Mit dem Haushaltsentwurf für 2013 erhält Obamas Präsidentschaft eine tragische Komponente. Viele seiner Pläne wären ja richtig, sie haben im Repräsentantenhaus jedoch nicht den Hauch einer Chance. Amerika hat vier Jahre verloren - und Obama liefert mit seinem Budgetplan vor allem Munition für ideologische Schlachten.
Das Amt prägt seinen Inhaber. Selten konnte man dies so gut beobachten wie bei Barack Obama während der bisherigen drei Jahre seiner Präsidentschaft. Der Mann, der einst antrat mit dem Versprechen, "Hoffnung" zu bringen und "Wandel, an den wir glauben können", legte nun den letzten Haushaltsentwurf seiner ersten Amtsperiode vor.
Bild vergrößern
US-Präsident Barack Obama bei einem Gespräch mit Studenten an einem College in Virginia. Das Thema: Sein Haushaltsentwurf für 2013. (© AFP)
Anzeige
Es ist ein Haushalt voller Illusionen. Obama verspricht einen Wandel, an den niemand mehr glaubt: eine Reichensteuer, Investitionen in Bildung, Industrie und Infrastruktur, und das bei einem Defizit von mehr als 1,3 Billion Dollar. Mit 7,5 bis acht Prozent der Wirtschaftsleistung ist das US-Budget nicht so furchtbar weit von griechischen Verhältnissen entfernt.
Obamas Präsidentschaft bekommt hier eine tragische Komponente. Es wäre ja richtig, das amerikanische Steuersystem wieder in die Balance zu bringen. Ohne Steuererhöhungen ist eine Lösung der Haushaltsprobleme nicht denkbar. Es wäre auch richtig, in neue Straßen und Schienen, in Leitungsnetze und in die Flugsicherung zu investieren. Erst recht wäre es nötig, Milliarden in das marode Bildungssystem zu stecken.
Aber all diese guten Pläne haben nicht den Hauch einer Chance, das republikanisch beherrschte Repräsentantenhaus zu passieren. Die Aussicht auf Kompromisse mit der anderen Seite ist im Wahljahr gleich null. So ist das Budget vor allem eines: die Vorlage für einen ziemlich populistischen Wahlkampf durch das Weiße Haus.
Es bleiben vor allem das Defizit und die Staatsschulden. Obamas Haushaltsdirektor Jack Lew hat ja recht, wenn er sagt: "Jetzt ist nicht die Zeit für Austerität." Will heißen: Die Wirtschaft ist noch zu schwach, als dass sie massive staatliche Sparpolitik aushalten würde. Tatsächlich haben ja, wie die niedrigen Zinsen zeigen, die Finanzmärkte trotz des Defizits den Glauben an Amerika nicht verloren. Das ist der Unterschied zu Griechenland.
Amerika wird für das Defizit zunächst auch belohnt: Das Land vermeidet die Rezession und genießt einen moderaten Aufschwung. Die weltwirtschaftlichen Konsequenzen dieser Konstellation sollte man allerdings nicht unterschätzen: Die Deutschen sind mit ihrem Sparkurs isolierter denn je. Sie werden, je nach Fortgang der Euro-Krise, aus Washington unter Druck gesetzt werden. Wer Geld hat, sollte es auch ausgeben, sagen die Leute aus Obamas Wirtschaftsteam.
Die Logik hat sich umgedreht
Aber wie nachhaltig ist das alles? Zu Beginn der Amtszeit Obamas 2009 schien die Grundlinie klar zu sein: Man muss erst mit viel Geld den Absturz in die Depression verhindern, dann muss man den systematischen Abbau der Staatsschulden vorbereiten. Diese rationale Strategie hat sich in der Realität des Washingtoner Parteienkampfs zerschlagen. Alle wissen, dass der Etat nur saniert werden kann, wenn die amerikanischen Sozialsysteme - Rente und Krankenversicherung der Rentner - radikal reformiert werden.
Wer solche Themen jedoch angeht, begeht politischen Selbstmord, vermutlich nicht nur in Washington. Wer Opfer verlangt, wird abgewählt. Deshalb hat sich die Logik umgedreht: Die Debatte um die Sozialsysteme findet nicht statt, stattdessen zwingen die Republikaner Obama in einen absurden Kürzungswettlauf bei kurzfristigen, meist sehr sinnvollen Ausgaben.
Amerika hat vier Jahre verloren. Kann es sie aufholen? Was Europäer leicht unterschätzen: Die USA haben, auch wenn die verfallende Infrastruktur etwas anderes nahelegt, eine dynamische und hochproduktive Volkswirtschaft. Diese Wirtschaft hält mehr politische Fehler aus als die europäische, deshalb können die USA aus einem Teil der Probleme einfach herauswachsen. Aber die Fehlertoleranz ist nicht unbegrenzt. Der nächste Präsident muss beim Budget Führung zeigen. Angesichts der republikanischen Bewerber wünscht man sich trotz allem, dass er wieder Obama heißt.
- Thema
- Wahlen in den USA RSS
- Haushaltsplan für 2013 Obama verschiebt das Sparen 13.02.2012
- Vorwahlen der US-Republikaner Romney gewinnt in Maine 12.02.2012
- Mitt Romney und Rick Santorum beim Republikaner-Gipfel Wettstreit um die wahren konservativen Werte 11.02.2012
- Comeback von Republikaner Santorum Strippenzieher im Hardliner-Pelz 10.02.2012
- Komikerin mischt US-Wahl auf Roseanne for President 08.02.2012
- US-Vorwahlen der Republikaner Santorum überholt Romney in aktueller Umfrage 14.02.2012
- Wahlkampf in den USA Obama rekrutiert Wahrheitskämpfer 14.02.2012
(SZ vom 14.02.2012/fran)
Foto-Wettbewerb Talents
Lohnzettel auf Facebook
Parteispender 2010
Putin, der "Alpha-Rüde"
Politiker und ihre Pannen
Der von ihnen genannte Marktradikalismus in den USA ist eine Ausprägung von religiösem Fundamentalismus an eine bestimmte Sache / an etwas Höheres zu glauben und der Meinung zu sein es sowieso nicht ändern zu können. Und vor allem deshalb siedle ich die Republikaner trotzdem verglichen mit unserer Parteienlandschaft ganz weit rechts an einem ultra-radikalen-Rechtskonservativismus.
Prinzipiell stimme ich Ihnen zu, US-Parteien lassen sich nicht so leicht auf das deutsche Parteiensystem abbilden. Unser Links-Rechts-Schubladensystem ist spaetestens seit dem Aufkommen der Marktradikalen sowieso ueberholt. Jetzt muesste es eigentlich ein Dreieckschema sein Links-Rechts-Marktradikal.
Dann wird auch viel klarer, wo die Republikaner und insbesondere die TeaParty stehen. Die stehen naemlich nicht bei den Rechten, sondern bei den Marktradikalen - den Manchester-Kapitalisten, wie Sie sie nennen. Doch von rechts kommend.
Jetzt ist die Frage, wo stehen die Demokraten in diesem Dreieck? Sie stehen nicht in der Mitte. Auch die US-Demokraten tendieren zur marktradikalen Ecke hin, diesmal von links kommend.
In den USA gilt, was auch in Deutschland gilt: Es gibt keine Partei in der politischen Mitte.
"...Ich habe kürzlich einem US-Kollegen erklärt
in welcher Partei Obama in Deutschland zum Kanzler geworden wäre. ..."
Ihr Vergleich der Parteienlandschaften der USA mit der in D ist zwar amüsant, aber falsch.
Beide US - Parteien bilden das geamte demokratische Spektrum ab, die GOP mit Schwerpunkt Manchester-Kapitalismus und die Dem.P mit Schwerpunkt sozialer Kapitalismus. Eine Nähe zur NPD ist bei der GOP nicht mehr und nicht weniger ausgeprägt, als etwa bei der CSU.
Die Unterschiede der US - Parteien sind in erster Linie in den spezifisch regional-vernetzten Protagonisten zu suchen. So ist ein GOP Politiker aus Kalifornien durchaus liberaler, als etwa ein Demokrat aus Utah, u.ä.m.
Da wir hier in D den Manchester-Kapitalismus (zurecht) ablehnen, kommt bei uns ein Verfechter dieser Linie logischerweise nicht gut an (tea-party ...), während für US-Verhältnisse ein sozialer Politiker unsere Sympathie erhalten kann.
Eine Einordnung der US-Parteien in unsere links-rechts-Poltischublade ist deshalb m.E. unmöglich.
"Sozialisten können einfach nicht anders, als das Geld der Bürger hinauszuwerfen und umzuverteilen. "
Für diesen dümmlichen Spruch verleihe ich Ihnen den "pira26 - Gedächtnis Orden" da können Sie jetzt richtig stolz drauf sein :o))
...und nur die gaaanz Doofen glauben, dass Steuersenkungen ala TeePartySanen keine Umverteilung sind. Nur das Vorzeichen ist umgedreht. Wieso sind eigentlich alle so scharf da drauf ausgerechnet die Koch Brüder und ihre Klientel zu pampern?
er kennt die Mehrheitsverhältnisse im Kongress... aber deutlich machen, was notwendig ist und wer das alles ausbremst halte ich für sehr wichtig...
Die Bremser und Verhinderer sind die komischen Tea Party Republikaner, die irgendwie durch ein "Zeitfenster" 200 Jahre zurück gefallen sind...
Paging