jetzt zeichnen sich die Konturen seines Kabinetts ab und - nicht weniger wichtig - die seines Teams im Weißen Haus. Das ist ausgesprochen früh. So schnell waren seine Vorgänger nicht.

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Aus einstigen Rivalen wird ein Team: Barack Obama und Hillary Clinton. (© Foto: AFP)

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Das ist kein Zufall. Obama geht mit derselben Systematik und Überlegung vor, mit der er bereits in den Wahlkampf gestartet war. Da war von langer Hand eine Strategie vorbereitet worden, wie und wo der Kandidat seinen Rivalen im Vorwahlkampf und dann im eigentlichen Präsidentschaftsrennen Stimmen streitig machen könnte.

Auch für sein Personalpaket gibt es offenkundig ein Konzept, geschnürt schon vor der Wahl. Nun wird es, wie die Wahlkampfstrategie, zielstrebig umgesetzt. Und da lässt Obama sich nicht beirren und schon gar nicht dreinreden. Er setzt auf eine Kombination von Washingtoner Insidern und Vertrauten im Weißen Haus und auf bewährte Profis auf den Kabinettsposten.

Das Weiße Haus: An der Spitze seines Teams sitzt Rahm Emanuel, gleichzeitig ein enger Vertrauter und ein Geschöpf des Washingtoner Politbetriebs, der es wie nur wenige versteht, die Hebel der Macht in der US-Hauptstadt zu bedienen. Obama verzichtet auch nicht auf seine bekannten Berater aus Chicago, auf David Axelrod, seinen Wahlkampfstrategen, oder Valerie Jarrett, eine langjährige Ratgeberin. Aber zugleich heuert er Insider an wie Peter Orszag, der wohl Haushaltsdirektor werden wird, also die zentrale Budgetplanung übernimmt.

Das Kabinett: Hillary Clinton wird Außenministerin. Bob Gates dürfte Verteidigungsminister bleiben. Die Innere Sicherheit soll die Gouverneurin von Arizona, Janet Napolitano, als Heimatschutzministerin übernehmen.

Dem Anwalt Eric Holder wird es obliegen, das im In- und Ausland gestörte Vertrauen in die Unparteilichkeit der US-Justiz wiederherzustellen. Der Ex-Senator Tom Daschle soll Obamas wichtigste sozialpolitische Reform umsetzen, die Einführung einer allgemeinen Krankenversicherung.

In den US-Medien wird gern von einem Kabinett der Rivalen gesprochen. Was schön klingt, aber nicht viel sagt. Natürlich sind mit Joe Biden und Hillary Clinton zwei ehemalige Mitbewerber ins Unternehmen Obama eingebunden (wenn Bill Richardson eine Rolle erhält, dann sogar noch ein dritter). Viel wichtiger ist jedoch der Umstand, dass Obama sich durchweg für Schwergewichte entschieden hat. Also nicht für Technokraten, die über fachliche Expertise verfügen, nicht aber die Fähigkeit besitzen, ihre Ziele auch durchzusetzen. Es sind gestandene Politprofis, alles Pragmatiker und keine Ideologen, sie treffen auf Zustimmung selbst bei Republikanern.

Von den wichtigsten Jobs im Kabinett sind aber zwei noch unbesetzt: der Posten des Energieministers, der die Wende beim Klimaschutz einleiten soll. Und der des Finanzministers, der vor einer Herkules-Aufgabe stehen wird. Er muss nicht nur die Krise managen, er muss auch noch die Architektur einer neuen globalen Finanzordnung mitzimmern.

Es spricht eigentlich nur für Obama, wenn er sich jetzt trotz des Drucks fallender Kurse an der Wall Street nicht überstürzt auf einen Namen festlegt, sondern seine Leute erst mögliche Schwächen der Kandidaten durchleuchten lässt.

Obama ist erkennbar bemüht, die Fehler seiner Vorgänger nicht zu wiederholen. Einen hat er schon vermieden. Er ist nicht ins Personalauswahlverfahren gestolpert wie George W. Bush. Und er will niemanden ungeprüft ins Rennen schicken - nur um ihn dann wieder zurückziehen zu müssen. Das war Bill Clinton passiert. Der hatte seine ersten politischen Niederlagen schon kassiert, ehe er ins Amt kam.

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(SZ vom 22.11.2008/woja)