Der US-Präsident sucht eine neue Afghanistan-Strategie. Das ist eine Chance, doch die Verbündeten in Brüssel ahnen, dass diese auch ihnen mehr abverlangen wird.
Afghanistan ist Amerikas "guter Krieg". So glaubt, laut Umfragen, das Volk, so sieht es der neue Präsident. Barack Obama, dessen nationale Karriere als früher Gegner des wüsten Bush-Krieges im Irak begann, war und ist kein Pazifist.
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Barack Obama kennt in seiner Afghanistan-Politik nur ein Tabu- den Rückzug, die eigene Niederlage. (© Foto: dpa)
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Er sah zu Recht keinen Grund für den Irrmarsch auf Bagdad - aber er hegte nie Zweifel, dass der Kampf gegen al-Qaida und Taliban gerecht ist. Also will er, als 44. Oberkommandierender, nun raus aus Mesopotamien. Und umso mehr ist der Hindukusch fortan seine entscheidende Front: Da will, ja da muss der amerikanische Präsident siegen.
Genau deshalb unterwirft die neue Regierung ihr Afghanistan-Dossier jetzt einer rigorosen Überprüfung. Und der Einsatz (mit bislang immerhin über 600 toten US-Soldaten) liest sich nicht eben wie eine Erfolgsgeschichte: Osama bin-Laden ist nach wie vor auf freiem Fuß, die Taliban sind auf dem Vormarsch, die Regierung in Kabul versinkt in Korruption, lässt den Drogenhandel wuchern und oft finstere Warlords in den Provinzen gewähren. Mit simplen Durchhalteparolen, mit einem sturen "Weiter so", kommen die Vereinigten Staaten und ihre Nato-Verbündeten nicht mehr voran.
Der Neuanfang in Washington eröffnet die (vielleicht letzte) Chance, in Afghanistan einen anderen, besseren Kurs einzuschlagen. Dazu sucht Amerika nun eine neue Strategie. Und die ersten Signale der Regierung bedeuten den Alliierten in Europa wie dem Präsidenten in Afghanistan, dass die Obama-Mannschaft dabei nur ein Tabu kennt - den Rückzug, die eigene Niederlage. Nein, Amerika rüstet auf, will bis zu 30.000 Soldaten zusätzlich entsenden.
Die Verbündeten in Brüssel ahnen, dass dies auch ihnen mehr abverlangen wird - mehr Truppen, mehr zivile Aufbauhelfer, mehr Geld. Es ist höchste Zeit, dass Europas Regierungen auch eigene Ideen investieren - und zwar, ehe die Führungsmacht ihre Suche nach neuen Pfaden beenden wird.
Auf Hamid Karsai, den einsamen Präsidenten in Kabul, kommen raue Zeiten zu. Er hat inzwischen erfahren müssen, dass er nicht länger Washingtons Liebling ist.
Die virtuellen Audienzen im Weißen Haus, die Karsai unter George W. Bush per Videoschaltung fast wöchentlich genoss, hat Barack Obama bereits abgeschafft. Soll heißen: Wir können auch anders. Längst gilt es nicht mehr als ausgeschlossen, dass sich Washington vor den afghanischen Präsidentschaftswahlen im August einen anderen Lieblingskandidaten ausguckt. Der erste schwarze US-Präsident kennt da keine Treue, keine Schuldigkeiten: Amerikas bisheriger Mohr in Kabul kann auch gehen.
Vom schlechten Krieg das Siegen lernen
Derweil zeichnet sich erst in Umrissen ab, was die neue US-Regierung am Hindukusch vorhat. Klar ist nur, dass Amerika mehr als bisher den Afghanistan-Krieg als Regionalkonflikt begreifen wird: Die labile Regierung in Pakistan wie auch das iranische Mullah-Regime werden unter Druck geraten, mehr als bislang mitzuhelfen im Kampf um Afghanistan. Dafür steht der Name Richard Holbrooke, der neue, für seine Ruppigkeit bekannte US-Sonderbeauftragte für die Region.
Ein anderer Name dürfte derweil für die Taktik stehen, mit der Washington künftig in den Schluchten des Hindukusch vorankommen will: David Petraeus. Der Vier-Sterne-General, inzwischen der Chef des US-Zentralkommandos, gilt als Vater von Amerikas spätem Erfolg im Irak. Petraeus will, getreu seinem Lehrbuch zur erfolgreichen Aufstandsbekämpfung, mit mehr amerikanischen Soldaten in Afghanistan erneut in die Schlacht ziehen. Mehr Bodentruppen verheißen, zumindest vorübergehend, mehr Blutvergießen - aber hoffentlich weniger blindes Bomben per Drohnen wie bisher.
Der Irak als Lektion für Afghanistan: Obama mag es nicht so sagen, aber er wird es tun. Er will, um seinen guten Krieg zu gewinnen, jetzt vom schlechten Krieg das Siegen lernen.
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Nur vier Tage nach seiner Amtseinführung als neuer Präsident, wurde Obama von den US-Kommandeuren um Erlaubnis gefragt, bevor sie zwei Angriffe am Samstag mit Killer-Drohnen durchführten. Laut eigenen amerikanischen Gesetzen, sind Militäroperation ausserhalb der vom Parlament genehmigten Gebiete, wie Afghanistan und Irak, verboten. Um die gesetzlichen Grenzen überschreiten zu können, benötigt das Militär eine ausdrückliche Zustimmung des Präsidenten, und er gab sie.
Damit knüpft Obama natlos an der verbrecherischen Politik von Bush an, in dem letztes Jahr 30 Angriffe auf Pakistan genehmigt wurden, die 200 Menschen töteten, ein völliger Bruch des internationalen Völkerrechts. Aber Obama hatte bereits während des Wahlkampfs angekündigt, ihn kümmern solche Einschränkungen nicht, und er hat die Absicht den Krieg nach Pakistan zu verlagern. Er nannte es einen Fehler von Bush, den Irak überfallen zu haben, bevor der Krieg gegen den Terror in Afghanistan und Pakistan "erledigt" war.
wenn man so einen gerechten schönen Krieg führen darf.
was war das nochmal, was die Taliban den USA und den Deutschen angetan haben, daß man jetzt ihr Land besetzt????
So wird es leider kommen . Der Ausschluß einer "Niederlage" blockiert das Nachdenken über Sinn und Zweck einer Fortsetzung der bisher ja soo erfolgreichen Aktionen . Es geht um Ehre und Ansehen der nicht nur moralisch angeschlagenen "Super"macht !! Was spielt da Leben und Gesundheit von ein paar US- und anderen Natosoldaten für eine Rolle , von Taliban und sonstigen "Kollateralschäden" garnicht zu reden .
Dass die Zahl der Taliban , auch nach großen Verlusten , allein schon aufgrund der Nato-Besetzung des Landes nachwächst , ist ebenfalls als sicher anzunehmen . Und wie schon im Irak ist das Kampfgebiet AF/ Pakistan Anziehungspunkt für ausländische Islamisten , die dann praktischerweise der al qaida zugerechnet werden .
Man darf gespannt sein , ob den europäischen Nato-Staaten-Lenkern ein eigenes Konzept einfällt . Mit einem gemeinsamen ist eher nicht zu rechnen ...
Dieser Kommentar bringt die Sichtweise der SZ-Redaktion auf den Afghanistan-Krieg auf den Punkt : Es ist ein "guter Krieg" und dieser Krieg ist sogar dermaßene "gut", dass die SZ schon bevor Obama überhaupt im Amt war, in einem Kommentar an die Deutsche Politik appelliert hat, man möge doch bitte schön die Amerikaner mehr unterstützen als bisher.
Der Gedanke, das Deutschland in Zukunft weniger in Afghanistan tut, ist für die SZ offensichtlich total abwegig. Dabei gibt es keinerlei Verpflichtung für Deutschland, sich dauerhaft in großem Umfang an einem völlig sinnlosen Krieg zu beteiligen. Man muss ja nicht gleich davon reden, sich aus dem Krieg komplett zurückzuziehen, aber langfristiges Ziel sollte es eigentlich sein.
Oder gibt es vielleicht doch Vertäge, die zu so etwas verpflichten ? Die bloße Mitgliedschaft in der Nato wird dies wohl kaum mit sich bringen - aber vielleicht haben Schröder und Steinmeier mal irgendwas unterzeichnet - zuzutrauen wäre denen das.
Aber selbst für diesen Fall, gäbe es sicherlich Möglichkeiten da raus zu kommen. Aber
es ist für die Deutsche Politik eben bequemer, den USA brav zu folgen. Die Kosten für diesen Krieg ohne jeglichen Nutzen übernehmen sowieso die Steuerzahler und die Abgeordneten müssen ja ihre Kinder nicht an die Front schicken. (Michael Moore hatte im Film Fahrenheit 9/11 die Sache auf diese Weise auf den Punkt gebracht)
Von wegen "guter Krieg". In Wirklichkeit betreiben vor allem die Amerikaner auch in Afghanistan das gezielte Toeten von "targets". Dies ist gegen das Voelkerrecht und wird nur von den US und den Israelis betrieben. Dass dies unweigerlich die anderen NATO Laender in die Bredouille bringt ist offenbar. Das betrifft vorallem die BR. Aber so ist es eben wenn man mit Leuten die das Sagen haben (US) Krieg fuehren will. Diese Politik die vorallem ueberproportional unschuldige Afghanen toetet und dadurch die Afghanen immer mehr entruestet wird die NATO in einen Sackgasse fuehren. Das Resultat ist schon vorprogrammiert und wird enden wie das Desastewr der Russen.
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