Obama hat sich durch sein Schweigen nach dem vereitelten Attentat angreifbar gemacht. Dies war unnötig - die Lücken im Antiterrorsystem stammen aus Bushs Zeiten.
Drei Tage hat Präsident Obama nach dem vereitelten Terroranschlag auf den Northwestflug 253 gezögert, ehe er die amerikanische Öffentlichkeit zu beruhigen suchte. Das war eindeutig zu lang. Eine im Zeitalter der medialen Dauerberieselung leicht zu verunsichernde Nation braucht schlicht die Versicherung ihres Vormannes, dass er die Lage im Griff hat. Dieses legitime Bedürfnis haben Obama und seine Berater unterschätzt. Verheerend war auch der Reflex seiner Heimatschutzministerin, ein Sicherheitssystem zu loben, obwohl es doch offenkundig nicht funktioniert hatte.
Barack Obama auf Hawaii. (© Foto: AFP)
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Das alles hat zur Folge, dass sich diese Administration vorführen lässt bei einem hochsensiblen Thema, das begreiflicherweise die Amerikaner besonders beschäftigt: dem Schutz vor dem Terror. Das ist ganz und gar unnötig. Denn Obama hat existierende Sicherheitsvorkehrungen nicht eingeschränkt oder den eingespielten Umgang mit Anti-Terror-Dateien verändert. Das System, dessen Schwächen jetzt offenbar wurden, hat die Vorgängerregierung installiert. So unbefriedigend es auch ist: Es bedarf solcher Pannen und verhinderten Katastrophen, um Lücken im Netz zu schließen.
Ärgerlich ist indes, dass die eigentlich lobenswerte Ruhe im Umgang mit der Terrorgefahr nun den Präsidenten und die Regierung angreifbar machen. Sein Vorgänger hatte die Angst der Amerikaner vor Anschlägen immer wieder gezielt und unnötig geschürt. Das hat Obama bewusst vermieden. Doch nun muss er sich des falschen, aber von der republikanischen Opposition verständlicherweise geschürten Eindrucks erwehren, dass er zu lax im Kampf gegen den Terror sei. Schlechter konnte Obama in der Angelegenheit kaum aussehen.
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(SZ vom 30.12.2009/mati)
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Von Kommentatoren der SZ hatte man eigentlich erwartet, dass sie sich nicht Methoden hirnloser Populärkritik befleissigen. Wenn einer mal erst überlegt, bevor er den Mund aufmacht "sieht er schlecht aus" - wenn einer sofort in alle Richtungen schießt (Guttenberg) natürlich auch. Politikverdrossenheit kann man auch herbeischreiben. Presse hatte mal ein Ethos und nahm Verantwortung war. Das ist lange her.
Jeden, aber auch jeden Fehler des fehlerfreien Herrn O wegzureden und wegzuschreiben und dies den Republikanern in die Schuhe zu schieben, die wahrlich an vielem schuld sind, aber nicht mehr an allem...Sie sind nicht schuld an den dümmlichen Einlassungen von Janet Napolitano (Secretary of Homeland Security) kurz nach dem Ereignis auf dem Kanal ABC, alle Sicherheitsvorkehrungen hätten bestens funktioniert (als man der Nation zu diesem Zeitpunkt noch einen Bären aufbinden wollte, was dann angesichts der Tatsachen auf Dauer nicht möglich war dank der sehr guten investigativen Presse hier). Der kürzliche Hinweis des Vaters des nigerianischen Terroristen fiel in Obamas Zeit. Der Flug des Terroristen fand vor ein paar Tagen statt, ein Flug, den zum Beispiel ich als Otto Normalverbraucher, der zudem nicht durch einen nahen Verwandten auffällig gemacht worden bin, wohl nie völlig ungecheckt und ohne Sicherheits-Sonderbehandlung hätte antreten dürfen: ohne Gepäck, mit einem Einwegticket, das in bar bezahlt worden war.Und noch eins, Herr Klüver: Die Reps sind in der Opposition, und die Opposition weist auf Schwächen der Regierung hin, so wie das in jeder Demokratie üblich ist. Aber Opposition gegen Herrn O. scheint ja, wie aus den diversen, völlig einseitigen Verlautbarungen in der SZ zu schließen ist, so etwas wie Majestätsbeleidigung zu sein.Wo bleibt Ihre journalistische Objektivität, Herr Klüver?
Herr Klüver schrieb:
*Doch nun muss er sich des falschen, aber von der republikanischen Opposition verständlicherweise geschürten Eindrucks erwehren, dass er zu lax im Kampf gegen den Terror sei.*
Zuviel Verständnis für Falsches, Herr Klüver.
Ich finde, Obamas Warten war ANGEMESSEN. Und dass er die Geheimdienste kritisiert - ich setze voraus, er meint es ernst - ist nicht das Schlechteste. Dass die Republikaner herumblöken, sollte ihn nicht weiter stören. Man sollte sie nur mal kurz an das Krisenmanagement der Bush-Männer erinnern, als ihr Herr und Meister eine Ziegengeschichte vorlas und partout nicht aus dem Klassenzimmer zu bringen war, um sich um God's own country zu kümmern.
Sorry, Herr Klüver, aber Ihr Kommentar ist nicht durchdacht.
Einerseits loben Sie "die Ruhe des Präsidenten im Umgang mit der Terrorgefahr", andererseits konnte er nach Ihrer Darstellung kaum schlechter aussehen.
Sie spielen das Spiel der republikanischen Kriegstreiber, der CIA, der - vermutlich - NSA und anderer dunkler Gestalten, indem Sie eine sofortige Reaktion als (für diese) richtig bezeichnen, obwohl sie nach Ihren eigenen Worten vor dem Hintergrund der gebotenen Ruhe (und Gelassenheit) im Umgang mit terroristisch-motivierten Gewalttaten gerade falsch gewesen wäre.
Sie geben damit freiwillig die Meinungsführerschaft an gerade diejenigen ab, deren Meinungsführerschaft sie nicht wollen. Das kann nicht in Ihrem Sinne sein.
Seit dem mittlerweile sagenhaften 11.September herrscht in den USA eine Hysterie, die in keinem Verhältnis zur realen Bedrohung steht. Obama mag der Opposition wider Willen eine Vorlage geboten haben, als er sich nicht gleich unter dem Weihnachtsbaum aufregte über einige Gramm Chemikalien in der Unterhose eines durchgeknallten nigerianischen Banker-Söhnchens. Wie SVENSK zutreffend bemerkt: Amerikas Bedrohungen sind hausgemacht: Armut, Kriminalität, marodes Gesundheitssystem usw., Aber es fällt natürlich leichter, eine Nation gegen einen (schlimm geredeten) Feind von aussen zu mobilisieren, als sich an die Lösung der Probleme im Inneren zu machen. Das Obama sich von dieser hinterhältigen Strategie seines Vorgängers zu lösen versucht, ist ehrenwert. Vermutlich wird es ihm aber schliesslich das Amt kosten, wenn nicht schlimmeres.
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