Von Michael König

Die Supermacht USA hat eine Schwachstelle: das Internet. Die Regierung Obama will nun offenbar Lücken schließen - mit einer neuen Militäreinheit.

Um den Ruf des 300 Milliarden teuren Prestigeprojekts zu retten, probierte es Lockheed Martin mit einem Dementi: Einen Diebstahl geheimer Daten des neuen US-Kampfflugzeugs F-35 Lightning II habe es nie geben, ließ der amerikanische Rüstungskonzern mitteilen. Der trockene Kommentar des Wall Street Journal (WSJ): Dass die Daten als geheim eingestuft gewesen seien, habe man nicht behauptet.

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US-Präsident Barack Obama ist ein Freund digitaler Technik - jetzt will er seine Regierung besser vor Computerhackern schützen. (© Foto: AP)

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Wertvoll dürften sie allemal gewesen sein - hat der Fall in den USA doch eine Debatte um die nationale Sicherheit ausgelöst. Laut einem Bericht des WSJ vom vergangenen Dienstag war es Hackern aus China gelungen, illegal auf Server des Verteidigungsministeriums zuzugreifen und Daten des Düsenjägers F-35 zu stehlen. Das Flugzeug soll in den kommenden Jahrzehnten die Allzweckwaffe der Luftstreitkräfte sein und ins Ausland exportiert werden. Laut Militärexperten könnte es den Chinesen nun möglich sein, anhand der erbeuteten Daten wirksame Abwehrmaßnahmen zu entwickeln.

Auf einer Stufe mit Atomwaffen

Obwohl Sprecher des Pentagons verneinten, Kenntnis von dem Fall zu haben, scheint Washington nun verstärkt auf die Bedrohung aus dem Internet reagieren zu wollen. Nach Informationen des Wall Street Journal wird die Regierung in den kommenden Wochen ein neues Militärkommando präsentieren, dessen Aufgabe der Schutz der Computernetzwerke des Pentagons ist.

Präsident Barack Obama hatte bereits im Wahlkampf angekündigt, die Sicherheit im Cyberspace zu einem Thema von nationaler Bedeutung zu machen - es stehe auf einer Stufe mit der Bedrohung durch biologische und nukleare Waffen. Schon unter Obamas Vorgänger George W. Bush war ein "Cyber-Kommando" diskutiert worden.

Ein General als Favorit

Die Leitung der neuen Abteilung soll offenbar ein ranghoher General übernehmen. Als Favorit gilt nach Angaben des WSJ Keith Alexander, Direktor des Geheimdienstes NSA, der weltweit mit der Überwachung und Entschlüsslung elektronischer Kommunikation betraut ist.

Auf einer Cyber-Sicherheits-Konferenz in San Francisco hatte der General am Dienstag eine Teamstrategie gefordert: Die NSA sollte demnach für die Netzwerke von Militär und Geheimdiensten Sorge tragen, das Heimatschutzministerium andere Regierungseinrichtungen vor Hackern bewahren.

Kritische Stimmen in Washington sollen hingegen vor einer zu starken Rolle der NSA gewarnt haben, berichtete das WSJ: "Demokratische Prozesse" könnten dadurch gefährdet werden.

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(sueddeutsche.de/bica)