Von Sophie und Marcel Burkhardt, Miami

Florida hat seinem Ruf als größter Swing State der USA alle Ehre gemacht. Barack Obama konnte auch deshalb triumphieren, weil er die Hispano-Amerikaner überzeugen konnte.

Eigentlich müsste Lisbeth Rodriguez Republikanerin sein. Vor zwei Jahren kam sie aus Kuba nach Miami. Die heute 19-Jährige floh vor der Armut und der Repression, die auch ihre Familie zu spüren bekam.

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Freudentänze nach Obamas Wahlsieg: Lisbeth Rodriguez (© Foto: buma)

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Mit den Stimmen von Exilkubanern wie ihr können die Republikaner in Florida seit Jahrzehnten rechnen. Denn sie fordern eine Politik der harten Hand, die das verhasste Castro-Regime zu Fall bringen soll.

Doch als Lisbeth Rodriguez vom Wahlsieg Obamas erfährt, tanzt sie durch die Straßen von Little Havanna in Miami und schwenkt eine kubanische Fahne. "Anders als die Alten habe ich keine Angst vor Wandel", sagt sie.

"50 Jahre US-Embargo gegen Kuba haben nichts gebracht. Es leiden nur die einfachen Menschen. Ich hoffe, dass ihnen Obama helfen kann."

Im Wahlkampf versprach Barack Obama, die Kubaner zu unterstützen. Die Regierung Bush hatte in den Jahren 2003 und 2004 die Restriktionen verschärft.

Obama würde vielleicht sogar Castro treffen

So dürfen Exilkubaner ihre Verwandten auf der Karibikinsel nur mit maximal 300 Dollar pro Quartal unterstützen und alle drei Jahre besuchen.

Obama möchte diese Regelungen wieder rückgängig machen und sich vielleicht sogar mit Staatschef Raúl Castro treffen.

Das ist auch möglich, weil die Hardliner unter den Exilkubanern immer älter werden und die Jungen offener sind. Die New York Times spricht in diesem Zusammenhang schon von einem "Cuban-American-Glasnost".

Die Kampagnenmacher Obamas haben diese Wandelstimmung in Florida erkannt und besonders viel Energie in den Wahlkampf dort gesetzt. In TV-Werbespots sprach der Demokrat die Latinos auf Spanisch an, erklärte ihnen ausführlich sein Programm und seinen Lebenslauf. Über 39 Millionen Dollar hat Obama in Florida ausgegeben - mehr als in jedem anderen Staat.

Die Wahlkämpfer nahmen speziell junge Exilkubaner ins Visier: Sie gingen davon aus, dass für diese dieselben Probleme relevant sind, wie für andere junge Hispano-Amerikaner: Bildung, Arbeit, Gesundheit und soziale Sicherheit.

"Obama spaltet die Menschen nicht, er eint sie"

Mit diesen Themen haben die Demokraten zum ersten Mal die hispano-amerikanischen Wähler Floridas überzeugen können. Der Umschwung in Florida ist also zu einem bedeutenden Teil diesen Wählern zu verdanken: Nach ersten Wahlumfragen stimmten 52 Prozent der Latinos dort für Obama, nur 42 für McCain.

Die aktuelle Wirtschaftskrise betrifft die oft armen Hispano-Amerikaner besonders. Gerade in Florida ist die Situation problematisch: Die Arbeitslosigkeit liegt bei 6,5 Prozent und damit über dem Landesdurchschnitt. Es werden Stellen abgebaut. Bei der Zwangsversteigerung von Immobilien steht Florida landesweit an zweiter Stelle.

Wähler wie Oscar Rodriguez, 23, einen aus Puerto Rico stammenden Techniker, beschäftigt das: "Ich hoffe auf mehr Gerechtigkeit für unsere Gesellschaft", sagt er, "Mehr Schutz für die hart arbeitenden Menschen. Auch wenn sie krank werden." Deshalb hat er Obama gewählt.

Doch nicht nur die Gesundheitspolitik der Republikaner bewerten die Hispano-Amerikaner negativ. 80 Prozent der Latinos in Florida sind Umfragen zufolge enttäuscht von Bushs Wirtschaftspolitik.

Obama-Wähler Eduardo Guerro, der aus Ecuador stammt, sieht auch einen Zusammenhang zwischen Bushs Wirtschaftspolitik und seiner Außenpolitik: "Die Kriege in Afghanistan und im Irak ruinieren uns. Wir haben die Nase voll von Bumm-Bumm-Bush. McCain ist wie Bush - im Herzen ein Krieger. Deshalb sind wir für Obama. Er macht Schluss mit dem Hass."

Auf die versöhnende Kraft Obamas hofft auch der Exilkubaner Jésus Chamben Ramirez: "Obama macht keinen Unterschied zwischen Weißen, Schwarzen, Asiaten und Latinos. Er spaltet die Menschen nicht, er eint sie."

Diskriminierung ist eben nicht nur für die Schwarzen ein Thema, die in Florida zu 96 Prozent Obama gewählt haben, sondern auch für die Hispano-Amerikaner.

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(sueddeutsche.de/odg)