Von Stefan Kornelius

Auswahlkriterien wie in der Bush-Zeit: Mit Phil Murphy will US-Präsident Obama einen Gönner mit dem Diplomatenposten in Berlin belohnen - selbst in seinem direkten Umfeld stößt er damit auf Unmut.

Wenn es eine Weltrangliste der wertvollsten Verbündeten aus Sicht von US-Präsident Barack Obama gibt, dann stehen Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Japan an oberster Stelle. Wertvoll deshalb, weil Obama die Botschafterposten in diesen Ländern mit Männern besetzen will, die sich vor allem durch ihre finanzielle Großzügigkeit und ihre Fähigkeit beim Spendensammeln im Wahlkampf hervorgetan haben.

US-Präsident Obama, AFP

Nicht nur aus Hillary Clintons Außenministerium wird Kritik an der Besetzungspolitik von US-Präsident Obama laut. (© Foto: AFP)

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Der Kandidat für Frankreich schaffte 883.000 Dollar herbei, nach Großbritannien kommt man mit 735.000 Dollar, Deutschland ist für 627.000 zu haben und Japan für 545.000.

Was der Präsident seinen Gönnern versprochen hat, stößt selbst in seinem direkten Umfeld auf Kritik. Obama hatte einst in Aussicht gestellt, Amerikas Vertreter im Ausland nach Qualifikation und diplomatischen Fähigkeiten auszuwählen. Zumindest die Landessprache sollten die Botschafter ein wenig beherrschen.

Berlin-Besetzung wird zum Politikum

Jetzt aber fällt Obama bei seinen Auswahlkriterien in die Bush-Zeit zurück. Die Botschafter-Nominierung für Paris, London und Japan wurde bereits verkündet, und immer handelte es sich um die Top-Spendensammler aus dem Wahlkampf. Charles Rivkin etwa, nominiert für Paris, kommt aus der Unterhaltungsindustrie und dem Finanzgewerbe. Louis Susman, eingeplant für das Palastleben in London, war Vizechef der Citigroup.

Auffällig ist nur eine Lücke auf der Nominierungsliste: Berlin. Seit Wochen wird für den Botschafterposten in Deutschland Phil Murphy gehandelt, ein ehemaliger Banker von Goldman Sachs und zuständig für die Finanzen der Demokratischen Partei während des Wahlkampfes. Allein: Murphys Name tauchte bisher auf keiner Liste auf, die vom Weißen Haus veröffentlicht wurde. Nachdem alle wichtigen Plätze zugeteilt sind, entwickelt sich die Berlin-Besetzung zum Politikum.

Für die Zögerlichkeit gibt es gleich mehrere Gründe. Aus Hillary Clintons Außenministerium wird heftiger Unmut über die Besetzungspolitik des Präsidenten geäußert. Jim Steinberg, Clintons Stellvertreter und eigentlich zuständig für die Besetzungslisten, konnte sich vor allem in Tokio nicht durchsetzen, wo der renommierte Harvard-Professor und ausgewiesene Japan-Kenner Joseph Nye den Kürzeren zog gegen den weitgehend unbekannten Anwalt John Roos. Nye wurde gar beschädigt, weil man zuließ, dass sein Name so lange unwidersprochen gehandelt wurde.

Komplexe Finanzen

Auch in der Bundesregierung wird still gestöhnt, wenn das Gespräch auf einen neuerlichen Polit-Novizen kommt. Der gerade abgezogene Botschafter und Industrielle William Timken fiel in den schwierigen Bush-Jahren als Brückenbauer komplett aus. Phil Murphy, dem die Washington Post Nähe zur "Goldman-Sachs-Mafia" im US-Finanzministerium nachsagt, ist in politischen Kreisen genauso unbekannt. Angeblich war die Besetzung gar Thema bei Kanzlerin Angela Merkels Besuch in Washington.

Der wichtigste Grund für den zähen Nominierungsprozess scheint aber wieder mal mit dem Geld zu tun zu haben. Murphy, selbst mehrfacher Millionär, muss sich eine penible Durchleuchtung seiner Finanzen und Steuerzahlungen gefallen lassen. Obama hat schon zu viele potentielle Mitarbeiter verloren, weil kurz vor der Bestätigung im Senat Unregelmäßigkeiten aufgetaucht waren.

Murphys Finanzen seien sehr komplex, heißt es im Umfeld von Hillary Clintons Außenministerium nicht ohne Schadenfreude.

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(SZ vom 03.07.2009/af)