Die Fernsehdebatte zwischen den US-Präsidentschaftskandidaten verlief hitzig - keiner der beiden konnte einen Sieg verbuchen: Obama punktete in der Wirtschaftspolitik, McCain in außenpolitischen Fragen.
Da war er also. Im dunkelblauen Anzug und mit gestreifter Krawatte trat John McCain auf die Bühne an der Universität von Mississippi. Sein Erscheinen sollte die größte Überraschung des Abends bleiben. Die erste Rededuell war erwartungsgemäß hitzig und es endete wie von den meisten Beobachtern prognostiziert: Mit einem Unentschieden.
Bild vergrößern
Frostiges Zusammentreffen: Der republikanische Präsidentschaftsbewerber John McCain (l.) und sein demokratischer Rivale Barack Obama. (© Foto: AP)
Anzeige
Der republikanische US-Präsidentschaftsbewerber McCain und sein demokratischer Gegner Barack Obama lieferten sich einen Schlagabtausch zur Wirtschaftskrise, zum Irak-Krieg, zum Konflikt in Afghanistan und zum iranischen Atomprogramm. Keiner der beiden konnte den anderen überrumpeln, keinem unterlief ein schwerer Fehler. Zu minutiös werden die Kandidaten im US-Wahlkampf heute auf ihre Auftritte vorbereitet, als dass ein Patzer oder ein rhetorischer K.O. wahrscheinlich wären.
Dass es überhaupt zu der Debatte kam, war da schon schwerer vorhersehbar gewesen. Noch am Freitagmorgen sprach vieles dafür, dass McCain das Duell platzen lassen würde. Der Kongress hatte dem Plan gegen die nationale Wirtschaftskrise nicht verabschiedet, von dem McCain sein Kommen abhängig machen wollte.
"Sicherheit und Solvenz"
Doch gegen Mittag änderte der 72-Jährige seine Meinung, wohl auch, weil er befürchtete, die Wähler würden sein Verhalten als Versuch werten, sich zu drücken. Offenbar ein unerträglicher Gedanke für den früheren Kampfpiloten.
Geplant war eine rein außenpolitische Debatte, doch die Finanzkrise, die Amerika seit Wochen in Atem hält, brannte den Kandidaten eher auf den Lippen. Moderator Jim Lehrer gelang es, die Themen mit einem Zitat des früheren Präsidenten Dwight Eisenhower elegant zu verbinden: "Wir müssen Sicherheit und Solvenz zugleich erreichen", hatte Eisenhower 1952 in seinem Wahlkampf gesagt, "da das Fundament militärischer Macht in wirtschaftlicher Stärke liegt."
Obama erwischte den besseren Start. Er attackierte McCain als Unterstützer von Präsident George W. Bush. "Die Krise ist das Verdikt über acht Jahre gescheiterte Wirtschaftspolitik", sagte Obama. Die Republikaner hätten Regeln und Verbraucherrechte geschleift und das Land so in die Krise gestürzt.
McCain hingegen kritisierte Obama als ausgabefreudigen Liberalen. Für den Fall seines eigenen Siegs im November kündigte McCain eine Haushaltssperre an. Obama konterte, er wolle kein Beil, sondern ein Skalpell benutzen, um das Budget zu trimmen.
Je länger die Debatte dauerte, desto stärker und angriffslustiger wurde McCain. Erst recht, als sich die beiden Kontrahenten der Außenpolitik widmeten, McCains Paradedisziplin. Der Republikaner nannte Obamas Irak-Politik naiv und trieb ihn bei der Frage nach dem Umgang mit dem iranischen Regime in die Enge.
Weitere TV-Duelle
Obama hält direkte Gespräche mit dem israelfeindlichen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad auch ohne Vorbedingungen für möglich. McCain machte sich darüber lustig. "Wie sollen wir uns so ein Treffen vorstellen? Ahmadinedschad sagt: 'Wir werden Israel vernichten.' Und dann sagt Obama: 'Das werdet ihr nicht!'" Darüber musste selbst Obama lachen.
Erste Meinungsumfragen sahen den Demokraten dennoch in der Gunst der Zuschauer vorn. Solche Statistiken sind aber nur wenig aussagekräftig. Für gewöhnlich verfolgen mehr demokratische als republikanische Wähler die Fernsehdebatten. Wahrscheinlich wird keiner der Kandidaten nach dem gestrigen Abend einen Sprung in den Umfragen machen.
Die nächsten Duelle finden am 7. Oktober in der Belmont Universität in Nashville in Tennessee und am 15. Oktober an der Hofstra Universität in Hempsted in New York statt. In der nächsten Woche treffen die Vizekandidaten Sarah Palin und Joe Biden aufeinander.
Ein Unentschieden zwischen Obama und McCain könnte es übrigens auch am Wahltag geben. Mathematiker beziffern die Wahrscheinlichkeit, dass beide Kandidaten die gleiche Anzahl an Wahlmännern bekommen auf bis zu drei Prozent.
- McCain gegen Obama TV-Duell ohne Höhepunkte 27.09.2008
- Erste TV-Debatte im US-Wahlkampf McCain kommt 26.09.2008
- US-Wahlkampf Eins nach dem anderen 25.09.2008
- US-Wahl Obama pocht auf TV-Duell 25.09.2008
- Nobelpreisträger im US-Wahlkampf "Wählt Obama" 26.09.2008
(sueddeutsche.de/gal)
Szene München
Kommentar schreiben
Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel zu kommentieren, bestehende Kommentare zu bewerten und bei neuen Kommentaren per E-Mail benachrichtigt zu werden.