Die Stimmung könnte kippen, sagen Meinungsforscher. Obamas Rückhalt in der Bevölkerung bröckelt. Auf dem Minenfeld der Gesundheitspolitik wird sich entscheiden, ob Obama ein großer Präsident wird.

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Nun sieht es die amerikanische Verfassung zum Verdruss des Weißen Hauses vor, dass nicht der Präsident dem Kongress das Gesetz vorlegt, sondern umgekehrt.

Und so rangeln Abgeordnete und Senatoren seit Wochen darüber, wo gespart und wer besteuert werden soll, anstatt Obamas Masterplan abzunicken. Konservative Demokraten wollen die Beschlüsse ihrer liberalen Parteifreunde nicht mittragen. Die Republikaner wittern ihre Chance.

Das ist der Grund, warum Obama an diesem Abend sein Volk fixiert, gelassen und doch bestimmt. Die Wähler sollen den bockigen Senatoren und Abgeordneten Beine machen. Das Problem: Viele Amerikaner fürchten, dass eine Gesundheitsreform ihnen nichts anderes bringt als hohe Steuern. 90 Prozent derer, die bei Wahlen ihre Stimme abgeben, sind bereits versichert.

"Der Stillstand ist der Standardmodus"

Mit der Angst vor neuen Belastungen spielen die Republikaner. Obama versuchen sie als politischen Steuersünder zu definieren, als einen typischen Liberalen amerikanischer Prägung, der das Land mit mehr Bürokratie und Abgaben stranguliert. So will die Opposition die Revolution of '94 wiederholen und Obama mit dem Fluch des frühen Scheiterns belegen.

Und daraus wiederum erklärt sich die Strategie, die der Präsident an diesem Abend wählt. Er will der Mittelschicht klarmachen, dass es ihr Geld ist, das im Status quo verschwendet wird. Es ist ein Konter zur besten Sendezeit. Die Pläne des Weißen Hauses sind nicht nur inhaltlich, sondern auch zeitlich ehrgeizig. Im August soll die Reform stehen.

Gestern Abend begründete Obama sein Drängen. "Ohne Deadlines", sagt er, "wird nichts erreicht in dieser Stadt. Der Stillstand ist der Standardmodus."

Ein Präsident, der das Wörtchen "Wandel" zur obersten Handlungsmaxime erklärt hat, kann das nicht akzeptieren. Und so wird Obama seine Werbetour fortsetzen. Noch heute will er in Cleveland eine Musterklinik besuchen, in der Patienten bekommen, was sie brauchen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ganz so, wie der Präsident es wünscht.

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  1. Konter zur besten Sendezeit
  2. Sie lesen jetzt Die Republikaner wittern ihre Chance
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(sueddeutsche.de/af/odg/gba)