Gaza brennt, Israels Bomben töten täglich, doch der gewählte US-Präsident schweigt: Barack Obama duckt sich auf internationaler Ebene weg.
Die Welt muss warten. 17 lange Tage noch wird der Globus abgespeist mit der Formel, dass Amerika "zu jeder Zeit nur einen Präsidenten" hat. Das ist Barack Obamas schrecklich korrekte und strikt verfassungstreue Art zu sagen: Sorry, nicht zuständig.
(© Foto: AFP)
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Zwar feilt der künftige Präsident, weil innenpolitisch attraktiv, seit Wochen daheim an seinem Image als Erlöser, indem er persönlich jeden Spiegelstrich eines Milliardenprogramms zur Wiederbelebung der darbenden US-Wirtschaft editiert. Aber auf internationaler Ebene duckt sich Obama weg.
Gaza brennt, Israels Bomben töten täglich. Doch Anspruch auf "Change" darf die Außenwelt erst anmelden ab dem 20. Januar 2009, Punkt zwölf Uhr mittags Washingtoner Zeit. Israelis und Palästinenser - bitte hinten anstellen! Der Wandel kommt später.
Vielleicht, und wenn überhaupt. Welchen Kurs Barack Obama im Nahen Osten genau einschlagen wird, das weiß Amerikas 44. Präsident wahrscheinlich selbst noch nicht. Nur, eine radikale Abkehr von der Linie des George W. Bush wird es kaum sein.
Denn die Vereinigten Staaten schauen anders auf den Nahen Osten als Europa. Die sehr einseitige Sympathie für Israel ist nicht nur eine strategische Perspektive der Supermacht - sie ist zugleich Amerikas tief empfundene, sehr populäre Herzenssache.
Obama hat dies, klar und fundamental, bereits artikuliert, als er im vorigen Sommer zu Besuch in Israel erklärte, auch er würde "alles in meiner Macht" tun, um sein Heim und seine beiden Töchter vor dem hinterhältigen Beschuss mit Hamas-Raketen zu schützen. Heute liest sich die Bemerkung wie ein Freibrief für Israels Luftangriffe.
Der Wandel muss in Gaza beginnen
Nur, wie weiter? Washingtons Noch-Regierung unter Bush mutet dem israelischen Verbündeten bisher nicht einmal den öffentlichen Rat zu, auf eine weitere Eskalation per Bodenoffensive zu verzichten.
Und Obama hält sich, samt aller Berater, an sein konstitutionelles Schweigegelübde. Nur streng vertraulich fordert Washington von Jerusalem Zurückhaltung - was am Ende zu wenig sein könnte, um Israels Panzer zu stoppen.
Zugleich ruft das aktuelle Vakuum in Washington in Erinnerung, was die Welt in mindestens sieben der vergangenen acht Jahre erleben musste: Dass Amerikas Regierung nicht eingreifen wollte in den alten Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern, dass die Supermacht schlicht ihre Verantwortung für den Frieden leugnete.
Und dass, obendrein, der scheidende Präsident glaubte, er könne die geschundene Region besser und billiger durch noch einen Krieg im Irak zu seinem Wohlgefallen ordnen.
Hier, am Ende dieses Irrwegs, wollte Obama eine neue Politik beginnen. Sein Wandel in Nahost sollte mit dem US-Abzug aus dem Irak beginnen, und in Gesprächen mit dem Feind namens Iran.
Die Wirklichkeit hat diese Strategie auf den Kopf gestellt: Der Wandel in Nahost muss mit Gaza anfangen - und das wird ganz Amerika zurückholen in eine Region, die Obamas Vorgänger nie begriff.
Die Nuba: Leni Riefenstahls Bilder machten sie einst bekannt. Heute sucht das Volk aus Sudan Schutz in Höhlen und Felsspalten – vor den Bomben des Regimes in Khartum. Ein Frontbericht. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(SZ vom 3.1.2009/odg)
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dass die Israelis genau diese Situation abgepasst haben , um unter dem " Sorglosschutzschirm" der Bush-Administration der letzten Tage ihren Terrorkrieg zu starten.
Sie müssen jetzt bis zum 20. blutige Fakten schaffen. Der Krieg wird am 19. eingestellt, um die Feierlichkeiten nicht zu stören. Sind halt feine Leute die von der IDF.
"Grosses Kompliment, Christian Wernicke, für diesen Kommentar, der sich sehr positiv von dem oberflächlichen, regierungs-gesteuerten Gequatsche der allermeisten anderen deutschen Kommentare zum Drama in Gaza und dem israelischen Kriegsverbrechen abhebt."
Da kann ich nur zustimmen. Wenn sich unser Herr Kanzler über ihren Pressesprecher mitteilen lässt, dass die Hamas die alleinige Schuld an dieser Eskalation trägt, dann zeigt dies wieder einmal wie weit sichtig unser Kanzler handelt (egal ob außen- oder innenpolitisch). Eben nur bis zum 27. September 2009
Dieser Konflikt kann ohne die USA nicht gelöst werden. Warum nur wurde bei jeder Verurteilung Israels durch die UN ein Veto der USA eingelegt?
Groß ist nicht das herzliche, jedoch viel mehr das wirtschaftliche Interesse der USA das Feuer in diesem Krisenherd niemals ausgehen zu lassen.
Und eine Merkel soll sich bitte wieder hinlegen. Es ist nichts schlimmes passiert......
Bravo, Herr Wernicke!
Der beste Kommentar, den ich bis jetzt von Ihnen las. Könnte das der Auftakt sein zur Wiederbelebung der unabhängigen Berichterstattung, an die wir "SZ-Leser aus uralten Zeiten" gewohnt waren - als die SZ tatsächlich noch ein weites Meinungsspektrum bot?
Ein anderer Kommentator schrieb in einem anderen Diskussionsstrang von Obama und der heißen Kartoffel, die er an den Noch-Präsidenten Bush weiterreiche, wo Obama doch zu sonst allen anderen Themen als Noch-Nicht-Präsident bereits beredt Stellung nähme...
Der Noch-Nicht-in-allen-Bereichen-Zuständige ist aber wohl noch beschäftigt, seinen Heiligenschein zu polieren...Und ich gebe dem Vor-Kommentator rolfschmidt recht, wenn er darauf hinweist, daß Obama mit dem Beraterstab, den er hat (Axelrod, Rahm Emanuel, etc.) wohl keine unabhängige Israel-Politik machen wird. Darauf wies schon hin, daß er während seines Wahlkampfes entgegen allen UN-Resolutionen Jerusalem als die Hauptstadt Israels bezeichnete. So heizt man einen Konflikt an (anstatt ihn zu lösen) das nenne ich Öl ins Feuer der Gegenseite gießen!
Nur in einem Punkt möchte ich Ihnen widersprechen, wenn Sie sagen, die (einseitige) Unterstützung Israels durch die USA sei eine Herzensangelegenheit des amerikanischen Volkes. Dem ist nicht so. Lesen Sie mal in den Blogs angesehener amerikanischer Zeitungen mit, zum Beispiel der NYT. Daß sich die USA so einseitig hinter die USA stellen, hat gewiß eher mit falsch verstandenem nationalem Eigeninteresse als auch mit der Macht der I.sra.el-L-ob-by hier im Lande zu tun. Aber zunehmend wird auch hier die Frage von unabhängigen Journalisten ÖFFENTLICH gestellt, ob es sich die USA noch weiterhin leisten sollten/könnten, NICHT ein ehrlicher Makler (honest broker) im Nahen Osten zu sein. Und Obama habe jetzt a very small window of opportunity.
Obamas Schweigen ist vielmehr eine deutliche Aussage. Sie sagt hierzu ; "no change!"
Grosses Kompliment, Christian Wernicke, für diesen Kommentar, der sich sehr positiv von dem oberflächlichen, regierungs-gesteuerten Gequatsche der allermeisten anderen deutschen Kommentare zum Drama in Gaza und dem israelischen Kriegsverbrechen abhebt.
Barak Obama`s "CHANGE" wird, das muss man jetzt aus seinem Schwigen zu den Vorgängen in NO leider schliessen, NICHTS daran ändern oder wenigstens zu ändern versuchen, was die Regierungen Israels und deren Unterstützer besonders in den USA in NO machen, auch wenn es Kriegsverbrechen sind!
Dass bis zu diesem Moment weder ein Sprecher Obama`s noch the President elect HIMSELF auch nur ein Sterbenswörtchen zum israelischen Kriegsverbrechen gesagt hat, bestätigt die allerschlimmsten Befürchtungen unmittelbar nach der Ernennung eines Rahm Emanuel zum Stabschef und verschiedener anderer neuer Minister und Berater: No CHANGE der US-Politik gegenüber Israel, egal was die gerade so anstellen.
Jetzt, noch kurz vor dem 20. Januar, erwarte ich auch noch den israelischen Angriff auf den IRAN, wodurch für die USA "der Bündnisfall" einträte.
Dann hätten nicht nur wir, die Gegener der Politik Israels, "den Salat", sondern Israel und dessen westliche Satelliten!
Aber OHNE ein derart dramatisches Ereignis und dessen sehr, sehr weit reichende Folgen werden weder die Dummen klug noch die Falken Ruhe geben!