US-Präsident Barack Obama dämpft seine Kritik an Teheran - er mahnt nicht nur zur Zurückhaltung, er lobt sogar den geistlichen Führer Irans. Obama will nur eines: Dialog.
Barack Obama spricht langsam, wählt seine Worte bedächtig, wann immer er nach den Tumulten in Iran gefragt wird. Und nie vergisst er, seine Anteilnahme und "tiefe Sorge" zu artikulieren über Wahlfälschung, unterdrückte Proteste oder aggressive Staatsgewalt in Teheran. Nur, daraus folgt - nichts. Jedenfalls nichts, was die Vereinigten Staaten tun sollten: "Es ist nicht produktiv angesichts der Geschichte der amerikanisch-iranischen Beziehungen, wenn es so aussieht, als würde sich der US-Präsident in Irans Wahlen einmischen", so der Präsident.
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Barack Obama will nicht angreifen - er will den Dialog. (© Foto: dpa)
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Obama mahnt nicht nur zur Zurückhaltung - er lobt sogar Ayatollah Ali Chamenei, als geistlicher Führer Irans der Exponent des Mullah-Regimes: "Der oberste Führer," so formuliert es Obama auf den Stufen des Weißen Hauses, habe inzwischen "gezeigt, dass er versteht, wie sehr das iranische Volk besorgt ist über die Wahlen."
"Change" eher im Stillen
So leise, so kalmierend klingt jener US-Präsident, der als Kandidat noch vor sechs Monaten seine eigene Nation mit dem Ruf zum Wandel aufwühlte. Und "Change" ist ein Begriff, den die Demonstranten in Teheran täglich zitieren. John McCain jedenfalls, Obamas Gegner im November, platzte am Mittwoch im CNN-Interview der Kragen: "Ich glaube nicht, dass der Präsident genügend Führung zeigt," bemängelte der Republikaner, "Amerika tritt immer für die Freiheit und Menschenrechte ein."
Robert Kagan, ein enger Berater McCains, ging sogar noch einen Schritt weiter: "Obama hat seine Wahl getroffen," schimpft der neokonservative Vordenker in der Washington Post, "er stellt sich auf die Seite des Regimes." Kagan, den Neocon, überrascht das nicht. Er weiß, dass seine (so idealistische wie interventionistische) Außenpolitik-Denkschule mit dem Abgang von Präsident George W. Bush verloren hat in Washington.
Das Ohr des Präsidenten gewonnen haben die sogenannten Realisten: Alte Herren wie etwa Brent Scowcroft, Anfang der neunziger Jahre nationaler Sicherheitsberater unter Bushs Vater. Oder Zbigniew Brzezinski, der noch früher im gleichen Amt Jimmy Carter diente. Amerika, so doziert Brzezinski im Fernsehinterview, solle kühl seine Interessen verfolgen: "Und das heißt, dass sich die Lage in Iran weiter entwickelt. Was wir in den Straßen Teherans sehen, ist der Anfang einer Evolution." Wandel ja, aber eben keine Revolution. Zuviel Unruhe im Nahen Osten, davon ist Brzezinski überzeugt, schadet nur.
Ruhe zur Verhandlung
Vielmehr brauche Amerika "einen friedlichen Rahmen in der Region" - um über Teherans Atomprogramm zu verhandeln, um Irans Nachbarländer Irak und Afghanistan zu stabilisieren. Brzezinski interessiert die kalte, strategische Machtbalance, nicht Irans heißer, blutiger Machtkampf. Der älteste Vertraute des jungen Präsidenten bringt seinen außenpolitischen Rat auf den Punkt: "Zeige Sympathie, mache Mut - aber sei vorsichtig!"
Dieser realpolitischen Linie folgt Obama. Sein Außenministerium mag bei Twitter intervenieren, um Irans Opposition mehr Freiheit im Cyberspace zu schenken. Aber der Präsident gibt sich sehr viel Mühe, den Anschein von Neutralität zu wahren. Dazu geht er sogar auf Distanz zu Mir Hussein Mussawi, dem Wahlverlierer, der für viele Amerikaner gerade zum Helden des Widerstands wird. "Es ist wichtig zu verstehen", so mahnt der Präsident im Interview, "dass der Unterschied zwischen (Präsident Mahmud) Ahmadinedschad und Mussawi hinsichtlich ihrer tatsächlichen Politik nicht so groß sein mag wie es scheint." Was heißt: Obama will mit Iran verhandeln. Mit jedem Iran.
- Aufruhr in Iran Mussawi fordert Freilassung seiner Anhänger 18.06.2009
- Iran Chamenei mahnt zur Ruhe 17.06.2009
- Aufruhr in Iran 140 Zeichen Revolution 17.06.2009
- Iran-Proteste im Netz Grüne Solidarität 17.06.2009
(SZ vom 18.6.2009/vw)
Reiseknigge: Türkei
"Hält er sich zurück, findest du auch wieder nicht gut. "
Sein Stil, sein Auftreten und sein Anblick ist definitiv tausendmal angenehmer als der von Bush. Nur was wird das bringen: nix. Deshalb verfalle ich auch nicht in blinde Jubelarien.
Es gab da mal einen sanften, friedlichen Erdnuss-Farmer. ER war es, der die Mudjaheddin unterstütze BEVOR die UDSSR nach Afghanistan marschierte. Sein Ziel war nichts anderes als Russland ein eigenes Vietnam-Trauma zu bescheren und zu schwächen. Menschenverachtendes Schachspiel mit dem Leben von hundertausenden von unschuldigen Menschenleben gerade durch den sanfen Jimmy Carter.
Man darf sich nichts vormachen. Präsidenten kommen und gehen. Das System ist immer das gleiche.
Obama hält sich Im Iran rhetorisch zurück, ob das seine CIA auch tut, wird die Zeit und vielleicht Seymour Hersh zeigen. In der Zwischenzeit lässt man in den USA die kleinen europäischen Wadenbeisser von der Leine, die ein bisschen rumstänkern sollen. Merkel und Brown sind da immer dafür zu haben.
Wie der Titel des Artikels schon sagt, kann das durchaus auch nur eine " taktische " Zurückhaltung sein. Man weiss es nicht.....
Aber die Möglichkeit besteht...
@U.Te : Net unterkriegen lassen. Ich lese Ihre Comments sehr gerne.
;-)
Mfg
Obama will Dialog. Schön. Und ich gehe davon aus, dass er eine der besseren Schulen besucht hat und weiß, was dia-logos bedeutet. Ob ein Dialog(!) mit nicht-griechisch-humanistischen Gesellschaften möglich sein kann und nicht Inkommensurabilien den Plan vereiteln , mag der Präsident (hoffentlich) wissen. Ich weiß es nicht. Aber ich *glaube* es nicht.
des pakistanischen Militaers und des ISI" Zitat Ende.Lars Norman, Pakistan im Mehrfrontenkrieg Blaetter...6/09
Zumindest die Pakistanische Regierung und Ihr Geheimdienst hat ein starkes Interesse die Taliban weiter
zu nutzen und gegen Indien in Stellung zu bringen.
Ein sehr merkwuerdiges Phaenomen finden Sie - lieber Moderatot - das nicht auch?
Uebrigen nicht das erste mal.
Zu ihrem Kommentar.
Das Sie so viel rot bekommen zeigt das hier politsches Wunschdenken vorherrscht.
Natuerlich will Obama verhandeln damit er hinterher sagen kann ich habe alles versucht wenn er die ersten Bomben fallen. Die Unterstuetzung der Bundesregierung
ist Ihm sicher .Und weite Teile der deutschen Bevoelkerung werden mental schon
mal auf den Iran Krieg vorbereitet .
So ein Lapsus wie beim Irak Krieg will man diesmal vermeiden.
Paging