Obama beim Antrittsbesuch in Moskau: Der US-Präsident betont die Gemeinsamkeiten mit Russland, Kremlchef Medwedjew will Fortschritte beim Thema Abrüstung.
US-Präsident Barack Obama und der russische Staatschef Dmitri Medwedew sind bei den Verhandlungen über eine Verkleinerung der Atomwaffenarsenale offenbar einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Die beiden Staatschefs wollten am Montag in Moskau ein vorbereitendes Dokument für ein Nachfolgeabkommen des START-Abrüstungsvertrags unterzeichnen, wie die Nachrichtenagentur Interfax berichtete. Inhalte wurde zunächst nicht bekannt.
Freundliches Klima im Kreml: Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew empfängt Barack Obama. (© Foto: AFP)
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Bei der Ankunft Obamas in Moskau sagte Medwedew am Montag, beide Seiten wollten eine Reihe schwieriger Kapitel aus den vergangenen Jahren schließen und "neue Seiten aufschlagen". "Wenn wir in den kommenden Tagen hart arbeiten, können wir außergewöhnliche Fortschritte erzielen", antwortete Obama, bevor sich die beiden Präsidenten zu einem vierstündigen Gespräch zurückzogen. "Wir haben mehr Verbindendes als Trennendes", sagte Obama.
Die kühle Witterung nahm Medwedew zum Anlass, auf die unter Obamas Vorgänger George W. Bush zuletzt stark abgekühlten russisch-amerikanischen Beziehungen anzuspielen: "Selbst das Wetter" sei für eine Aufwärmung geeignet. "Draußen ist es kalt, also können wir drinnen ordentlich arbeiten", scherzte der Kremlchef. Es gebe jeden Grund drinnen zu bleiben, pflichtete Obama ihm bei. In Moskau wurden am Montag nur elf Grad Celsius gemessen.
Wie die russische Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf einen Vertreter des Außenministeriums in Moskau berichtete, hatten sich die Unterhändler beider Länder kurz vor Obamas Antrittsbesuch in Moskau auf einen Text verständigt, der den Rahmen für die weitere atomare Abrüstung abstecken soll. Dabei geht es um ein Nachfolgeabkommen für den START-I-Vertrag, der Ende des Jahres ausläuft.
Nach Angaben aus dem Kreml sollte das vorbereitende Papier noch keine konkreten Daten, aber Zahlen erhalten. Damit könnte gemeint sein, dass sich die USA und Russland in dem Vorbereitungsdokument bereits auf eine konkrete Zahl von Atomsprengköpfen festlegen.
Umstritten ist, ob nur die einsatzbereiten oder auch die eingelagerten Sprengköpfe gezählt werden. Ein Hauptstreitpunkt bei den Verhandlungen sind zudem die US-Pläne für einen Raketenschild in Osteuropa, die Russland als Bedrohung seiner Sicherheit einstuft.
Nach Angaben aus Moskau wollten Obama und Medwedew bei dem Treffen außerdem ein Abkommen unterzeichnen, das den Transit von US-Militärgütern für den Afghanistan-Einsatz über russisches Territorium regelt. Dabei gehe es vor allem um die Nutzung des russischen Luftraumes, aber auch des Landweges. Nach Angaben aus Washington soll zudem eine gemeinsame Kommission zum Schicksal von Kriegsgefangenen und verschollenen Soldaten wiederbelebt werden.
Nach der Unterredung der beiden Präsidenten und einer gemeinsamen Pressekonferenz war für den Abend ein Essen in Medwedews Residenz in Gorki in der Nähe von Moskau geplant, an dem auch die Ehefrauen Swetlana Medwedewa und Michelle Obama teilnehmen sollten. Für Dienstag war ein Frühstück mit Ministerpräsident Wladimir Putin vorgesehen.
Vor seinem Besuch in Moskau hatte Obama den Prozess gegen den früheren russischen Öl-Magnaten Michail Chodorkowski kritisiert. In einem Interview mit der Kreml-kritischen Zeitung Nowaja Gaseta nannte der US-Präsident es "seltsam", dass die neuen Anschuldigungen gegen Chodorkowski und seinen früheren Geschäftspartner Platon Lebedew in dem Moment aufgetaucht seien, als eine Begnadigung der Männer in Frage gekommen sei.
Der frühere Chef des Ölkonzerns Yukos war in einem ersten Prozess zu acht Jahren Haft verurteilt worden und sitzt seit 2005 in einem sibirischen Straflager in Haft. Derzeit wird dem Kreml-Kritiker in einem neuen Betrugsverfahren erneut der Prozess gemacht. Kritiker vermuten dahinter einen Versuch, Chodorkowskis Freilassung in absehbarer Zeit zu verhindern. Medwedew hatte eine Begnadigung Chodorkowskis erst am Sonntag abgelehnt.
- Russland-Amerika-Gipfel Mit einem Hauch von Eis 06.07.2009
- Obama in Moskau Suche nach der magischen Zahl 04.07.2009
(AP/AFP/woja/segi)
Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev
"Der Respekt vor der nationalen Souveränität ist nach den Worten Obamas ein Kernstück der internationalen Ordnung. Das gelte für die USA und Russland, aber auch für Georgien und die Ukraine."
Und Jugoslawien, Kosovo, Bosnien, Slowenien? Wie [fast] immer ... zweierlei Maß.
Sehr schön.
Dennoch frage ich mich: Wo ist der Knopf in Medwedjew's Ohr mit dem er sich sonst von Putin aus fernsteuern lässt ?
Man wird das Gefühl nichrt los, dass sich hier die Assistenten treffen, während Bush und Putin woandes die wichtigen Dinge beschließen...