Eine Außenansicht von Stephen Szabo

Die Erwartungen sind himmelhoch: Mit Barack Obama ist endlich wieder ein Vertreter des "anderen Amerika" in Sicht. Einer, der auch bereit ist, Europa als Partner zu behandeln - Deutschland vor der Ankunft des ersehnten Heilsbringers.

Was Barack Obama diese Woche unternimmt, ist der Versuch, sein außenpolitisches Ansehen in der Heimat aufzuhübschen. Der symbolisch wichtigste Stopp wird der an diesem Donnerstag in Berlin sein. Obama kann ein herzliches Willkommen erwarten, vergleichbar mit John Kennedys legendärem "Ich bin ein Berliner"-Besuch von 1963.

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Die Wahl von Berlin ist kein Zufall. Obama wird in Deutschland bereits als der nächste Kennedy betrachtet, und sein Motto des Generationenwechsels erinnert an Kennedys Aufruf, die Fackel an die nächste Generation weiterzureichen.

Der Bruch mit Deutschland, Amerikas engstem europäischen Verbündeten seit Jahrzehnten, wegen des Iraks war besonders tief, und für den nächsten US-Präsidenten wird es Priorität haben, diese Beziehung zu reparieren.

Die Erwartungen in Europa sind himmelhoch. Nach einer kürzlichen Umfrage besitzt Obama das Vertrauen von 84 Prozent der Franzosen, 82 Prozent der Deutschen und 74 Prozent der Briten, während McCain demgegenüber auf 33 und 33 respektive 44 Prozent kommt. Sogar europäische Spitzenpolitiker, die normalerweise die bekannte Größe vorziehen würden (in dem Fall also McCain), neigen zu Obama. Warum? Und was sagt uns dies über den Zustand der transatlantischen Beziehungen im Allgemeinen, und der deutsch-amerikanischen Beziehungen im besonderen?

Zunächst ist Obama nicht Bush, und er ist kein Republikaner. Das wird von den meisten Europäern als großes Plus gesehen, besonders von Deutschen. Die Europäer haben sich ihr Urteil über Bush und seine Regierung gebildet, und nichts wird dies mehr ändern. "Transatlantic Trends", die Studie des German Marshall Fund vom vergangenen Herbst, ergab, dass das Vertrauen in die US-Führung in Deutschland am stärksten zurückgegangen ist: Nur noch 38 Prozent betrachten sie als wünschenswert, im Vergleich zu 68 Prozent im Jahr 2002.

Für die Deutschen verkörpert Bush einen militaristischen außenpolitischen Ansatz, verbunden mit schlechten Manieren sowie einer naiven, unbekümmerten Herangehensweise an eine unordentliche, un-amerikanische Welt. Wie die meisten Amerikaner, so glauben auch die Deutschen, dass der Irakkrieg ein großer Fehler und eine Verletzung internationalen Rechts war.

Er hat das Ansehen von Amerika als einer Demokratie beschädigt, die das internationale Recht und die bürgerlichen Freiheiten respektiert. McCain wird lediglich als die mildere Version von Bush gewertet, besonders was seine Vorstellungen über Russland, Iran und Irak betrifft. Der Umstand, dass einige seiner Berater Neokonservative sind oder als Träger neokonservativer Vorstellungen gesehen werden, verstärkt diesen Eindruck nur.

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