Minenfeld Gesundheitspolitik: US-Präsident Obama will wortreich seine Reform verkaufen. Er wendet sich direkt an das Volk - und packt es bei seiner Konsumenten-Ehre.
Über einen roten Teppich schreitet der Präsident an sein Podium. In gewohnter Kulisse bleibt er stehen. Zu seiner Rechten das Sternenbanner, zu seiner Linken die Präsidentenflagge, zu seinen Füßen die Hauptstadtjournalisten. Auch sie sind Zierwerk. An diesem Abend, an dem Barack Obama seine Gesundheitsreform verkaufen will, braucht er keine Medien. Er wendet sich direkt an sein Volk.
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Hinter ihm das Sternenbanner, die Hauptstadtjournalisten sein Publikum: US-Präsident Obama will seine Gesundheitsreform verkaufen. (© Foto: AP)
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Obama fixiert die Amerikaner durch die Kameras - und packt sie bei ihrer Konsumenten-Ehre. "Warum wollen wir für etwas bezahlen, das nicht funktioniert?", fragt er und setzt nach: "Wenn wir herausfinden würden, dass unser Nachbar das gleiche Auto wie wir für 6000 Dollar weniger bekommen hat, würden wir doch wissen wollen, wie er das gemacht hat."
47 Millionen US-Bürger sind nicht versichert
Wahrscheinlich schon, könnte man meinen. Doch Amerika verdrängt sein dringendstes Finanzproblem: Die stetig anschwellenden Kosten für den Gesundheitsschutz, die das ohnehin schon hochverschuldete Land in den Ruin treiben. Langsam, aber sicher. Keiner, der die Grundrechenarten beherrscht, bestreitet das. Und obwohl die USA mehr für ihr Gesundheitssystem ausgeben als jedes andere Land der Welt, haben sie keine gesündere Bevölkerung. Im Gegenteil.
Ein Sechstel ihres Volkseinkommen geben die Amerikaner für ihre Gesundheit aus, pro Einwohner 15.000 Dollar jährlich, doppelt so viel wie vor zwei Jahrzehnten und 6500 Dollar mehr als andere Industriestaaten. Dennoch sind 47 Millionen US-Bürger nicht versichert. Krankheiten und Unfälle bedeuten für viele von ihnen die Privatinsolvenz. Kurz: Das amerikanische Gesundheitssystem ist ein Musterfall verschwenderischer Ausgaben.
Obama will das ändern. Er will die Kosten zügeln und den Unversicherten einen bezahlbaren Gesundheitsschutz anbieten. Zwei Drittel der Reform sollen mit Einsparungen und Effizienzgewinnen finanziert werden, ein Drittel mit der Reduzierung der steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten für die Oberschicht.
Die Stimmung könnte kippen
Schon einmal wurde ein demokratischer Präsident ins Weiße Haus gewählt, der versprochen hatte, das Gesundheitssystem zu reformieren. Keine 20 Jahre ist das her. Auch er war jung, beliebt und rhetorisch brillant: Bill Clinton. Doch Clintons Reform fiel chaotischer Planung und parteipolitischen Scharmützeln zum Opfer.
Sein frühes Scheitern wurde zum Fluch für seine Präsidentschaft und ebnete den Weg für den Siegeszug der Opposition im Kongress, den ihr erzkonservativer Anführer Newt Gingrich zum Anlass nahm, 1994 die Republikanische Revolution auszurufen. Wiederholt sich nun die Geschichte?
Im Wahlkampf schien Obama politisch unverwundbar zu sein. Selbst die Hasstiraden seines Pastors gegen das weiße Establishment beschädigten ihn nicht. Doch nun, nach einem halben Jahr im Amt, ist Obama angreifbar geworden. Die Wirtschaft liegt am Boden, die Arbeitslosigkeit steigt - trotz des 787 Milliarden Dollar teuren Konjunkturpakets seiner Regierung.
Und die Wall Street? Sie feiert wieder. Allein die Investmentbank Goldman Sachs hat in der ersten Jahreshälfte mehr als elf Milliarden Dollar für Bonuszahlungen zurückgelegt, keine zehn Monate, nachdem sie von der Notenbank und dem Finanzministerium vor dem Kollaps gerettet werden musste. Dem Rest des Landes stößt die Champagnerlaune in Manhattan übel auf.
Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr über die Strategie der Republikaner.
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Sinti und Roma als Nachbarn? Bloß nicht, sagen zwei von drei Deutschen. Über Menschen, die im eigenen Land Fremde sind. Seite Drei. Jetzt lesen ...
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...gibt es für alle Nicht-Versicherten in den USA (auch für die, die als illegale Einwanderer Null Steuern zahlen) in jeder Ambulanz eines jeden Krankenhauses. Dort dürfen sie nicht abgewiesen werden, auch nicht, wenn es sich nicht um dringende Notfälle handelt.Ich nehme an, daß die hierfür entstehenden Kosten (zumindest für eine Grundversorgung) in die im obigen Artikel angegebenen Zahlen hineingerechnet wurden.Und in diesem Falle erklärt sich die Ineffizienz des Systems schon viel besser. Denn viele Amerikaner meinen, sie könnten sich die Kosten für Versicherung sparen, wenn sie bei Bedarf ins nächste Krankenhaus gehen können,ohne einen Cent zu bezahlen.Nicht so in DE. Als ich in einem Notfall einmal (in DE nicht versichert) in einer Münchner Klinik auftauchte, ging gar nichts - erst nach Vorauskasse in Bar war man geneigt, sich mir zu widmen.So macht man natürlich das deutsche Gesundheitswesen effizienter.
"Der Stilstannt isst der Standartmooduß"
dann ist er tatsächlich einer der großen Präsidenten, da er dann den USAmehr soziale Verantwortung und menschlichkeit gebracht haben wird.
von 1,5 Billionen Dollar (1,5 US-trillion) ist das Musterbeispiel eines lobbyverseuchten kapitalistischen Riesenmarktes. Diesen Krieg verliert Obama sicherer als den Afghanistankrieg.
Die Lobbyisten werden mit dicken Brieftaschen die konservativen Abgeordneten und Senatoren der Demokraten solange bearbeiten, bis die Vorschläge von Obama, wie einst jene von Clinton im Orkus landen.
Wennschondennschon, oder Wiesonichtgleich:
"Der Stilstant ist der Standartmoduß"
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